Mittelschule an der Dieselstraße

Lehrer "fix und fertig"? Das sagt die Schule

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Birgit Huber-Heinrich, Rektorin der Mittelschule an der Dieselstraße
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Waldkraiburg - Einzelne Stadträte fanden deutliche Worte zur Situation an der Dieselschule. Doch sind die Lehrer tatsächlich überlastet? Die Schulleitung widerspricht vehement:

Im Waldkraiburger Haupt- und Finanzausschuss fanden einzelne Stadträte deutliche Worte zur Belastung der Lehrer der Mittelschule an der Dieselstraße. Reinhard Babiak (SPD) kritisierte die vermeintlich hohe Zahl krankheitsbedingter Ausfälle und Bernd Sottek (CSU) konstatierte, dass die Lehrer manchmal fix und fertig seien - was nicht verwundere angesichts dessen, was an der Schule "abgeht".

Diesen Darstellungen widerspricht Schulleiterin Birgit Huber-Heinrich im Gespräch mit innsalzach24.de vehement. Huber-Heinrich räumt zwar ein, dass die Belastung oft "nicht niedrig" sei. Dies sei aber keine Besonderheit der Dieselschule. "Die Stadträte können gar nicht beobachten, wie es bei uns abgeht. Es geht nämlich nicht ab", sagt die Rektorin.

"Neue Aufgabenbereiche für jede Schule"

Ganz allgemein gibt es nach Einschätzung Huber-Heinrichs an den Schulen in Deutschland - nicht nur an der Dieselschule - neue, sozialpädagogische Arbeitsbereiche. "Diese Arbeitsbereiche kommen größtenteils aus den Familien heraus", erklärt die Rektorin. Neue Familienstrukturen, mehr Ehescheidungen, doppelte Berufstätigkeit - das sind für Huber-Heinrich einige der Gründe, weshalb manche Schüler heute mehr Probleme haben als früher. "Auf jede Schule ist dieser Aufgabenbereich zugekommen", sagt Huber-Heinrich.

Genau dort setzt die Jugendsozialarbeit an Schulen (JAS) an, die an der Dieselschule mit einer Vollzeitstelle vertreten ist. Die Sozialpädagogin der Schule hilft den Kindern, wenn sie Probleme mit den Eltern oder den Freunden haben, wenn sie gemobbt werden oder unter Prüfungsangst leiden. Mitunter fährt die Sozialpädagogin der Schule sogar raus zu den Eltern. Ein weiteres Aufgabenfeld der JAS ist die Präventionsarbeit, etwa was Drogen oder Gewalt betrifft.

Weniger krankheitsbedingte Ausfälle

Lehrer seien für diese Arbeit nicht ausgebildet. "Wir sind für die Wissensvermittlung vorgesehen", sagt Huber-Heinrich. Die JAS-Mitarbeiterin der Schule könne ihren zwei Aufgabenbereichen - konkrete Probleme der Schüler und Präventionsarbeit - derzeit aber nicht voll gerecht werden, so die Rektorin. Die Fallzahlen seien schlicht zu hoch. Genau deshalb hatte die Schule eigentlich eine weitere Halbtagsstelle beantragt, war aber am Veto des Stadtrats gescheitert. Das Gremium votierte angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt gegen den Antrag.

Weil die JAS-Mitarbeiterin alleine das eigentlich nötige Pensum nicht vollends bewältigen kann, müssen sich mitunter eben doch die nicht dafür vorgesehen Lehrer um anfallende Aufgaben kümmern. Dass das die Belastung der Lehrkräfte erhöht, räumt Huber-Heinrich ein, und gibt in diesem Punkt Stadtrat Bernd Sottek recht. Der Rektorin ist aber wichtig zu betonen, dass die Dieselschule deshalb keine Problemschule sei. "Es liegt nur an der Fülle der Aufgaben, nicht an der Qualität der Aufgaben."

Wie Huber-Heinrich außerdem erläutert, gebe es in der Lehrerschaft nicht außergewöhnlich viele krankheitsbedingte Ausfälle. Laut Krankenstatistik gebe es im laufenden Schuljahr sogar weniger Ausfälle als in den Vorjahren. Und wenn mal ein Lehrer ausgefallen ist, habe dies oft orthopädische Ursachen gehabt und nie psychische.

Schule hätte zwei Kandidaten für die Übergangsklasse

Unabhängig von der JAS bräuchte die Mittelschule eine weitere sozialpädagogische Kraft. An der Schule gibt es eine Übergangsklasse für junge Migranten und Asylbewerber mit sehr schlechten Deutschkenntnissen. Voraussetzung für eine solche Klasse ist eigentlich ein Sozialpädagoge, zusätzlich zum Klassenleiter. Diese sozialpädagogische Stelle würde auch zu hundert Prozent vom Europäischen Sozialfonds gefördert, allerdings ist es der Stadt Waldkraiburg bislang nicht gelungen, geeignetes Personal zu finden. Huber-Heinrich hofft, dass die Stelle möglichst bald besetzt wird. Die Schule wolle die Stadt bei der Suche unterstützten, zwei mögliche Kandidatinnen habe man bereits.

Während die Lehrkraft den Kindern in der Übergangsklasse Deutsch und schulisches Grundwissen vermittelt, soll der Sozialpädagoge die Integrationsarbeit übernehmen. Konkret bedeutet das auch, dass er die Kinder und deren Eltern beim Ausfüllen von Formularen und bei Behördengängen unterstützt. "Das ist ein separater Arbeitsbereich, der durch den Lehrer nicht zu bewältigen ist", so die Rektorin. Nichtsdestotrotz übernimmt derzeit die Klassenlehrerin genau diese Aufgaben - zumindest, so gut es geht. Die Lehrerin sei Huber-Heinrich zufolge auch schon in den Schulferien bei Behördengängen dabei gewesen. Ein Dauerzustand kann dies freilich nicht sein.

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