Streit um Schilcherlinie und Gewerbegebiet Nord

Stadtrat lehnt Bürgerantrag zum Waldschutz ab - und macht nächste Schritte

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Um dieses Stück Wald zwischen Industriegebiet-Nord und der Wohnbebauung nördlich der Waldkraiburger Daimlerstraße geht es. Hier wollen sich Betriebe erweitern, ein Bürgerantrag zum größtmöglichen Erhalt des Waldes wurde am Dienstag vom Stadtrat abgelehnt.

Waldkraiburg - Der Bürgerantrag zum Schutz des Waldes geht ins Leere. Der Stadtrat lehnt ab und leitet im Gegenzug gleich die nächsten Schritte zur Erweiterung des Gewerbegebiet Nord ein. 

Wald und Naherholungsgebiet sollten möglichst erhalten, eine Fläche von 1,7 Hektar nicht bebaut werden - das waren die Forderungen des Bürgerantrags zur sogenannten Schilcherlinie, doch vom Waldkraiburger Stadtrat kam am Dienstagabend ein klares Nein. Der Antrag der Bürgerinitiative "Waldkraiburg - Stadt im Grünen?" wurde abgelehnt. Stattdessen leitete der Stadt gleich die nächsten Schritte zur Erweiterung des Industriegebiet Nord ein.


Stadt und Industrie wollen neues Schalthaus und Erweiterungen

Es geht um das rund 70 Meter breite Waldstück nördlich der Daimlerstraße: Auf der einen Seite Wohnbebauung mit vielen Einfamilienhäusern, auf der anderen Seite Autowerkstätten, Industrie und ein Wertstoffhof. Doch die Forderungen der Bürgerinitiative behindern eine "zeitnah erforderliche Gewerbegebietsentwicklung", heißt es aus der Stadtverwaltung und der Mehrheit des Stadtrates. Auch die Stromversorgung sei dann nicht mehr sicher, denn die Stadt plant dort ein viertes Schalthaus für die Energieversorgung der Industrie

Irmgard Pöschl-Moser von der Bürgerinitiative "Waldkraiburg - Stadt im Grünen?"

Eine Mehrheit bekamen am Dienstag im Stadtrat dagegen zwei Anträge pro Industriegebiet: Die Baugenehmigung für jenes vierte Schalthaus wurde erteilt, außerdem soll die Bauleitplanung für die Erweiterung des Gewerbegebietes fortgeführt werden - mit einem zumindest noch 20 Meter breiten Waldstreifen, wie Carsten Schwunck von der Stadtverwaltung im Gespräch mit innsalzach24.de berichtet. Konkret sind es zwei Betriebe, die sich erweitern wollen, unter anderem die Firma Netzsch.

Weit mehr Unterschriften als nötig gesammelt

387 Unterschriften hatte die Bürgerinitiative gesammelt, um dem Stadtrat ihren Antrag aufzuzwingen, 225 hätten dafür schon gereicht. Der "Daimlerwald" sei ein Naherholungsgebiet für die Bevölkerung, argumentiert die Bürgerinitiative, außerdem halte sie den Lärm zurück und sei für den Naturschutz wichtig. Darüber hinaus solle überlegt werden "den Schutzgürtel mit dessen bestehender Bewaldung zu verstärken", heißt es in dem Antrag. Schließlich sei künftig mit mehr Belastung für die Anwohner zu rechnen. 

Es war bereits der zweite Bürgerantrag, den die Bürgerinitiative "Waldkraiburg - Stadt im Grünen?" in den Stadtrat brachte. Bereits im Dezember 2019 wurde ein Bürgerantrag abgelehnt. Die Forderungen der Bürgerinitiative wurden jetzt etwas abgeschwächt: Eine bauliche Entwicklung in Richtung Norden wurde nicht mehr komplett abgelehnt. Der Rodung des Waldes stimmte der Stadtrat eigentlich bereits im Frühjahr 2019 zu.

Die Stadtratssitzung am Dienstag war die letzte der laufenden Legislaturperiode. Ab Mai setzt sich der Stadtrat dann neu zusammen, wie er am 15. März von den Bürgern gewählt wurde.

xe

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