Ausschuss wurde informiert

Auch beim Rathaus ist die Frage: Sanierung oder Neubau?

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Besonders der erhöhte Standort des Waldkraiburger Rathauses ist vielen ein Dorn im Auge.
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Waldkraiburg -  Wie auch beim Waldbad steht die Frage an: Soll das Rathaus saniert oder abgerissen und neu gebaut werden? Dem Haupt- und Finanzausschuss wurden Vorschläge für beide Varianten vorgestellt.

Dem Gremium wurde allerdings lediglich eine Vorab-Kurzversion vorgestellt, damit dessen Mitglieder sich ein erstes Bild machen und Fragen stellen konnten. Eine ausführlichere Version soll dann dem Stadtrat vor der Abstimmung vorgestellt werden. Im Fall einer Sanierung würde der Rathaus-Betrieb teilweise in Ausweich-Räumlichkeiten verlegt. Der Neubau würde auf einem Gründstück gegenüber dem Haus der Kultur an der Braunauer Straße errichtet werden. 

Variante 1: Sanierung des Rathauses

  • Saniert werden müssten die Tiefgarage, die Fassade, die Dachfläche und Bürodecken, die EDV- und Elektroausstattung. Außerdem muss die Lüftungsanlage des Sitzungssaal erneuert, sowie die Hausmeisterwohnung und das Marketingbüro umgebaut werden.
  • Neben den Baukosten würden auch Kosten für einen Fachplaner entstehen.
  • Während der Sanierungszeit wäre nur ein eingeschränkter Rathausbetrieb möglich und es müsste ein teilweiser Ausweichbetrieb organisiert werden.
  • Das Rathaus hat mit seinen quadratischen Räumen eine ungünstige Grundrißgestaltung, außerdem ist es nur eingeschränkt erweiterbar.
  • Insgesamt würde eine Sanierung etwa 12.562.656 Euro kosten.

Variante 2: Neubau des Rathauses

  • Die Neubaukosten von 19.345.436 Euro bei einem gewerkweisen Neubau und 17.608.496 Euro bei einer Gesamtvergabe beinhalten die Baukosten inklusive der Tiefgarage und der Erstellung der Außenanlagen. Ebenso weitere Kosten z.B. für die Möblierung.
  • Bei einem gewerkweisen Neubau würde es vorab einen Planungswettbewerb geben. Danach würden die einzelnen Ausschreibungen und Vergaben gewerkeweise erfolgen.
  • Bei einer Gesamtvergabe würde es einen kombinierten Wettbewerb  geben. Das heißt, neben Planentwürfen würde die Stadt einen garantierten Pauschalfestpreis erhalten. Damit soll eine hohe Kosten- und Terminsicherheit gewährleistet sein.
  • Es würde eine Tiefgarage mit etwa 30 Stellplätzen und weitere oberirdische Stellplätze geschaffen. 

Viele Fragen

Alter (blau) und geplanter neuer Standort (rot),

"Der Gedanke ist nichts neues", erklärte Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG), Mitte der 2000er hatte es schon einmal Pläne für einen Neubau gegeben. Diese scheiterten daran, dass keine Lösung für die Gleichzeitigkeit der Fortführung des Rathaus-Betriebs während des Baus gefunden wurde. Er selbst sehe in der Variante des Neubaus die Chance, ein neues Zentrum für Verwaltung, Vereine und Kultur zu schaffen. Zusätzlich könnten auf dem Grundstück des bisherigen Rathaus-Gebäudes Gewerbeflächen entstehen, welche zur Belebung der Innenstadt beitragen würden.

"Ein weiteres Milionenprojekt neben dem Waldbad realisieren zu wollen, ist schon sehr sportlich", merkte CSU-Fraktionsvorsitzender Anton Sterr an. Er mahnte an, eine baldige Realisierung sei finanziell nur schwer vorstellbar. Wie schon beim Waldbad, wies er erneut darauf hin, dass eine Sanierung, wenn sie schrittweise und über einen langen Zeitraum durchgeführt wird, kostensparender als ein Neubau sei. Sterr betonte auch, es sei noch unklar, ob und in welcher Weise das Rathaus-Grundstück dann verkauft und genutzt werden könnte. "Außerdem ist all das Geld, das wir bisher in Sanierungen investiert haben dann weg!"

Auch Thema bei Planungswerkstatt

Dem stimmte auch SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Fischer zu und beklagte ebenfalls die Belastung des Haushalts. "Das werden wir bis 2020 nicht auf die Reihe kriegen", erklärte er. Auch Susanne Engelmann (SPD) wollte wissen, was konkret die Pläne für die Innenstadt sind. Sie wies aber auch darauf hin, dass eine Belebung der Innenstadt durchaus möglich wäre. "Wir bekommen Zuzüge, wenn wir wollen, die Stadt wächst und die Autobahn kommt", erklärte sie, "Es müssen nicht nur neue Nagelstudios und Frisöre dazu kommen."

Ulli Maier (UWG) wies darauf hin, dass auf der Bürger-Planungswerkstatt im Juli 2017 klar wurde, dass das Rathaus den Waldkraiburgern im Magen liegt. Dort gingen die Meinungen allerdings deutlich auseinander. Auch dort wurde heftig über die Vor- und Nachteile von Sanierung oder Neubau diskutiert. "Wir können zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", so Maier, "Wir können die Innenstadt und den Einzelhandel einerseits stärken. Andererseits bekommen wir ein neues Rathaus!"

Diese und weitere Fragen der Ausschussmitglieder wurden durch die Vertreter der Stadtverwaltung aufgenommen und sollen in der Stadtratssitzung beantwortet werden.

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Markanter Baustil

Das Volksbank-Gebäude ist im selben Baustil errichtet, wie das Rathaus, dem sogenannten "Beton-Brutalismus".

Das Gebäude ist im sogenannten "Beton-Brutalismus" der 1960er und 70er Jahre errichtet. In dieser Zeit wurden zahlreiche öffentliche Gebäude in diesem Baustil errichtet. Damals galten solche Gebäude als Ausdruck eines neuen, frischen Zeitgeistes. Der Name leitet sich aus dem Baustoff ab. Roher Beton wird im Französischen "Béton brut" genannt. 

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