Nachbarn von "Bombenleger von Waldkraiburg" berichten

"Er wirkte jetzt nicht wie der Allerschlaueste ..."

Nachbarn beschreiben IS-Anhänger Muharrem nach Attacken auf türkische Läden in Waldkraiburg
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Im Gespräch mit innsalzach24.de berichten Nachbarn von Muharrem D., wie sie den "Bombenleger von Waldkraiburg" erlebten.

Waldkraiburg - Drei Tage nach der Verhaftung des "Bombenlegers von Waldkraiburg" Muharrem D. berichten seine Nachbarn, wie sie ihn erlebten.

"Nein, auffällig war er nicht. Es war halt schon komisch, dass er als Türke einen Hass auf Türken hatte. Aber da hat er halt auch nur mal abfällige Äußerungen fallen lassen, in der Art 'die sollen sich zurück scheren, wo sie hergekommen sind'", berichtet Hans Müller*, der den 25-Jährigen kannte, gegenüber innsalzach24.de. "Aber nichts, was eine Gewaltbereitschaft, geschweige denn die Bereitschaft zu solchen Taten hätte vermuten lassen."


Bilder von der Anschlagserie in Waldkraiburg 

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Perfekt deutsch habe Muharrem D. gesprochen, schildert Hans Müller weiter. "Besser, als das mancher Deutscher tut", setzt er hinzu. Dass D. ausgerechnet wegen eines fehlenden Zugtickets erwischt wurde, sei für ihn wiederum nicht verwunderlich. "Er wirkte jetzt nicht wirklich wie der Allerschlaueste, das muss man schon sagen."


Trotz Türkenhass mit Türken zusammengelebt

Das mit dem Türkenhass sei komisch gewesen, ja. "Aber es gibt ja alle möglichen Einstellungen, die die Leute haben." Andererseits habe D. Mit einem Türken zusammengewohnt. "Wie das zusammenpasst, da fragen Sie mich was Leichteres." Von seiner Radikalisierung habe man nichts gemerkt. "Da hat er gar nichts in der Art gesagt, oder dass man es ihm irgendwie angesehen hätte."

Bewohner dürfen nach SEK-Einsatz in Waldkraiburg in Haus zurück

 © fib/Eß
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Erst seit etwa drei bis vier Monaten, nicht länger als dem Beginn des Jahres habe D. hier gelebt. Die Bewohner der WG, in welcher D. lebte, habe man in der Nachbarschaft kaum gekannt."Die wechselten auch ständig durch. Soweit ich weiß, kannten sie sich kaum untereinander. Das wirkte auch eher wie eine Zweckgemeinschaft." Die Dreizimmer-Wohnung selbst sei auch eher spartanisch eingerichtet. "Da wohnt halt auch niemand lange genug, um es sich anzupassen."

"Eigentlich eine ruhige Gegend"

Überwiegend kenne man sich im gesamten Hausblock, ergänzt Franz Maier*, ein anderer Nachbar. "Man grillt im Sommer zusammen, trinkt einen Kaffee zusammen." Es sei eigentlich eine ruhige Gegend, ein guter Ort zum Wohnen. "Wissen Sie, als diese Taten anfingen, dachte ich mir noch: 'Na gut, hier bei uns wird da schon nichts passieren, hier ist ja sonst nie was.'" 

Wohnblock evakuiert - Großeinsatz in Waldkraiburg

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Schon zuvor hatte ein Nachbar D. gegenüber innsalzach24.de als unauffällig beschrieben. "Manche Leute sind geselliger, andere wieder nicht". so Maier weiter. D. habe er nicht bewusst wahrgenommen. "Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich mit ihm mal ein Wort gewechselt habe." 

Auch Hans Müller schildert D. als unauffälligen Nachbarn. "Da gab es nie Probleme, keine lauten Partys oder sonst etwas." 

Nur durch Glück und Zufall erwischt

Nur durch Glück und Zufall kam die Polizei Muharrem D. am Freitagabend auf die Spur. Ohne Ticket saß er mit einem Koffer im Zug von Garching nach Mühldorf. Dabei erwischt, übergab ihn die Kontrolleurin am Bahnhof Mühldorf an die Bundespolizei.

Großbrand in Waldkraiburg am 27. April

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Im Zuge seiner Vernehmung wurden die Beamten auf das Gepäck des jungen Mannes aufmerksam, in dem sich dann die Rohrbomben fanden. Der 25-Jährige räumte im darauf folgenden Verhör ein, dass er der Täter hinter der Anschlagserie auf insgesamt vier Geschäfte mit türkischen Inhabern sei.Er bekannte sich zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und gab als Tatmotiv Hass auf Türken an. Seine Eltern stammen aus der Türkei und sollen kurdische Wurzeln haben. Laut der Polizei spielte aber der Konflikt zwischen Türken und Kurden keine Rolle bei seinem Motiv.

Außerdem verriet er das Versteck weiterer Bomben und Sprengmaterials in seiner Wohnung sowie einer Garage in Garching an der Alz. Daraufhin wurden beide Orte von Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei untersucht.

*Namen von der Redaktion geändert

hs

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