Politische Diskussionsrunde in Waldkraiburger Schenkerhalle

Landrats-Kandidaten spielen beim Kreisjugendring „DGB-Monopoly“

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vlnr: DGB-Bezirksgeschäftsführer Günter Zellner mit den Landratskandidaten Peter Corticelli(FDP), Cathrin Henke(Grüne) und Angelika Kölbl(SPD).

Waldkraiburg - Rund 50 Interessierte waren am Donnerstagabend in die Waldkraiburger Schenkerhalle gekommen, um die Landratskandidaten von FDP, SPD und Grünen zu hören. 

Zwar eingeladen, terminlich aber verhindert, waren die Kandidaten von UWG(Ulrich Maier) und CSU(Max Heimerl). Überhaupt nicht eingeladen war hingegen der Kandidat der AfD: „Es gibt da einen Grundsatzbeschluss des DGB, dass man der AfD keine Bühne geben soll“, begründete der Mitorganisator und Waldkraiburger SPD-Bürgermeisterkandidat Richard Fischer diese Konstellation. Mitspielen konnten immerhin Peter Corticelli (FDP), Kreisrätin Cathrin Henke (Grüne) und Angelika Kölbl (SPD).


Zur Begrüßung wies Hausherrin Kirstin Hüwel darauf hin, dass der Kreisjugendring momentan lokalpolitische Debattierrunden veranstaltet. Daher soll am 11.02. eine weitere Diskussionsrunde mit den Landratskandidaten in der Schenkerhalle stattfinden, die sich gezielt an die Jugendlichen richte. Auch eine Diskussionsrunde der Jugendlichen mit Waldkraiburger Bürgermeisterkandidaten ist am 27.02. im Haus der Kultur geplant. Anschließend gab es insgesamt 14 Fragen zu verschiedenen Sachbereichen. Die Themen konnten die Kandidaten mit einem Würfel zufällig selbst bestimmen, um dann anschließend zwei Minuten lang etwas dazu zu sagen. Pro Spielrunde durften die beiden anderen Kandidaten jeweils ein Veto einlegen, um dann ebenfalls zwei Minuten lang zu sprechen. Am Ende führte Cathrin Henke die Redezeit mit mehr als 19 Minuten an, während Angelika Kölbl 17 Minuten geredet hatte. Peter Corticelli kam immerhin noch auf 14,5 Minuten, wobei angemerkt werden muss, dass es – spielbedingt – viele Fragen zum DGB zu beantworten gab, welche den Kandidaten nicht angerechnet wurden.

DGB-Monopoly in Waldkraiburg mit drei Landratskandidaten

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Echte Vetos waren beim "DGB-Monopoly" am Donnerstag in Waldkraiburg selten, weil die Redezeit dann meist als Ergänzung oder Bekräftigung des Vorredners verwendet wurde. Ein massives Veto gab es aber vom FDP-Bürgermeisterkandidaten Valtenin Clemente, dem Corticelli kurzerhand seine Veto-Redezeit weitergereicht hatte: Kreisrätin Cathrin Henke(Grüne) hatte bei einer Frage zur Gesundheit erklärt, dass es „vor unserer Zeit“ Fehler beim Management der Krankenhäuser gab. Clemente bestand darauf, dass auch aktuell schwere Fehler gemacht würden: „Wenn es in Mühldorf keinen einzigen Katheter mehr gibt, wie soll das denn gut für einen Infarkt-Patienten sein?“. Auch Angelika Kölbl hatte beim Thema Klinikfusion ihr Veto eingelegt und die Kommunikation der Gremien bemängelt, welche „unter den Mitarbeitern nur Unsicherheit verbreite“. Bei einer vorherigen Gesundheits-Frage hatte Henke klar gemacht, dass sie als Landrätin „unsere tollen Pflegeeinrichtungen unterstützen“ wolle, mehr dringend benötigtes Pflege-Personal auszubilden. Corticelli(FDP) punktete bei der Wirtschafts-Frage, wie er das „Ausbluten der Innenstädte verhindern“ würde, indem er neben der Wirtschaft auch die Vereine ins Spiel brachte, die doch für mehr Leben in den Gemeindezentren sorgen könnten.

Bei den Themen Bildung, Kultur und Familie waren sich die Kandidaten dann wiederum relativ einig, dass der Landkreis hier noch mehr tun muss, egal ob beim Förderzentrum(Henke), bei Ausstellungen, Veranstaltungen und Museen(Kölbl) oder bei den KiTa‘s(Corticelli), „welche eine wichtige Rolle bei der Gleichstellung von Mann und Frau spielen“, so Corticelli; auch an Betriebskindergärten sei dem FDP-Mann zufolge zu denken. Dass man hier generell umdenken müsse, forderte hingegen Cathrin Henke: „Sich um die Familie zu kümmern, darf nicht karriereschädlich für den Mann sein!“. Die Themen Umwelt und Verkehr verknüpften die Kandidaten ebenfalls recht einhellig, indem sie ein besseres und ökologischeres und ÖPNV-Netz forderten. Dass es sich dabei um ein „schwieriges Spannungsfeld“(Kölbl) handele, bestätigte auch Peter Corticelli, indem er aller Symphatie für die Ökologie zum Trotz die reale Bus-Situation in seinem Heimatort schilderte. Er schlug aber vor, beim ÖPNV künftig auch an Carsharing zu denken: „Smartphone und E-Autos eröffnen hier praktikable Lösungen im Individualverkehr!“, so der FDP-Kandidat. Cathrin Henke hingegen plädierte für ein „brauchbares Radwegenetz, nicht nur für Touristen!“ und erhielt dafür Applaus von den Anwesenden.

Ökologischer könnte Kreisrätin Henke zufolge auch die Schulbusflotte gestaltet werden, indem der Schulbeginn an den verschiedenen Einrichtungen besser aufeinander abgestimmt wird. Ein Landrat Peter Corticelli würde hingegen die Kommunen entlasten indem die Kreisumlage gesenkt wird: „Die Staatsquote ist doch sowieso viel zu hoch!“ erklärte der FDP-Politiker auf die Frage, was an der Umverteilung verbessert werden könne. So etwas liefe aber wohl Angelika Kölbls Plan entgegen, beim Wohnungsbau über die Kreiswohnbaugesellschaft aktiver zu werden. Darüber hinaus brachte die SPD-Kandidatin aber die Idee ins Spiel, beim Thema Wohnungen auch die Arbeitgeber ins Boot zu holen: „Was spricht denn eigentlich gegen Firmenwohnungen, wie sie früher üblich waren?“.

Während der rund 1,5-stündigen Diskussionsrunde wurde klar, dass das DGB-Monopoly durchaus Potential hat. Allerdings reagierten alle Kandidaten bei der ein oder anderen Frage zunächst mit Unverständnis, wie beispielsweise Kreisrätin Henke bei der Frage nach einem kostenlosen ÖPNV-Netz: „Ja welches denn? Erstmal eins haben!“, lautete ihre erstaunte Reaktion. DGB-Bezirksgeschäftsführer Günter Zellner dankte abschließend den Teilnehmern und den Gästen und war überzeugt, dass das Format Zukunft habe: „Wir haben bis zum 15. März noch acht solche Veranstaltungen geplant“, erklärte der SPD-Mann, der in Töging selbst für das Bürgermeisteramt kandidiert.

Peter Becker

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