Mutmaßlicher Täter soll sich radikalisiert und weitere Anschläge geplant haben

Ex-Freundin des 'Bombers von Waldkraiburg': "Er war immer sehr liebevoll"

Im Gespräch mit innsalzach24.de berichtet die Ex-Freundin von Muharrem D., wie sie den "Bombenleger von Waldkraiburg" erlebte.
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Im Gespräch mit innsalzach24.de berichtet die Ex-Freundin von Muharrem D., wie sie den "Bombenleger von Waldkraiburg" erlebte.

Waldkraiburg - Dieser Fall hat für die Region eine ganz besondere Dimension: Am Wochenende konnte der mutmaßliche Täter der Anschlagsserie von Waldkraiburg festgenommen werden. Jetzt hat sich seine Ex-Freundin gemeldet und berichtet von Muharrem D. 

"Er war mein erster richtiger Freund", erzählt Monika (Name von der Redaktion geändert), die Ex-Freundin des mutmaßlichen "Bombers von Waldkraiburg". Sie war mit ihm von 2010 bis 2011 zusammen. Kennengelernt haben sie sich auf dem Volksfest in Garching, dem Ort wo Muharrem D. 13 Rohrbomben und rund zehn Kilogramm Sprengstoff in einer Tiefgarage deponierte. "Ich war auch öfters bei seinen Eltern, die waren immer sehr nett. Er kann türkisch, ist aber kurdischer Abstammung. Seine Eltern waren aber immer locker, die hat das auch nie gestört, dass ich Deutsche war."


"Er war immer gut zu mir"

Im Dezember 2011 sei die Beziehung dann auseinander gegangen. "Wir haben uns einfach entschieden, dass es nicht mehr passt", sagt die junge Frau gegenüber innsalzach24.de. Es sei aber nichts vorgefallen. "Er war immer gut zu mir, hat mich nie angefasst und ist auch immer extra mit dem Roller von Garching zu mir nach Traunstein gefahren. Er war immer sehr liebevoll, deswegen hat mich das so schockiert." Sie habe gedacht, dass er sein Leben voll im Griff hat. "Auch bei seiner damaligen Lehrstelle waren alle zufrieden mit ihm und seine Eltern waren stolz auf ihn."

Er sei ein total netter Kerl gewesen, auch ihre Eltern mochten ihn. "Die sind auch total geschockt. Ich habe nur mitbekommen, dass seine Eltern jetzt den Kontakt zu ihm abgebrochen haben, weil er sich so radikalisiert hat mit dem IS." Damals habe es noch überhaupt kein Anzeichen einer Radikalisierung gegeben, erzählt die Ex-Freundin weiter. "Er hat nie blöd über Türken gesprochen, unser Freundeskreis war auch eher türkisch angesiedelt. Sein bester Freund war Albaner. Ich konnte mir das bis gestern auch nicht vorstellen, deswegen war ich so schockiert." 


Im September 2019 habe er ihr noch auf Instagram geschrieben, aber sie habe ihn dann blockiert, weil sie zwei Kinder mit einem anderen hat und daher keinen Grund sah, Kontakt zu ihm aufzunehmen.

Durch Glück entging die Region einer Terrorwelle

Nur durch Glück und Zufall kam die Polizei Muharrem D. am Freitagabend auf die Spur. Ohne Ticket saß er mit einem Koffer im Zug von Garching nach Mühldorf. Dabei erwischt, übergab ihn die Kontrolleurin am Bahnhof Mühldorf an die Bundespolizei.

Bilder von der Anschlagserie in Waldkraiburg 

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Im Zuge seiner Vernehmung wurden die Beamten auf das Gepäck des jungen Mannes aufmerksam, in dem sich dann die Rohrbomben fanden. Der 25-Jährige räumte im darauf folgenden Verhör ein, dass er der Täter hinter der Anschlagserie auf insgesamt vier Geschäfte mit türkischen Inhabern sei.Er bekannte sich zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und gab als Tatmotiv Hass auf Türken an. Laut der Polizei spielte aber der Konflikt zwischen Türken und Kurden keine Rolle bei seinem Motiv.

Außerdem verriet er das Versteck weiterer Bomben und Sprengmaterials in seiner Wohnung sowie einer Garage in Garching an der Alz. Daraufhin wurden beide Orte von Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei untersucht. Derzeit werten die Ermittler unter anderem Handydaten des mutmaßlichen Täters aus. Auch weitere elektronische Datenträger werden untersucht. Die Beamten erhoffen sich nach Angaben vom Montag Hinweise auf weitere Hintergründe sowie mögliche Mitwisser oder mögliche Mittäter. Bisher gehen Polizei und Staatsanwaltschaft aber von einem Einzeltäter aus.

Großbrand in Waldkraiburg am 27. April

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Die Polizei ist sich sicher, mit Muharrem D. den richtigen Mann geschnappt zu haben: "Er schilderte Details zu den Taten, die nur der Täter kennen kann", so die Ermittler. Es gibt aber noch viele offenen Fragen in dem Fall, z.B. woher er das Material für die Bomben hat und wo und wie sich Muharrem D. radikalisiert hat. Fragen, vor denen aktuell auch noch die Polizei steht.

Die Beamten ermitteln auf Hochtouren. Muharrem D. sitzt aktuell weiterhin in U-Haft - wegen versuchten Mordes in 27 Fällen.

jb

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