Auch ein Bürgerbegehren kündigt sich schon an

Waldbad: Rücken Abriss und Neubau jetzt näher?

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Das Waldbad ist dringend sanierungsbedürftig.
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Waldkraiburg - Mit einer knappen Mehrheit sprach sich der Haupt- und Finanzausschuss dafür aus, dass das Waldbad abgerissen und gemeinsam mit Aschau neu gebaut werden soll. 

"Sie müssen leider vor der Türe bleiben, wir werden aber extra laut reden", musste Bürgermeister Pötzsch einem Teil der an diesem Abend erschienen Waldkraiburger mitteilen. Aus brandschutztechnischen Gründen musste ein Teil von ihnen also die Sitzung vom Gang vor dem Rathaussaal aus verfolgen.

Schon vor dem Beginn der Ausschusssitzung warteten zahlreiche Waldkraiburger vor dem Rathaussaal.

Nach einer ausführlichen und emotionalen Diskussion sprach sich der Ausschuss mit einer knappen Mehrheit von sieben zu sechs Stimmen für den Neubau des Waldbads in Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Aschau aus. Nun muss zunächst der dortige Gemeinderat ebenfalls seine Zustimmung geben. Dann kann in der Stadtratssitzung im Februar abschließend über das Projekt entschieden werden. 

SPD und CSU kündigten noch in der Ausschusssitzung ein Bürgerbegehren gegen den Neubau an.

Enormer Sanierungsaufwand

Im Saal wurde dann der Platz knapp, manche mussten die Sitzung vom Gang aus verfolgen.

Der Sanierungsrückstau ist enorm. "Mehrere Becken verlieren ständig Wasser, wegen Verkeimung mussten in den letzten beiden Jahren immer wieder Becken gesperrt werden und es fallen ständig neue Reparaturen an", nannte Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) nur einige der dringendsten Probleme. Aus technischer Sicht stehe das Bad vor der Schließung, mahnte er.

Der Sanierungsbedarf umfasst:

  • Die Auskleidung aller Becken
  • Die Erneuerung und Erweiterung der Wasseraufbereitungstechnik
  • Die Sanierung aller Beckenköpfe und Überlaufrinnen
  • Die bauliche Sanierung des Betriebsgebäudes, des Kassengebäudes, des Aufsichtsturms und des Garderobentaktes
  • Die Erneuerung der Rohrleitungen für die Versorgung der Becken
  • Die elektrotechnische und steuerungstechnische Ausrüstung
  • Anpassungsmaßnahmen an die geänderten Rechtsvorschriften und DIN-Normen

Darüber hinaus müssten unter anderem die Parkplätze erweitert und die Duschen und Hygieneeinrichtungen erweitert und erneuert werden. 

Der Stadtrat beschäftigt sich nun bereits seit dem vergangenen Jahr mit dem Thema. Nun liegen die Ergebnisse eines im September in Auftrag gegebenen Gutachtens vor.

Drei Varianten für das Waldbad 

Dieses zeigte die drei möglichen Varianten für die Zukunft des Bades vor:

  • Variante 1: Die Vollsanierung des Bades im vorhandenen Umfang und dem gegebenen Angebot. Die Stadt müsste hierbei von den Gesamtkosten von 9.350.000 Euro insgesamt 7.350.000 Euro tragen.
  • Variante 2: Die Teilsanierung und ein Teilneubau des Bades auf dem bisherigen Gelände mit einem veringerten Angebot. Dabei würden unter anderem das Sprung- und das Wellenbecken ersatzlos entfallen. In diesem Fall müsste die Stadt 4.820.000 Euro der 6.820.000 Euro Gesamtkosten tragen. 
  • Variante 3: Der Neubau an einer anderen Stelle mit einem verringerten Angebot in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Aschau. In diesem Fall müsste die Stadt 4.640.000 Euro der 10.490.700 Euro Gesamtkosten tragen.

Der Neubau auf einem Grundstück an der Staatsstraße Richtung Thann, zwischen Waldkraiburg und Aschau, würde ein 50-Meter-Sportbecken mit acht Bahnen, ein Nichtschwimmerbecken, eventuell als Naturbadbecken, ein Kinderbecken, ein Sprungbecken mit Ein-, Drei- und Fünf-Meter-Brett und eine Rutsche einschließen. 

Pötzsch für Neubau

Bürgermeister Pötzsch wies auf das Vorhaben der Stadt, den Haushalt zu konsolidieren hin und erinnerte an die zahlreichen bisher erfolgten Bemühungen dazu. Er mahnte an, dass der Betrieb eines Freibades eine freiwillige Leistung der Stadt ist und rief in Erinnerung, dass es besonders in Oberbayern derzeit zu einem regelrechten "Bädersterben" kommt, weil viele Städte und Gemeinden nicht mehr zu deren Finanzierung in der Lage sind.

Pötzsch selbst favorisiert, ebenso wie die Stadtwerke, den Neubau. Für die Vollsanierung des Bades sprach sich an diesem Abend niemand aus.

CSU und SPD gegen Neubau

Die CSU und ein Teil der SPD sprachen sich ausdrücklich für die zweite Variante von Teilsanierung und Teilneubau aus. Beide pochten vor allem auf die historische und ideelle Bedeutung des Waldbades. Dies wurde von einem Teil der Zuschauer mit tosendem Applaus begleitetet. "Viele Waldkraiburger fühlen sich ihm verbunden", so CSU-Fraktionsvorsitzender Anton Sterr. "Wir tun uns nichts gutes, wenn wir unser altbewährtes Schwimmbad einfach zuschütten", klagte SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Fischer.

Sterr beklagte außerdem, bei einem Verkauf des Grundstücks sei eine nicht wünschenswerte verdichtete, mehrgeschossige Wohnbebauung zu erwarten. Im Wesentlichen kritisierten beide Parteien außerdem die geplante Finanzierung. Dabei seien noch Fragen offen, vor allem, ob die geplanten Kosten im Rahmen bleiben würden. Der anwesende Vertreter der Stadtwerke betonte, die Finanzierung sei für alle drei Varianten ausführlich geprüft worden. 

Weiterhin könne eine Sanierung im Gegenteil zu einem Neubau über viele Jahre verteilt und damit die finanzielle Belastung gesenkt werden. "Das Bad ist jedes Jahr ohnehin jedes Jahr für sieben Monate geschlossen", erklärte Anton Sterr. 

Vor allem UWG für Neubau

Ausgerechnet aus der SPD kam ein Teil der Befürworter. Susanne Engelmann betonte, es müsse langfristig gedacht werden. Sie befürworte den Neubau, da dieser auch künftigen Generationen von größerem Nutzen sei. Dem schloss sich auch Ulli Maier (UWG) an. Er mahnte an, dass das Bad bei der Variante von Umbau und Teilsanierung klar seinen bisheriges Aussehen verlieren würde. In einer Wohnbebauung auf dem bisherigen Grundstück sehe er im Gegenteil zur CSU eine Chance für die Entwicklung des an freien Flächen armen Waldkraiburgs.

Umfrage:

Wichtiger Teil der Stadtgeschichte

1972 wurde das Waldbad als Trainingsstätte für die olympischen Sommerspiele in München errichtet. Es entstand auf dem Gelände eines ehemaligen Löschteichs. Angesichts des verhältnismäßig jungen Alters der Stadt gehört es damit aber auch zu den älteren Einrichtungen und stellt einen wichtigen Teil der Stadtgeschichte da.

Viele der an diesem Abend anwesenden Waldkraiburger verbinden viele schöne Erinnerungen. Vor allem aber sehen viele es als wichtigen Teil der Stadt, mit dem nicht wenig Stolz verbunden wird."Bis aus Rosenheim und Unterföhring sind die Leute früher hierher zum Baden gekommen!", solchen Erinnerungen konnte man an diesem Abend lauschen. 

Stadtwerken fehlt das Geld

Doch das Bad hat nun auch mehr als 40 Jahre auf dem Buckel und damit einen enormen Sanierungsbedarf. Derzeit kostet es jährlich etwa 80.000 Euro, es für den Sommer fit zu machen. Bereits im April 2017 war klar geworden, dass die Stadt sich zwischen Neubau und Sanierung entscheiden werden muss.

Das Bad wird, wie beispielsweise auch das Eisstadion und andere städtische Betriebe, seit deren Gründung im Jahr 2000 unter Verwaltung der Stadtwerke. Diese beklagen, dass sie seit der Liberalisierung der Energiemärkte 2013 massive Einnahmeverluste hinnehmen mussten. Sie können weder das enorme Betriebsdefizit noch eine Sanierung finanzieren. 

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