Sportmoderator erschien als CSU-Stadtrat bisher nur in einer Sitzung in Waldkraiburg

Causa Nadvornik: Attest nicht vorgelegt - Ordnungsgeld wird fällig

Wolfgang Nadvornik
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Wolfgang Nadvornik

Waldkraiburg - Das ständige Fernbleiben von Sitzungen durch Ex-CSU-Bürgermeisterkandidat und Stadtrat Wolfgang Nadvornik war Mitte Dezember Thema im Stadtrat. Nun steht fest, dass das dabei beschlossene Ordnungsgeld fällig wird.

Update, Montag, 04. Januar 2021: Attest liegt nicht vor


„Bis heute, Montag, den 04. Januar liegt uns kein Attest vor“, berichtet die Stadt Waldkraiburg gegenüber innsalzach24.de. „Damit würde der Beschluss des Stadtrats Gültigkeit behalten, da Herr Nadvornik somit unentschuldigt gefehlt hat. Das Ordnungsgeld in Höhe von 50 Euro wird damit fällig.Wie bereits in der Stadtratssitzung erläutert, müssten die jeweiligen Ausschüsse über Ordnungsgelder für sein Fehlen in deren Sitzungen jeweils eigene Beschlüsse fassen.

Update, Dienstag, 15. Dezember 2020, 18.40 Uhr: Stadtrat beschließt Ordnungsgeld


Der Stadtrat stimmte in seiner jüngsten Sitzung einstimmig dafür, gegen CSU-Stadtrat Wolfgang Nadvornik wegen seiner unentschuldigten Abwesenheit ein Ordnungsgeld von 50 Euro zu verhängen. „Wir konnten hier nun nur über seine unentschuldigte Abwesenheit aus einer Stadtratssitzung entscheiden. Über Ordnungsgelder über sein unentschuldigtes Fehlen aus Ausschusssitzung müsste jeder der betroffenen Ausschüsse laut Gemeindeordnung selbst entscheiden.“

„Entschuldigt ist heute ... Herr Nadvornik“, gab Erster Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) zu Beginn der Sitzung bekannt. „Das Stadtratsmitglied Wolfang Nadvornik ist wiederholt unentschuldigt beschließenden Ausschuss- und Stadtratssitzungen ferngeblieben. Von den seit 01. Mai insgesamt neun Sitzungen, zu denen Herr Nadvornik geladen wurde, fehlte er dreimal unentschuldigt“, berichtete Pötzsch weiter. „Eine erforderliche Abmeldung ging für keine der drei Sitzungen bei der Verwaltung ein. Herr Nadvornik wurde am 13. Juli per E-Mail von der Verwaltung darauf hingewiesen, dass bei Verhinderung eine Abmeldung zu erfolgen hat.“

„Bevor die Entscheidung getroffen wird, ein Ordnungsgeld zu verhängen, ist der Betroffene anzuhören“, berichtete Pötzsch weiter. Es habe einen ausführlichen Austausch per E-Mail mit Nadvornik gegeben. „Daraus werde ich jetzt nicht vorlesen, denn es ging teils unter die Gürtellinie“, bemerkte Pötzsch. Als Grund für seine Abwesenheit in der Sitzung in der vergangenen Woche habe Nadvornik angegeben, derzeit in Quarantäne zu sein. „Für die nächsten Sitzungen im Januar hat er sich aus beruflichen Gründen außerdem entschuldigt.“

„Das Verhalten von Kollegen Nadvornik ist enttäuschend. Der heutige Beschluss soll ihn an seine Pflichten als Stadtrat erinnern. Er beschädigt das Ansehen seiner Person und wirft auch ein schlechtes Licht auf die Tätigkeit als Stadtrat und auch die CSU-Fraktion“, erklärte CSU-Fraktionsvorsitzender Anton Sterr. „Wir haben uns vor der Sitzung bereits abgestimmt, wir werden zeitnah das weitere Vorgehen in der Causa Nadvornik beraten.“ CSU-Stadtrat Karl-Heinz Stocker legte nach: „Das ist auch uns enorm peinlich.“

„Es gibt Spielregeln, daran haben sich alle Stadträte zu halten“, erklärte Richard Fischer (SPD). „Kurz gesagt: Entweder ganz oder gar nicht“, betonte Frieder Vielsack (UWG). „Wir haben von unseren Wählern die Verpflichtung übernommen, hier tätig und anwesend zu sein. Für mich ist das nicht akzeptabel.“ Auch Valentin Clemente (FDP) betonte: „Es ist eine absolute Respektlosigkeit gegenüber seinen Wählerinnen und Wählern.“

Auf Nachfrage räumte Bürgermeister Robert Pötzsch ein, dass Nadvornik theoretisch, sofern er eine Entschuldigung vorlegen könne, immer wieder zu keiner Sitzung erscheinen könne.

Der Vorbericht:

„Gemeinderat; Teilnahmepflicht an Sitzungen - Prüfung eines Verstoßes“, heißt es unter Tagesordnungspunkt sieben in der Tagesordnung für die nächste Sitzung des Waldkraiburger Stadtrats am Dienstag, den 15. Dezember. Um wen es dabei genau geht, steht nicht dabei, es kann aber eigentlich nur eine Person sein: Ex-CSU-Bürgermeisterkandidat und jetzt Stadtrat Wolfgang Nadvornik.

Er muss sich wohl für sein wiederholtes Fehlen in Stadtrats- und Ausschusssitzungen verantworten. Die Bayerische Gemeindeordnung gibt vor, dass Stadt- und Gemeinderäte verpflichtet sind, „ihre Obliegenheiten gewissenhaft wahrzunehmen“. Wer das nicht tut, so heißt es weiter, „kann im Einzelfall mit Ordnungsgeld bis zu zweihundertfünfzig Euro [...] belegt werden.“

Ex-CSU-Bürgermeisterkandidat und Sportmoderator Wolfgang Nadvornik fehlte immer wieder in Sitzungen in Waldkraiburg

Der gebürtige Altöttinger Wolfgang Nadvornik wohnt in der Industriestadt. Er wurde durch die Moderation der Sendung Blickpunkt Sport im Fernsehprogramm des Bayerischen Rundfunks bekannt. Außerdem gehörte er von 2002 bis Februar 2011 dem Moderatoren-Team der ARD-Sportschau an. Derzeit ist der 49-Jährige als Moderator für den Sender „Eurosport“ tätig. Neben seiner Fernsehtätigkeit arbeitet er seit 2014 bei SportScheckAllwetter in Unterföhring als Tennistrainer.

„In einem Medienbericht wurde ich ja als ‚Polit-Entertainer‘ bezeichnet. Aber Sie können sich sicher sein, das hat bei mir alles Hand und Fuß!“, hatte Nadvornik in einem Gespräch mit innsalzach24.de anlässlich seiner Kandidatur für die CSU bei der Kommunalwahl 2020 betont. „Ich mache das aus der ehrlichen Überzeugung, dass ich Waldkraiburg wieder voran bringen kann.“ Am Wahlabend setzte sich dann allerdings Amtsinhaber Robert Pötzsch (UWG) mit 62,37 Prozent der Stimmen klar durch. Nadvornik kam nur auf 19,4 Prozent. „Die Bürger haben eine große Chance auf eine Veränderung verpasst“, kommentierte er das.

Fehlen in Sitzungen stieß auch eigener Fraktion und Partei sauer auf

Auch in der jüngsten Sitzung des Stadtrats in der vergangenen Woche hatte er wieder einmal gefehlt. „Unentschuldigt“, wie Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) bemerkte. Er hat bisher nur ein einziges Mal an einer Sitzung im Juli teilgenommen, als er nachträglich als Stadtrat vereidigt wurde. Auch in den Sitzungen der Ausschüsse, denen er angehört, war er noch nie erschienen. Das stieß zuletzt auch seiner eigenen Fraktion sauer auf.

Bislang hatte der Eurosport-Moderator berufliche Gründe für sein Fernbleiben angegeben. Dies ist ihm laut der Gemeindeordnung auch erlaubt. Sitzungsgelder erhält er daher nicht, auf seine Aufwandsentschädigung als Stadtrat, rund 150 Euro im Monat, hat er allerdings Anspruch.

innsalzach24.de wird am Dienstagabend aus der Sitzung des Stadtrats berichten

hs

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