Bilanz der ersten Bürgerversammlung 2017

Quo vadis, Waldkraiburg? 

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Bürgermeister Robert Pötzsch (kleines Bild) erklärt den Waldkraiburgern bei der Bürgerversammlung 2017 im Haus der Kultur die aktuelle Situation der Stadt und wirft einen Blick in die Zukunft. 
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Waldkraiburg - Stadtentwicklung, gemeinsames Oberzentrum mit Mühldorf, Schulwesen - Die Themen auf der Bürgerversammlung im Haus der Kultur am 24. April waren weitreichend. Und es stellte sich am Ende die große Frage, wie wohl die Zukunft der einstigen Industriestadt aussehen wird.

Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) erklärte gleich zu Beginn des Plenums, dass Waldkraiburg mit Tatendrang und Enthusiasmus daran arbeiten werde, das Stadtbild weiterhin positiv zu verbessern. "Obwohl diese Aufgabe schwieriger ist wir uns das vorgestellt haben, muss ich anmerken, dass besonders das Arbeiten in den Gremien eine Zusammenarbeit auf höchstem Niveau ist. Der Stadtrat arbeitet Hand in Hand an dem Konstrukt Waldkraiburg." 

Was die Stadtentwicklung Waldkraiburgs betrifft, sei laut Pötzsch besonders aus der Luft ersichtlich, dass die Grenzen der der knapp 25.000-Seelen-Stadt nur schwer nach außen erweitert werden könnten. Daher müsse man ins Stadtinnere investieren. Mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) habe man die Zukunftsgestaltung der Stadt ins Laufen gebracht. "Die größte Aufgabe dabei ist, das Konzept auch wirklich umzusetzen", erklärt Pötzsch. "Dazu müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen, Machbares und Nicht-Machbares analysiert werden und das Ganze steht natürlich auch wieder unter dem großen Aspekt der Finanzierung." 

Groß war das Interesse der Waldkraiburger an der ersten Bürgerversammlung 2017 im Haus der Kultur. 

Stadtentwicklung und Zukunftsvisionen:

  • Rathaus: Die Sanierung würde laut Pötzsch 7,4 Millionen Euro kosten, die Frage sei nun, ob ein kompletter Neubau nicht sinnvoller wäre. Die Kosten würden sich wohl auf gleicher Ebene bewegen. Eine endgültige Entscheidung, welche die bessere Alternative für die Stadt ist, steht noch aus. 
  • Wohnungen: In Waldkraiburg gibt es 1.032 Wohnungen, in den meisten Fällen handelt es sich um Sozialwohnungen oder Wohnungen der Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft (WSGW). Modernisierungen laufen bereits in der Troppauer Strße 55 und 53, geplant sind ab 2018 Kernsanierungen von 96 Wohneinheiten in der Siemensstraße.
  • Gewerbeentwicklung: Gewerblich vermietet sind aktuell 43 Objekte. Waldkraiburgs Kaufkraft soll langfristig gesteigert werden.
  • Attraktiveres Stadtbild: im Rahmen des ISEK soll die Stadt unter dem Aspekt der Naherholung eine "grüne Lunge" bekommen, Erholungsräume in der Innlandschaft sind ebenfalls in die Pläne integriert
  • Breitbandausbau: kommt im Jahr 2017 zum Abschluss, die Stadt hat 300.000 Euro Fördermittel vom Freistaat Bayern für den Ausbau bekommen. 
  • Großbaustellen: Der komplette Neuaufbau des Iserrrings und das Bauvorhaben in der Berliner Straße der WSGW werden die Stadt laut Pötzsch "die nächsten Jahre in Atem halten".
  • Verkehrsentwicklung: Hier stellt sich die große Frage, wie dieZukunft aussieht. Der künftige Verkehrsstrom auf der A94, Straßenverbreiterungen wie Erweiterungen seien "Mammutaufgaben", die die Stadt unter fachlicher Beratung und im Hinblick auf finanzielle Ressourcen stemmen werde. 
  • Gemeinsames Oberzentrum mit Mühldorf: Momentan, so Pötzsch, liefen Diskussionen in der Regierung, ob das Oberzentrum realisiert wird. Mühldorf und Waldkraiburg stünden in enger Zusammenarbeit, wie künftig an einem Strang gezogen werden könne und Projekte gemeinsam umgesetzt werden könnten.

"Sind weiterhin mit engem Gürtel unterwegs"

Das Thema Finanzen und dessen negativen Begleiterscheinungen verfolgen Waldkraiburg seit jeher. Der Haushalt für die nächsten Jahre steht. Der Schuldenstand beläuft sich aktuell auf rund 16 Millionen Euro. Laut den Prognosen des Bürgermeisters werde er bis Ende 2018 auf 14,5 Millionen Euro sinken, die zukünftige Entwicklung des Rathauses ab 2019 werde jedoch ein weiteres Loch in die finanzielle Situation der Stadt reißen. "Auch wenn neue Schulden kaum vermeidbar sind, müssen wir langfristig Rücklagen schaffen, damit wir künftig in unerwarteten Situationen handeln können. Wir werden weiter an der Konsolidierung arbeiten und sind auch künftig mit engem Gürtel unterwegs."

Die Entwicklung der finanziellen Lage der Stadt seit 2002. 

Sicherheit wird in Waldkraiburg groß geschrieben

Die Sicherheit in der Stadt bleibt überdies ein Thema. Laut der aktuellen Kriminalstatistik konstatiere man zwar eine leichte Straftatensteigerung von acht Prozent, wie Pötzsch aber erklärt, sei dies in der Mehrzahl auf Körperverletzungen und Randalen unter den Asylbewerbern in den Unterkünften zurückzuführen. Die Zahlen der Asylbewerber bewegen sich aktuell dem allgemeinen Trend folgend auch in Waldkraiburg nach unten. Es halten sich insgesamt 381 Asylbewerber in der Stadt auf. Pötzsch lobte die ehrenamtliche Arbeit des Arbeitskreises Asyl und der Bürger, die ein gutes Miteinander garantiert. 

Die Aufklärungsquote an Straftaten sei gegenüber den Vorjahren auf erfreuliche 69,7 Prozent gestiegen. Pötzsch weiter: "Auch wenn die Polizei grundsätzlich für die Sicherheit unserer Stadt und die Bekämpfung der Kriminalität zuständig ist, stehen wir zu 100 Prozent hinter der Einführung der unterstützenden Sicherheitswacht, um den Bürgern ein ausreichendes Gefühl der Sicherheit zu bieten. 

Weil die Stadt bei Veranstaltungen haftet und die Auflagen zur Sicherheit aufgrund der aktuell politischen Lage immer höher werden, appelliert Bürgermeister Pötzsch an die Bürger, Veranstaltungen frühzeitig anzumelden, damit Feuerwehr oder Rotes Kreuz rechtzeitig informiert sind und entsprechende Vorbereitungen wie Absperrungen auch realisiert werden können. 

Die Zuständigkeiten der Sicherheit in der Stadt. 

Appell an Waldkraiburger, die Angebote der Stadt auch zu nutzen 

Auch wenn der Hochschulstandort der Stadt Mühldorf zugewiesen wurde, Waldkraiburg besitzt dennoch einen der größten Schulstandorte im Landkreis. Ein Erfolgskonzept sei beispielsweise die Integration des Hortes in die Dieselgrundschule. Bauliche und energetische Sanierungen, die unter anderem an der Graslitzer- und Goetheschule anstehen, sind durch die Fördermittel des Staates realisierbar. Toll für das Image der Stadt sei überdies die Bewerbung als FairTrade-Stadt, Bürgermeister Pötzsch erfährt durch die Aktion hohen Zuspruch aus der Bevölkerung. 

Dank spricht Bürgermeister Pötzsch unter anderem dem Jugendparlament aus, das 2017 sein 20-jähriges Bestehen feiert, sowie dem Kreisjugendring und der Waldburgia, die sich mit Herzblut und Enthusiasmus um die fünfte Jahreszeit und den Faschingszug kümmert. "Alle Initiativen, die sich für die Stadt einsetzen, tragen einen Teil dazu bei, Waldkraiburg ein Stück attraktiver zu machen", so Pötzsch. Und auch Angebote wie den Stadtbus oder die Schwimmhalle sollen die Waldkraiburger ausreichend nutzen, "es wäre schade, wenn sie aufgrund zu geringer Nachfrage nicht mehr existieren würden." Die Besucherzahlen des Waldbads mit 72.218 Personen hingegen waren 2016 laut Pötzsch aus zwei Gründen nicht so hoch wie gewohnt: "Zum einen machte uns die Witterung einen Strich durch die Rechnung, zum anderen hatte die Stadt massive Probleme mit einem Wasserverlust und einer Verkeimung. Neue Filteranlagen sollen heuer einen reibungslosen Betrieb in ermöglichen." 

Waldkraiburg besitzt einen der größten Schulstandorte im Landkreis Mühldorf.

Waldkraiburgs Zukunft - Entwickelt sie sich positiv? 

Letztendlich blickt Robert Pötzsch zuversichtlich in die Zukunft seiner Stadt. Und obwohl die Bürger am Ende der Versammlung kleine Beschwerden, wie beispielsweise der Lärm und die und Feinstaubelastung der Firma SGF (Süddeutsche Gelenkscheibenfabrik GmbH & Co. KG), der zu nahe an der Straße gebaute Neubau in der Reichenbergerstraße oder die Entwicklung des leerstehenden Gebäudes in der Pragerstraße, anzubringen hatten, hielten sich die negativen Aspekte insgesamt im Hintergrund. Eine Waldkraiburgerin sprach sogar der Stadtgärtnerei für deren Arbeit ihre Beachtung aus: "An den vielen blühenden Ecken vorbei, ist es wirklich eine wahre Freude, durch Waldkraiburg zu spazieren."  

Am 27. April findet die zweite Waldkraiburger Bürgerversammlung ab 19 Uhr im Restaurant Adria Grill in St. Erasmus statt.

mb

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