Antwort auf offenen Brief

Fridays for Future gegen Gewerbegebiet-Pläne - Bürgermeister reagiert

+
Die Organisatoren und Unterstützer der "Fridays for Future Mühldorf" (links) sprechen sich gegen die geplante Maßnahme an der Daimlerstraße aus. Bürgermeister Robert Pötzsch (rechts) erläuterte die Position der Stadt.
  • schließen

Waldkraiburg - Auch die Organisatoren und Unterstützer der "Fridays for Future Mühldorf" sprechen sich nun in einem offenen Brief gegen die Gewerbegebiets-Pläne an der Daimlerstraße aus. Der Bürgermeister reagiert.

Einer Gewerbegebiets-Erweiterung nördlich der Daimlerstraße sollen Bäume weichen. Der Widerstand dagegen im Stadtrat war zuletzt beim Beschluss der Maßnahme Mitte Mai größer geworden. Um die Maßnahme zu verhindern, reichte es aber nicht. Es wird dabei das Ziel verfolgt, im Anschluss an das bestehende Gewerbegebiet nördlich der Daimlerstraße, laut der Stadtverwaltung, dringend benötigte Gewerbeflächen zu schaffen. Neben der generellen Nachfrage nach Gewerbeflächen gäbe es auch von ansässigen Betrieben wie beispielsweise der Firma Netzsch den Wunsch nach Flächen für eine Firmenerweiterung.

"Fridays For Future"-Organisatoren und Unterstützer gegen Baumaßnahme

Die Organisatoren und Unterstützer der "Fridays for Future Mühldorf", positionieren sich in einem Offenen Brief an Bürgermeister und Stadtverwaltung "klar gegen den vom Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Waldkraiburg beschlossenen Bebauungsplan für den Bereich nördlich der Daimlerstraße, der nun auch die Rodung des letzten Waldstücks vorsieht." Dieser  sei"zugunsten fragwürdiger Wachstumsinteressen konzipiert" und stehe weder im Einklang mit dem Schutz der Umwelt noch mit den Interessen der Anwohner der angrenzenden Siedlungen, die sich bereits mehrfach und lautstark gegen die Rodung ausgesprochen hätten. Zu den Organisatoren gehört auch "Die Linke"-Politiker Dennis Uzon, der sich bereits in seiner parteipolitischen Funktion gegen die Rodungsmaßnahme ausgesprochen hat.

"Hier würde nicht nur ein intensiv genutztes Naherholungsgebiet unwiederbringlich verloren gehen, sondern auch der letzte Puffer zwischen Industrie- und Gewerbegebiet und den Siedlungen, der Schutz vor den zunehmenden Emissionen der Staatsstraße, der Autobahn und der Einflugschneise des Flughafens bietet, zerstört werden", so die Unterzeichner. "Wir fordern den Stadtrat daher auf, diese Pläne fallen zu lassen und nach anderen Lösungen zu suchen - beispielsweise einer Erschließung von ungenutzten Gewerbe- und Industriegrundstücken in der Stadt sowie im Gewerbegebiet."

Der Offene Brief im Wortlaut:

Bürgermeister erläutert Position der Stadt

"Ich stimme Ihnen zu, Umwelt ist ein höchstes Gut", betont Bürgermeister Robert Pötzsch in einer Stellungnahme zu dem Offenen Brief. "Deren Erhaltung und Klimaschutz beginnt bei jedem Einzelnen und ist bei jeder weiteren städtebaulichen Entwicklung immer wieder zu hinterfragen und Störungen zu vermeiden." Eine gute und nachhaltige Stadtentwicklung sei nur in einem breiten Dialog und Konsens ohne wechselnde parteipolitische Belange möglich."Meinungsbildungen sollten, egal aus welcher Richtung, in einem gemeinsamen offenen Dialog führen."

Dieser Dialog sei grundsätzlich im Rahmen eines großen und umfassenden Prozesses zum ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) eröffnet worden. "Dabei wurden alle Bürger, Institutionen, Politik, Vereine und Betroffene eingeladen, sich mit der Zukunft Waldkraiburgs auseinander zu setzen und einen Fahrplan der künftigen Entwicklung aufzustellen." Gerade die Stadt Waldkraiburg priorisiere seit Jahren die verträgliche Nachverdichtung vor Neuausweisungen, so Pötzsch. "Anders als andere Kommunen setzen wir dabei nicht auf grundsätzlich neue Betriebsansiedelungen, sondern beschränken uns selber alleine auf die Sicherung der bestehenden Betriebe. Daher ist im Falle der Gebietserweiterung an der Daimlerstraße leider auch keine Verwendung von anderen bestehenden Gewerbegrundstücken möglich. Die vorhandenen Betriebe benötigen die Flächen angrenzend an ihre existierenden Flächen."

Bürgermeister lädt zu Dialog ein

Selbstverständlich müssten die Waldflächen auch möglichst nah ausgeglichen werden, auch für die Ausgleichsflächen gelte es einen ökologisch sinnvollen Platz zu finden, der ein möglichst hohes ökologisches Ziel verfolgt und die gesetzlichen Grundlagen berücksichtigt. "Gerne würden wir Sie, die Anwohner, künftige Nutzer und alle Interessierten zu einem Gespräch und Diskussion einladen und werden Sie zu diesem Termin gerne gesondert einladen."

"In Ihrem offenen Brief schreiben Sie, dass durch die geplante Gewerbegebietserweiterung nun die Rodung des letzten Waldstückes nördlich der Daimlerstraße vorgesehen wird", so Pötzsch weiter. "Diese Darstellung kann nur aus einem Missverständnis resultieren. Überplant wird nur ein Teil der bestehenden Waldfläche. Die 10. Änderung des Bebauungsplanes Nr. 69 hat das Ziel bestehenden Betrieben den Fortbestand in Waldkraiburg zu sichern." Könnten die Flächenarrondierungen nicht erfolgen, so habe dies die Konsequenz, dass die Betriebe sich einen neuen geeigneten Standort suchen und damit insgesamt weit mehr neue Siedlungsfläche belegen würden. "Dies wäre dem Gedanken einer nachhaltigen Siedlungs- und Umweltpolitik gegenläufig."

Zurück zur Übersicht: Waldkraiburg

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT