Serie von Taten im April

Nach Brandanschlag: So wird den Betroffenen in Waldkraiburg geholfen

Waldkraiburg: Bewohner und Eigentümer erhalten nach Brandanschlag im April umfangreich Hilfe
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Ein Brand der, als Teil einer Anschlagsserie gegen Geschäfte mit türkischen Inhabern in einem Früchtemarkt gelegt wurde, verwüstete Ende April ein Wohn- und Geschäftshaus in Waldkraiburg. Nun soll es bald auch eine Lösung für betroffene Wohnungen, Praxen und Büros geben.

Waldkraiburg - Im April verwüstete ein Brandanschlag ein Wohn- und Geschäftshaus am Stadtplatz. Die Stadt unterstützt weiterhin betroffene Bewohner und Inhaber von Büros und Praxen, damit die bald wieder zurückkehren können.

Update, Freitag 17.07. 12 Uhr: Pressemeldung der Stadt Waldkraiburg

Die Pressemeldung im Wortlaut:


Bei dem verheerenden Brand in dem Gemüseladen am Stadtplatz 16 Ende April verloren 30 Waldkraiburger ihr Zuhause. 26 Personen befanden sich zum Zeitpunkt des Brandanschlags im Gebäude. Alle konnten sich glücklicherweise retten bzw. gerettet werden. Bis heute ist eine Rückkehr in die Wohnungen, die sich oberhalb des Gemüseladens befinden, nicht absehbar. Aus diesem Grund lud Erster Bürgermeister Robert Pötzsch zusammen mit dem zentralen Ansprechpartner für den Opferschutz des Freistaats Bayerns, Erwin Manger, am 13. Juli alle betroffenen Bewohner zu einem runden Tisch in das Haus der Kultur ein. Neben Erstem Bürgermeister, Robert Pötzsch und Erwin Manger nahmen am runden Tisch Vertreter der Stadtverwaltung, die Polizei, die Hausverwaltung sowie die Beratungsstellen WEISSER RING e.V., B.U.D. e.V. und BEFORE e.V. teil. Den Teilnehmern wurden dabei Möglichkeiten zur Hilfe bei der Wohnungssuche und zur Opferentschädigung aufgezeigt. Ebenso wurden Ansprechpartner für die Vorbeugung von bleibenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorgestellt. Die Stadt Waldkraiburg nimmt die Anliegen aller Betroffenen sehr ernst und versucht, sie bestmöglich zu unterstützen.

Pressemeldung Stadt Waldkraiburg


Der Bericht aus der Stadtratssitzung:

"Am Montag gab es ein Treffen mit den Bewohnern", berichtete Erster Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) im Rahmen der jüngsten Stadtratssitzung. "Mit dabei waren auch Vertreter des Polizeipräsidiums, vom Zentrum für Familien und Soziales aber auch Vertreter verschiedener Beratungsstellen wie beispielsweise dem Verein Weißer Ring, welcher Opfern von Kriminalität hilft." Es gehe hierbei nämlich nicht nur um finanzielle Hilfen."Das Erlebnis dieser Brandnacht war auch eine traumatische Erfahrung. Auch bei deren Bewältigung muss den Betroffenen geholfen werden!"

Auch Angebote der Stadtbau

Eine große Frage sei gewesen, was getan werden müsse, damit die Bewohner und Inhaber von Praxen und Büros baldmöglichst wieder in das Gebäude zurückkehren können. "Wir haben ihnen dazu zusammengestellt, was nötig ist." Fragen zur Standsicherheit und Brandschutz sollen baldmöglichst geklärt werden, damit eventuell nötige Renovierungsarbeiten und ähnliches in Angriff genommen werden können. Direkte Hilfe werde es auch durch die Stadt geben, wenn die Betroffenen nun aus Hotels oder von ihren Versicherung gestellten Wohnungen hinaus müssten. "Wir haben dafür gesorgt, dass sie dann übergangsweise in Wohnungen der Stadtbau können."

Auch der gesamten Waldkraiburger Bevölkerung solle bei der Bewältigung der Folgen der Taten geholfen werden. Am 20. und 21. Juni fanden dazu im Haus der Kultur zwei Veranstaltungen zum Thema "Gemeinschaft in Waldkraiburg" statt."Die Veranstaltung wurde nach den mutmaßlichen Anschlägen erarbeitet, da der dringende Wunsch aus der Bevölkerung laut wurde, diese in Waldkraiburg noch mehr zu stärken", so Pötzsch. "Gemeinsam mit den externen Beraterinnen Gisela Goblirsch und Kathrin Leppla gingen 80 Bürgerinnen und Bürger der Frage nach 'Was bedeutet Gemeinschaft in einer sich schnell verändernden Welt und wie kann diese in Waldkraiburg entstehen?'. Die Antworten der Teilnehmer wurden analysiert und auf deren Basis Workshops ausgearbeitet, die Ende Juli beziehungsweise im September angeboten werden."

Brandanschlag im April verwüstete Haus

Vier Geschäfte in Waldkraiburg wurden im April innerhalb weniger Wochen zu Zielen der Anschlagsserie eines selbsternannten IS-Anhängers gegen Geschäfte mit türkischen Inhabern. Während es bei einem Friseur, einer Pizzeria und einem Döner-Laden beim Einwerfen der Scheiben und Verteilen einer übel riechenden Flüssigkeit blieb, wurden bei einem Brandanschlag auf einen Früchtemarkt am Stadtplatz sechs Menschen verletzt. Außerdem wurden anliegende Geschäfte, Wohnungen, Büros und Praxen teils massiv beschädigt. Für ein benachbartes Textilwarengeschäft bedeutete es das endgültige Aus.

Bilder von der Anschlagserie in Waldkraiburg 

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Aktuell kann das Gebäude nur teilweise genutzt werden. Für den Früchtemarkt war bereits Mitte Mai eine Übergangslösung gefunden worden. Eine Aschauer Firma sponserte einen Container, in den der Laden vorübergehend einziehen kann. Auch ein beim Brand beschädigter Müller-Drogeriemarkt soll bald wieder öffnen. Zumindest bis 1. August wird unterdessen der Wochenmarkt auf den Stadtplatz verlegt bleiben.

Weiter viele Fragen offen

Unterdessen sind weiter viele Fragen rund um die Anschlagsserie offen. Dahinter steckte der 25-jährige Muharrem D.. Er trug bei seiner Festnahme am Mühldorfer Bahnhof Anfang Mai mehrere Rohrbomben bei sich und plante offenbar weitere Anschläge. Neben seinem "Hass auf Türken" bekannte er sich in den polizeilichen Vernehmungen auch zum Islamischen Staat ( IS).

Doch viele Fragen bleiben weiter offen. Etwa woher er das Material für die Bomben hatte, ob es Hintermänner gab und wie er sich derart radikalisieren konnte. Die Ermittlungen hat inzwischen die Generalbundesanwaltschaft übernommen. "Wir können derzeit, auf Grund der laufenden Ermittlungen nichts Neues berichten", teilte die Pressestelle der Behörde auf Anfrage von innsalzach24.de mit. Die Öffentlichkeit werde zu gegebener Zeit informiert werden, wenn neue Details bekanntgegeben werden könnten.

hs

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