Vor Waldbad-Bürgerentscheid Mitte Mai

Erhalt oder Neubau? - Diskussion von Bürgern und Politikern

Das Waldbad ist dringend sanierungsbedürftig. Was die beste Lösung ist, eine Sanierung oder ein Neubau, darüber wurde am Sonntagvormittag wieder viel diskutiert.
  • schließen

Waldkraiburg - Am Sonntagvormittag fand in der Brosch Cafebar unter dem Motto "Jetzt red I" eine Diskussionsrunde zum Thema Waldbad im Vorfeld des Ratsbegehrens und Bürgerentscheids Mitte Mai statt. 

Alle Artikel zum Waldbad Waldkraiburg auf unserer Themenseite

Jürgen Zabelt, der Vorsitzende des Waldbad-Fördervereins eröffnete die Diskussionsveranstaltung mit einem Rückblick auf die Geschichte von Waldbad und Förderverein sowie die Vorgeschichte des Ratsbegehrens und Bürgerentscheids. Er kritisierte, dass seitens der Stadt sowohl auf der Bürgerversammlung als auch in einer aktuellen Ausgabe der Stadtinfo nur sehr einseitig informiert worden sei. "Da musste ich mich fremdschämen, das fand ich nicht fair." 

Außerdem beklagte er, dass er und der Förderverein auf Facebook teilweise sehr ruppig angegangen würden. "Auch wir haben vielleicht mal über die Stränge geschlagen, aber ich finde es wichtig, dass die Diskussion fair bleibt", betonte er, "Ob jemand für Neubau oder Erhalt ist, darf nicht zu Beleidigungen unter der Gürtellinie führen." Dem stimmten in der Folge auch alle anderen Diskussionsteilnehmer zu. "Das Ergebnis von Ratsbegehren und Bürgerentscheid ist dann zu respektieren, egal wie es ausfällt", betonte Zabelt außerdem, "Danach sind wir dann alle wieder Waldkraiburger und werden der Stadt bestes suchen!" Auch darin bekam er von allen nachfolgenden Rednern Zustimmung.

Bilder vom "Jetzt red' i" zum Waldbad

Im Wesentlichen trugen die Vertreter der beiden Seiten in dieser Sache dann in der Diskussionsrunde ihre bereits beispielsweise auf der Stadtratssitzung oder der Bürgerversammlung zum Thema genannten Argumente vor. Die Befürworter des Erhalts des Bads am bisherigen Standort in der Reichenberger Straße führten vor allem die große Bedeutung des Bads als Teil der Waldkraiburger Stadtgeschichte und dessen einmaliges Angebot an. Unter anderem wurde außerdem angeführt, die zentrale Lage bedeute eine bessere Erreichbarkeit für alle Alters- und Gesellschaftsgruppen als der momentan geplante Standort für den Neubau in Zusammenarbeit mit Aschau an der St 2352 bei Thann. 

Besonders zwei ältere Waldkraiburgerinnen, die an der Diskussionsrunde teilnahmen, beklagten dies. "Wenn der Neubau in Aschau kommt, geht ein vor allem für junge Leute und Kinder wichtiger Treffpunkt mitten in der Stadt verloren", klagte eine von ihnen, "So wird es hier immer weniger attraktiv zu leben und die jungen Leute ziehen alle weg!" Dem wurde seitens der Fürsprecher des Neubaus entgegengehalten, die Erschließung des dafür vorgesehen Standorts sei gut auch durch öffentliche Verkehrsmittel und Radwege gewährleistet. 

Auch in anderer Hinsicht wurde der Standort diskutiert: "Wissen wir denn überhaupt ob die Eigentümer der Grundstücke verkaufen wollen?", fragte eine Bürgerin. Die UWG-Stadträte Michael Steindl und Ulli Maier erläuterten, die betroffenen Grundstückseigentümer hätten bereits eine grundsätzliche Bereitschaft zum Verkauf mitgeteilt. Konkrete Verhandlungen seien aber vor dem Bürgerentscheid schlicht weder sinnvoll noch möglich. 

Auch wurde, unter anderem, erneut die Frage der Betriebskosten diskutiert. "Klar könnten wir uns eine Teil- oder sogar Vollsanierung leisten", erklärte beispielsweise UWG-Stadtrat Christoph Vetter, "Nur danach werden die Unterhaltskosten nicht zu stemmen sein." Ein Neubau sei dagegen günstiger im Unterhalt, dies unter anderem wegen der geringeren Wartungskosten der neueren Anlagen und den geringeren Beckenflächen. Dem wurde von Befürwortern des Erhalts entgegnet, es seien noch nicht alle Optionen für eine Verringerung der Betriebskosten am alten Standort erwogen und geprüft worden. 

Lesen Sie auch:
Wann welche Freibäder öffnen

Besonders diskutiert wurde außerdem, ob das Bad am jetzigen Standort durch einen früheren Saisonbeginn und eine Änderung der Öffnungszeiten wirtschaftlicher würde. "Für alte Leute ist es doch gegen Mittag, wenn geöffnet wird, viel zu heiß und für Schulklassen ist das auch ungünstig", führte eine Waldkraiburgerin an, "Bei sämtlichen anderen Bädern im Landkreis geht das doch auch!" Dem entgegnete UWG-Stadtrat Ulli Maier, längere Öffnungszeiten würden auch eine teure Verstärkung des Aufsichtspersonals von bisher drei auf fünf Personen notwendig machen. "Außerdem sind viele der im Waldbad Beschäftigten im Winter in der Eishalle beschäftigt. Die können erst im Waldbad arbeiten, nachdem die Eishalle im April schließt." 

Auch Altbürgermeister meldet sich zu Wort

Altbürgermeister Jochen Fischer (CSU), der von 1984 bis 2002 im Amt war beklagte außerdem, dass häufig behauptet werde, in den 90er-Jahren, also während seiner Amtszeit, sei kaum etwas saniert worden. Dies sei nicht zutreffend. "Wir haben damals viel Geld in das Bad gesteckt." Seiner Ansicht nach sei ein Erhalt am Standort möglich und finanzierbar. Dem entgegente SPD-Stadtrats-Fraktionsvorsitzende Susanne Engelmann, schon als sie 1996 in den Stadtrat gewählt wurde, sei das Bad als dringend sanierungsbedürftig und ein Neubau als Lösung diskutiert worden. 

Alexandra Reisegast, UWG-Stadträtin und im Vorstand des Schwimmvereins VfL Waldkraiburg "Piranhas", führte gegen das häufige Argument der Bedeutung des Waldbads als Wettkampfstätte an, dies entspräche nicht mehr dem aktuellen Stand der Dinge. "Sowohl Schwimmkurse als auch Wettkämpfe finden inzwischen überwiegend in Hallenbädern statt", erklärte sie, "Das ist sowohl bei schlechtem Wetter als auch um bei Hitze die Teilnehmer nicht der prallen Sonne auszusetzen die bessere Lösung." 

"Was die Diskussion um das Waldbad bewegt hat ist schon einmalig", erklärte Jürgen Zabelt zum Abschluss der Diskussionsveranstaltung, "Das hat Waldkraiburg wach gerüttelt. Es gab noch nie so viele Zuschauer bei Ausschuss- und Stadtratssitzungen, und auch die Beteiligung bei den Bürgerversammlungen war beachtlich." 

Bürger- und Ratsbegehren am 13. Mai

Das Waldbad hat einen enormen Sanierungsrückstau, die Stadtwerke, die es betreiben können seinen Unterhalt nach ihren Angaben kaum noch bewältigen. Darüber, was deshalb zu tun ist, gehen die Meinungen allerdings auseinander. Der Stadtrat sprach sich Anfang Februar denkbar knapp, mit 16 zu 15 stimmen für einen Neubau in Zusammenarbeit in Interkommunaler Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Aschau aus. Direkt im Anschluss an die Abstimmung wurde durch ein Aktionsbündnis aus dem Waldbad-Förderverein, der CSU und Teilen der SPD ein Antrag auf ein Bürgerbegehren für den Erhalt und die Sanierung des Bads am momentanen Standort eingereicht. 

Das Bürgerbegehren und auch ein von der UWG-Stadtratsfraktion beantragtes Ratsbegehren für den Neubau wurden dann Anfang Februar zugelassen. Nun finden Bürger- und Ratsbegehren in zwei Wochen, am Sonntag den 13. Mai statt. Eine reine einfache Mehrheit der Stimmen reicht bei der Abstimmung allerdings nicht aus. Denn es gibt ein sogenanntes Quorum, eine festgeschriebene notwendige Anzahl von Stimmen für die Gültigkeit einer Abstimmung, bei Bürgerbegehren in Städten mit bis zu 50.000 Einwohnern. Mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten müssen für eine Sache gestimmt haben, damit sie angenommen wird. Darüber hinaus wird es eine Stichfrage geben, falls sich kein Bürgerentscheid durchsetzen kann. 

Das Waldbad besteht als Einrichtung bereits seit den 1950er Jahren. In seiner jetzigen Form wurde es 1972 als Trainingsstätte für die olympischen Sommerspiele in München errichtet. Angesichts des verhältnismäßig jungen Alters der Stadt gehört es damit zu den ältesten Anlagen der Stadt und stellt einen wichtigen Teil von deren Geschichte da.

Zurück zur Übersicht: Waldkraiburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Live: Top-Artikel unserer Leser