Derzeit Tarifverhandlungen bei Firma Netzsch

"Es herrscht hier eine sehr bedrückte Stimmung!" 

+
  • schließen

Waldkraiburg - Derzeit herrscht eine angespannte Stimmung bei der Firma Netzsch, während nach deren Austritt aus der Tarifbindung Verhandlungen für einen neuen Tarif laufen. Wir haben mit allen Beteiligten gesprochen.

Bereits im Oktober war die Firma Netzsch aus dem Arbeitgeberverband für die Metall- und Elektroindustrie VBM ausgetreten und damit aus der Tarifbindung. Die Belegschaft und die Öffentlichkeit wurden darüber dann im Februar informiert. Im Juni gab es dann auch einen Warnstreik mit großer Beteiligung. Neben dem Zweiten Bürgermeister Richard Fischer, selbst ein ehemaliger Netzschler, waren auch weitere Vertreter von Gewerkschaften und Betriebsräte anderer Firmen der Region sowie der SPD-Landtagsabgeordnete Günther Knoblauch gekommen, um die Beschäftigten ihrer Unterstützung zu versichern. Derzeit laufen nun Verhandlungen zwischen IG Metall, Betriebsrat und dem Unternehmen über eine künftige Tarifregelung.

Zwei Optionen

"Es gibt dabei zwei Optionen", erklärt Geschäftsführer Jens Niessner im Gespräch mit unserer Redaktion. Zum einen, dass alles bleibe wie es momentan ist beziehungsweise nach dem Ausstieg aus dem Verband vorgesehen war. "Für die nächsten fünf Jahre wäre der derzeitige Tarif garantiert. Sollte sich allerdings danach etwas an der wirtschaftlichen Lage ändern, würden wir die nächste Tarifrunde aussetzen und später nachholen", erläutert Niessner. Das Unternehmen habe mit der Öl- und der Weltwirtschaftskrise zweimal harte Zeiten durchgemacht. Besondere Investitionen in den Standort Waldkraiburg seien dabei nicht vorgesehen.

Die andere Variante sei ein "Zukunfts-Tarifvertrag. Dieser sieht, laut Niessner, vor allem drei "Eckpfeiler" vor:

  • Investitionen von insgesamt 40 Millionen Euro in den Standort Waldkraiburg, der nachhaltig ausgebaut werden soll.
  • Eine Beschäftigungsgarantie für alle Mitarbeiter.
  • Gleichzeitig aber auch eine Erhöhung der Wochen-Arbeitszeit von bisher 35 auf 36,5 Stunden
Am kommenden Dienstag soll sich noch einmal über einen Vorschlag ausgetauscht werden, danach gehen die Verhandlungen in eine Sommerpause bis September. 

Unsicherheit in der Belegschaft

"Leider bewegt sich das Unternehmen bei den Verhandlungen keinen Schritt weiter", kommentiert IG Metall-Regionalbezvollmächtigter Jochen Hafner den Stand der Verhandlungen. "Es herrscht hier eine sehr bedrückte Stimmung", berichtet Betriebsrats-Vorsitzender Günter Ott, "Das war für die meisten schon ein Schock!" Das Unternehmen habe sich zuvor jahrzehntelang in der Tarifbindung befunden, die vielen eine starkes Sicherheitsgefühl geboten habe. "Das steht jetzt alles zur Disposition!" Dies hätten seine Kollegen auch bei mehreren Versammlungen klar gestellt. "Vor allem sieht niemand die Notwendigkeit", klagt Ott, "Netzsch geht es sehr gut!" 

Auch Niessner räumt ein, das eine gewisse Unsicherheit in der Belegschaft vorhanden sei. "Es würde mich freuen, wenn wir nach der Sommerpause ein für alle Seiten akzeptables Ergebnis eines Zukunfttarifvertrages sehen", betont er. 

Zurück zur Übersicht: Waldkraiburg

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT