Bürgerversammlung am Mittwochabend

Waldkraiburger hatten zahlreiche Fragen zum Waldbad

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Ingenieur Josef Krautloher vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Vilshofen, Stadtwerke-Geschäftsführer Herbert Lechner und Bürgermeister Robert Pötzsch stellten sich den Fragen des Publikums.
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Waldkraiburg - Es waren viele Fragen, welche die zahlreichen Besucher der Bürgerversammlung zum Waldbad am Mittwochabend mitbrachten. 

"Es ist Klasse zu sehen, wie viele Leute dieses Thema bewegt!", begrüßte Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) die mehreren hundert Zuhörer an diesem Abend. Er ging dann noch einmal die gesamte Vorgeschichte, die zu der Entscheidung zwischen Sanierung und Neubau geführt hatte durch. Dabei betonte er, unter anderem, dass die zu erwartende Wohnbebauung auf dem derzeitigen Waldbad-Grundstück nicht bedeuten müsse, "dass da alles mit mehrgeschossigem Wohnungsbau zugepflastert wird." 

Die Präsentation der Stadtverwaltung zum Waldbad

Im Anschluss stellte sich das Gemeindeoberhaupt gemeinsam mit Stadtwerke-Geschäftsführer Herbert Lechner und Ingenieur Josef Krautloher vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Vilshofen, das alle drei Varianten für die Zukunft des Waldbads berechnet und erstellt hat, den Fragen des Publikums. Die Moderation übernahm dabei Norbert Haimerl vom RFO. 

Bekenntnis zur interkommunalen Zusammenarbeit

Warum kam die Bürgerversammlung erst nach den Entscheidungen im Haupt- und Finanzausschuss und dem Stadtrat? Diese Frage kam sowohl aus dem Publikum als auch im Vorfeld per E-Mail an das Rathaus. Pötzsch räumte ein, eventuell hätte man die Versammlung schon früher stattfinden lassen können. Er habe jedoch zunächst eine Grundlage für die weiteren Verhandlungen mit Aschau am Inn und belastbare erste Zahlen haben wollen. Zudem hätte sich die Variante eines Neubaus bei einer Entscheidung Aschaus dagegen ohnehin erledigt gehabt. 

Bilder von der Bürgerversammlung zum Waldbad im Haus der Kultur

Gefragt nach den Aussichten für den Erfolg der interkommunalen Zusammenarbeit bei diesem Projekt gaben sich sowohl Pötzsch als auch der ebenfalls anwesende Aschauer Bürgermeister Alois Salzeder (AWG) optimistisch. Sie berichteten von guten Erfahrungen in der Kooperation sowohl untereinander als auch mit anderen Städten und Gemeinden. Beide Bürgermeister betonten noch einmal, der Neubau am geplanten Standort sei aus beider Sicht die beste Lösung.

Ingenieur Josef Krautloher lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit beider Gemeinden:"Ich komme viel herum, aber man wird in Bayern weit gehen müssen um so ein gutes Beispiel dafür sehen zu können!" Er brachte auch ein klares Bekenntnis für den Neubau vor: "Wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich an neuer Stelle bauen!", so Krautloher, "Denn dort kann dann alles kompromisslos nach den jeweiligen Bedürfnissen errichtet werden." So könnte beispielsweise Platz gespart und notwendige Leitungsanlagen bedarfsgerecht angelegt werden.

Viele Fragen zu den Berechnungen und Zahlen

Krautloher musste sich auch mehrfach Fragen danach stellen, wie er zu seinen Berechnungen und Zahlen gekommen sei. "Ich würde mich darauf festlegen lassen", betonte der Ingenieur. Er stütze sich unter anderem auf langjährige Erfahrungswerte, beispielsweise bei der Sanierung des Traunreuter Schwimmbads. Alle Kostenangaben beruhten auf aktuellen Angaben von Firmen aus der Region. Sofern der Neubau innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre in Angriff genommen würde, sollte sich an den Kosten nichts ändern, betonte er. 

Stadtwerke-Geschäftsführer Harald Lechner wurde ebenfalls nach seinen Angaben zu den Kosten des Waldbades gefragt. "Das sind, auf Grundlage des aktuellen Steuerrechts, von einem Wirtschaftsprüfer testierte Zahlen", beteuerte er, "Sie anzuzweifeln würde bedeuten, dass unsere Bilanz nicht stimmt!"

Alternative Finanzierungsmodelle?

Häufig gefragt wurde auch nach alternativen Finanzierungsmodellen, um eine Sanierung des Waldbades zu ermöglichen. Bürgermeister Pötzsch betonte, es eine Lösung notwendig, welche die Finanzierung des Bades auch für die nächsten 20 bis 30 Jahre sicherstellt. Dies sei beispielsweise mit einem Sponsor, der nur einmalig die Sanierung eines Beckens zahlt, so nicht möglich. 

Ebenfalls mehrfach hinterfragt wurde, ob sich die Besucherzahlen nicht beispielsweise durch andere Öffnungszeiten erhöhen ließen. Krautloher betonte, vor allem die Einführung von Ganztagsschulen hätten die Besucherzahlen vieler Freibäder erheblich verringert. Zudem hätten andere Bäder wie die in Mühldorf und Töging trotz eines geringeren Angebots im Verhältnis sehr viel bessere Besucherzahlen. Daher sei auch bei einer Vollsanierung nicht mit einer Verbesserung zu rechnen. 

Viele der Redner aus dem Publikum betonten ihre jahre-, teils jahrzehntelange Verbundenheit mit dem alten Waldbad. Manchmal sogar seit ihrer Kindheit. Als "ein Juwel unserer Stadt" oder "Etwas, das es weitum so nicht gibt" wurde es gelobt. Teilweise schwang sichtlich ehrliche Entrüstung darüber, dass das Bad abgerissen werden könnte mit. Teilweise wurde beklagt, dies sei ein weiterer Schritt in einer immer weiteren Verringerung von Angeboten, welche die Stadt attraktiv machen.

Bürgerentscheid soll allen Waldkraiburgern Mitsprache erlauben

Alle Orte an denen Unterschriftenlisten für das Bürgerbegehren ausliegen, finden Sie hier

"Wenn man sagt, nur weil etwas schon alt ist, ist es nicht mehr einer Sanierung würdig, dann kann man auch gleich sämtliche Altstädte abreißen!", klagte Jürgen Zabelt vom Förderverein Waldbad Waldkraiburg e.V.. Er betonte die Wichtigkeit, des vom Förderverein, der CSU und Teilen der SPD beantragten Bürgerentscheids. "Bei so einer wichtigen Entscheidung sollten alle Waldkraiburger die Chance haben, mit zu entscheiden!" 

"Durch den Bürgerentscheid haben alle Seiten die Möglichkeit, die Fakten klar darzustellen, sowohl die Befürworter des Erhalts des Waldbads als auch diejenigen, die den Neubau wollen", so Zabelt, seiner Ansicht nach sei beispielsweise im Vorfeld der Bürgerversammlung durch die Stadt nur einseitig informiert worden. Er betonte aber auch: "Nach dem Bürgerentscheid gibt es eine Marschrichtung, die zu akzeptieren ist! Wir müssen danach wieder zusammenhalten und das Beste für Waldkraiburg verwirklichen!"

Bad hat enormen Sanierungsrückstau

Das Waldbad hat inzwischen mehr als 40 Jahre auf dem Buckel und auf Grund der klammen Kassen der Stadt einen enormen Sanierungsrückstau. Derzeit kostet es jährlich etwa 80.000 Euro, es für den Sommer fit zu machen. Bereits im April 2017 war klar geworden, dass die Stadt sich zwischen Neubau und Sanierung entscheiden werden muss.

Das Bad steht, wie beispielsweise auch das Eisstadion und andere städtische Betriebe, seit deren Gründung im Jahr 2000 unter Verwaltung der Stadtwerke. Diese beklagen, dass sie seit der Liberalisierung der Energiemärkte 2013 massive Einnahmeverluste hinnehmen mussten. Sie können weder das enorme Betriebsdefizit noch eine Sanierung finanzieren.

Laut Darstellung der Stadtverwaltung ist ein Neubau in interkommunaler Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Aschau am Inn statt einer Sanierung die zukunftsträchtigste Variante.

In der Stadtratssitzung vor zwei Wochen stimmte das Gremium mit knapper Mehrheit dafür. Auch der Aschauer Gemeinderat sprach sich am Dienstag dafür aus. Über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens für die Sanierung statt des Neubaus soll in einer Sonder-Sitzung des Stadtrats am 6. März entschieden werden. 

hs

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