Asylbewerberzahlen rückläufig

Integration schreitet voran: Kommt Waldkraiburg endlich zur Ruhe? 

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Die Integration in Waldkraiburg schreitet voran. In der dezentralen Unterkunft BFZ Peters (links) befinden sich aktuell rund 70 Asylbewerber, die Zahlen sind allgemein rückläufig. 
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Waldkraiburg - Das Thema Asyl flammte erst kürzlich wieder auf der Bürgerversammlung 2017 auf. In den letzten Jahren war immer wieder von Negativ-Meldungen und Ruhestörungen die Rede. Wie hat sich die Situation nach dem großen Flüchtlingsansturm im Jahr 2015 in Waldkraiburg entwickelt?

Bundesweiter Trend: Zahlen rückläufig  

Polizeihauptkommissar Georg Deibl zur Entwicklung der Asylbewerberzahlen in der Stadt: "Mittlerweile ist alles ruhig hier." 

Ende April erklärte Bürgermeister Robert Pötzsch auf der Bürgerversammlung, die Zahlen der Asylbewerber würden sich der allgemeinen Entwicklung folgend nach unten bewegen. Dass dieser bundesweite Trend nun auch in der Stadt angekommen ist, kann Polizeihauptkommissar Georg Deibl, seit 2017 neuer Leiter der Dienststelle Waldkraiburg, gegenüber innsalzach24.de bestätigen: "Seit einiger Zeit sind die Zahlen auch hier rückläufig, die Einsätze deutlich weniger." 

Große Polizeieinsätze, die von Asylbewerbern hervorgerufen werden, würden der Geschichte angehören, so der Polizeihauptkommissar. "Weniger Asylbewerber bedeuten auch einen verringerten Druck in den Unterkünften, weshalb die Beamten weniger ausrücken müssen." Der letzte große Einsatz sei Pfingsten 2016 gewesen. Selbstverständlich würden standardmäßige Besuche oder bei Bedarf Kontrollen in den Unterkünften durchgeführt. Kleinere Einsätze, ausgelöst durch Meinungsverschiedenheiten unterhalb der Bewohner gebe es ab und an, aber nichts ernstes. "Wir sind insgesamt mit der Entwicklung sehr zufrieden, es ist alles ruhig hier in Waldkraiburg. Die Integration schreitet voran", freut sich Deibl. 

"Sprache als Voraussetzung für erfolgreiche Integration"

Richard Fischer: "Wir versuchen immer die Menschen kulturell untereinander zu vereinen"

Dass die Integration vorangeht und sich erfolgreich entwickeln kann, bedeutet eine Menge Arbeit und Geduld. Das weiß auch Richard Fischer, Zweiter Bürgermeister von Waldkraiburg und Vorstand des Arbeitskreises Asyl. "Wir versuchen immer die Menschen kulturell untereinander zu vereinen", erklärt der Vorstand. Die Unterstützung bei Sprachkursen oder berufsbegleitenden Maßnahmen sei essentiell - das Erlernen der Sprache laut Fischer die Voraussetzung für erfolgreiche Integration. Nebenbei hätten viele Asylbewerber auch schon in Sportvereinen Fuß gefasst. Die Männer beispielsweise würden großes Interesse an Hand- oder Fußball zeigen. Bei der Aufräumaktion "Rama Dama" am 29. April hätten 42 begeisterte Asylbewerber mitgemacht. Geplant seien überdies gemeinsame Kochkurse und anschließender Austausch beim Essen.

Fischer weiter: "Wir haben erst kürzlich zum 1. April dem Vater einer vierköpfigen Familie aus Afghanistan eine Arbeitsstelle im Industriegebiet vermitteln können. Der nächste Schritt ist eine eigene Wohnung." Ein weiteres Erfolgskonzept sei die Integration durch Musik in Waldkraiburg: Hier treffen sich Menschen unterschiedlicher Nationalitäten zum gemeinsamen Spielen und Singen. "Musik verbindet die verschiedenen Kulturen", freut sich Fischer.

"Bereits aus geschichtlicher Sicht Erfahrungen mit Einbürgerungen"

Nach dem Stand vom März 2017 gibt es insgesamt 381 Asylbewerber in Waldkraiburg, 73 befinden sich in der dezentralen Unterkunft BFZ Peters, "weniger als sonst", stellt Fischer fest. Viele seien mittlerweile auch privat untergebracht. "Auch wenn nicht ausgeschlossen ist, dass die Zahlen wieder einmal nach oben gehen können, mit einer so großen Flüchtlingswelle wie im Jahr 2015 rechnen wir definitiv nicht mehr", ist sich Fischer sicher. 

Bei der Entwicklung der Asylbewerberzahlen ist in Waldkraiburg ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. 

Allerdings ruft Fischer die Bevölkerung zu einem Umdenken auf: "Die Bürger müssen die Vorurteile gegen Flüchtlinge abbauen. Wenn man bereit und offen ist für Neues gelingt auch die Integration der Neubürger." Besonders Waldkraiburg als ehemalige Flüchtlingsstadt habe doch bereits aus geschichtlicher Sicht Erfahrungen mit Einbürgerungen. "Damals waren es Russlandeutschen, Rumänen, Türken und ganz zu Beginn Sudetendeutschen - heute sind es eben Menschen aus afrikanischen Ländern. Waldkraiburg hat das schon einmal geschafft, warum sollte das nicht ein weiters Mal gelingen?", fragt sich Fischer abschließend.  

mb

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