Wegen SEVESO III-Richtlinie

Konzept für Areal des Alten Bahnhofs ist vom Tisch

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Der alte Bahnhof in Waldkraiburg.
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Waldkraiburg - Wegen einer EU-Richtlinie, die um Störfallbetriebe herum keine Neubauten diverser schutzwürdiger Nutzungen erlaubt, sind die bisherigen Planungen für den Alten Bahnhof erledigt.

Zwei Waldkraiburger Unternehmen, die NIGU Chemie GmbH und die Addivant Germany GmbH lassen derzeit vom TÜV ein sogenanntes Abstandsgutachten erstellen, wie die Waldkraiburger Nachrichten am Samstag berichteten. Beide Unternehmen sind als sogenannte Störfallbetriebe eingestuft, da dort mit Gefahrstoffen umgegangen wird, so die Zeitung. Die sogenannte Saveso III-Richtlinie der EU, die Ende 2016 in deutsches Recht umgesetzt wurde, fordert für solche Betriebe einen angemessenen Abstand zu schutzwürdigen Nutzungen, um schwere Folgen von Unfällen zu vermeiden. Unter "schutzwürdigen Nutzungen" sind beispielsweise Wohngebiete, Kinder- und Senioreneinrichtungen oder auch Einzelhandelsunternehmen mit hohem Kundenzustrom zu verstehen. Der notwendige Radius dafür beträgt etwa 190 Meter um die NIGU und 250 um die Addivant GmbH, so die Waldkraiburger Nachrichten. 

Innerhalb dieses Bereichs, das auch das Areal des Alten Bahnhofs umfasst, dürfen nun keine der genannten Nutzungen mehr entstehen. Damit ist ein Konzept der Stadtbau für das Gelände nun erledigt, die dafür extra eine Machbarkeitsstudie erstellen ließ. Das Konzept war zwar noch in einer frühen Phase, sah aber eine umfangreiche Nutzung vor. Demnach hätte das Bahnhofsgebäude saniert und das Erdgeschoss für eine Gastwirtschaft sowie das Obergeschoss für Wohnungen und geeignetes Gewerbe genutzt werden können. Außerdem sollte westlich davon die Heilpädagogische Tagesstätte für das Franziskushaus Au als Neubau realisiert werden. Daneben hätte auch ein weiteres Haus der Vereine als Ersatz für den "Freiraum 36" an der Aussiger Straße, sowie ein Gebäude für die Caritas und außerdem Labor- und Büroflächen für das geplante Technologietransferzentrum als Teil des Konzepts entstehen sollen. 

Lösung für Tagesstätte soll noch gesucht werden

"Am Donnerstag finden nun Gespräche mit dem Grundeigentümer statt, ob die Heilpädagogische Tagesstätte auf der östlichen Seite des Bahnhofs, außerhalb des von der Richtlinie betroffenen Bereichs, errichtet werden kann", berichtet Götz Keßler, Geschäftsführer der Stadtbau Waldkraiburg GmbH im Gespräch mit unserer Redaktion. Für das Bahnhofsareal gäbe es derzeit noch keine neuen Pläne.

"Für die innerhalb des Radius befindliche, schon bestehenden Bauten und Gewerbe gilt der Bestandsschutz", wie Bauamtsleiter Carsten Schwunk erklärt. Allerdings greifen auch bei diesen im Fall von wesentlichen Änderungen, Erweiterungen, oder sogar Neubauten die baurechtlichen Einschränkungen."Neubauten in dem betroffenen Bereich sind dann immer eine Abwägungsfrage", erklärt Schwunk, "Es müsste sich um Gewerbebetriebe ohne viel Publikumsverkehr handeln und auch keine alternative Fläche vorhanden sein." Letzteres sei im Fall von Waldkraiburg mit den ohnehin geringen Freiflächen allerdings kaum ein Hinderungsgrund. In jedem Fall würde es sich immer um schwierige Einzelentscheidungen handeln. 

Schon seit Jahren Suche nach neuer Nutzungsmöglichkeit 

Schon seit dem Erwerb durch die Stadt 2009 wird nach einem Verwendungszweck für das Gebäude und Areal des Alten Bahnhofs gesucht. Diverse andere Projekte, wie ein Hotel oder Restaurant, wurden immer wieder verworfen. In der Regel waren die, gegenüber vergleichbaren Neubauten, höheren Sanierungskosten dafür verantwortlich. Das grundlegende Konzept für die Nutzung als Heilpädagogische Tagesstätte der Franziskanerinnen war dann bereits im Dezember 2016 beschlossen worden. Danach war es dann eine Weile lang ruhig um das Thema geworden. UWG-Stadtrat Michael Steindl hatte dann Anfang März, am Rande der Sondersitzung des Stadtrats zum Bürger- und Ratsentscheid zum Waldbad, noch einmal darauf aufmerksam gemacht.

Ein, inzwischen verworfener, Vorentwurf für Pläne, den Alten Bahnhof für eine Heilpädagogische Tagesstätte zu nutzen.

Der Stadtrat beschloss dann in seiner regulären Sitzung Ende März einstimmig, die Stadtbau zu beauftragen, das Empfangsgebäude des alten Bahnhofs gemäß der bisherigen Vorplanung zu sanieren und erweitern. Die Finanzierung sollte durch einen langfristigen Mietvertrag erfolgen. Dieser sollte vorerst für zehn Jahre abgeschlossen werden. Ein Gesamtkonzept für die restliche Fläche des Bahnhofsgeländes sollte bis Ende 2018 erarbeitet werden. Anfang April gab es dann aber eine überraschende Wendung. Denn es stellte sich heraus, dass der Leitung des Franziskushauses Au schon Wochen vor der Stadtratsentscheidung mitgeteilt worden war, dass die Pläne für die Heilpädagogische Tagesstätte nicht mehr weiter verfolgt werden würden und diese deshalb bereits Alternativpläne verfolgte. In der Folge wurden Gespräche zwischen Stadt und Franziskushaus aufgenommen. 

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