Neues Stadtoberhaupt seit gut drei Wochen im Amt

BM Pötzsch hat "schlaflose Nächte"

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Das Anzapfen bereitet ihm schlaflose Nächte, doch die erste und wichtigste Aufgabe ist für Bürgermeister Robert Pötzsch der Haushalt 2014.
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Waldkraiburg - Der Haushalt 2014 und der erste Bieranstich seines Lebens: Schon in den ersten Wochen im Amt steht Bürgermeister Robert Pötzsch vor großen Herausforderungen.

Der Wahlsieg des UWG-Politikers Robert Pötzsch kam für viele überraschend, auch weil sich der 42-Jährige gleich im ersten Wahlgang gegen seine beiden Kontrahenten, die langjährigen Stadträte Harald Jungbauer (CSU) und Richard Fischer (SPD), durchsetzte. Nach gut drei Wochen im Amt blickt Pötzsch selbstbewusst auf seinen Wahlsieg zurück. Angesichts der vielen Menschen, die ihm vor der Wahl Glück gewünscht hätten, habe er sich schon etwas ausgerechnet, so der Bürgermeister.

"Man kann es nur gemeinsam schaffen"

Der Sieg Pötzschs und der Erfolg der UWG bei der Stadtratswahl bedeuteten einen Zäsur in der Waldkraiburger Politik. Im Stadtrat ist die CSU zwar noch immer stärkste Kraft, verfügt aber nicht mehr über die absolute Mehrheit der Sitze. Doch obwohl die UWG zur Kommunalwahl mit dem Ziel angetreten war "das CSU-System zu stürzen", wie Pötzsch erklärt, hat die UWG im Stadtrat nicht versucht, die Christsozialen gemeinsam mit der SPD auszuklammern. Bei der konstituierenden Sitzung des Gremiums wurden alle drei Fraktionen bei der Vergabe der Posten berücksichtigt.

Er habe ein Umdenken ausgemacht, "dass man es nur gemeinsam schaffen kann", so Pötsch. "Ich glaube, die anderen haben es auch kapiert." Auch langfristig hofft der Bürgermeister im Stadtrat auf die breite Zustimmung der Fraktionen. "Das Ziel sollte sein, dass man keine Mehrheiten braucht", so Pötsch, dass also alle Entscheidungen vom Gremium geschlossen mitgetragen werden.

"Du hast die Semmel zum Anfassen, zum Anbeißen"

Die ersten Wochen als Bürgermeister waren geprägt von vielen neuen Eindrücken. Pötzsch saß bislang nicht einmal im Stadtrat, der Bäckermeister und Betriebswirt wechselte quasi von heute auf morgen vom Familienbetrieb ins Rathaus. "Viele Menschen möchten mich erst einmal kennenlernen, ich möchte sie kennenlernen", berichtet der Bürgermeister von den ersten Wochen im Amt. Das Selbstverständnis mit den Mitarbeitern müsse erst einmal wachsen, ebenso lernt Pötzsch außerhalb des Rathauses viele Menschen kennen, Unternehmer, Vertreter der Nachbargemeinden, Abgeordnete. "In Zukunft geht's auch von einem Termin zum nächsten, aber ein bisschen entspannter", hofft Pötzsch.

Als Bürgermeister hat der 42-Jährige andere Erfolgserlebnisse als bislang. "Als Handwerker gehst du in der Früh in die Arbeit und dann weißt du, was zu tun ist. Am Ende hast du das Produkt, die Semmel zum Anfassen, zum Anbeißen." Als Bürgermeister führe man viele Gespräche, erhalte viele Informationen und müsse dann eine Entscheidung treffen. "Das ist eine andere Bestätigung", so Pötzsch. "Wenn's läuft, wenn das Klima passt, wenn ich reinkomme und alle lächeln und Grüß Gott sagen - das ist eine große Genugtuung."

"Waldkraiburg muss den Gürtel enger schnallen"

Auf Erfolgserlebnisse hofft Pötzsch auch bei den Finanzen der Stadt: "Die Hauptaufgabe ist der Haushalt. Seit Anfang an sitzen wir am Haushalt. Das ist die erst und schwierigste Aufgabe, die ansteht." Alle Befürchtungen zu Belastungen und Rücklagen der Stadt hätten sich bestätigt, sagt Pötsch, der Einsparungen für unvermeidbar hält: "Waldkraiburg muss den Gürtel enger schnallen." Die Stadt habe sich in der Vergangenheit viel geleistet, nun müsse man den Bürgern reinen Wein einschenken.

Konkret geht es darum, nicht jeden Zuschuss zu zahlen oder zumindest in geringerer Höhe, etwa in den Bereichen Freizeit und Vereine. "Wie kann man die Unterstützung weiterfahren?", fragt Pötzsch. Im Juli steht der Haushalt im Waldkraiburger Stadtrat auf der Agenda. "Da muss das Konzept stehen."

Um die Finanzen auf eine solide Basis zu stellen, möchte Pötzsch künftig mit den Nachbargemeinden zusammenarbeiten. Mit der neu gewählten Mühldorfer Bürgermeisterin Marianne Zollner habe er bereits Gespräche geführt, überall sei Bereitschaft da, dass künftig die interkommunale Zusammenarbeit funktioniert. Der Bürgermeister ist davon überzeugt, dass nicht jede Gemeinde jedes Freizeitangebot selbst vorhalten muss: "Wir brauchen nicht alle ein Hallenbad. Wenn wir eine Kletterhalle bekommen, muss sich eben Mühldorf freuen, und wenn Mühldorf ein schönes Schwimmbad bekommt, muss sich Waldkraiburg freuen."

"Wir können stolz sein auf das Volksfest"

Grund zur Freude hat Waldkraiburg schon in einigen Wochen, dann nämlich steht das Jubiläumsvolksfest auf dem Programm. Auch Pötzsch wird dabei im Mittelpunkt stehen - mit dem Wechsel in der Hand beim Anzapfen des ersten Fasses. "Ich habe schon schlaflose Nächte, weil ich Anzapfen muss", erzählt der Anzapf-Anfänger. Seinen Vorgänger am Fass, Altbürgermeister Siegfried Klika, kann Pötzsch ohnehin schon rein rechnerisch nicht mehr toppen. Gleich bei mehreren Anlässen, auch auf der Wiesn im letzten Jahr, reichte Klika ein einziger Schlag.

Pötzsch freut sich schon auf den alkoholfreien Russen, eine Spezialität des Waldkraiburger Volksfestes, denn der Bürgermeister mag eigentlich gar kein Bier. Die Vorfreude auf die Wiesn sei aber da, versichert Pötzsch: "Es ist schön, dass ich täglich mit den Kindern aufs Volksfest gehen kann." Das Volksfest sei eine tolle Gelegenheit, mal zehn Tage zu feiern. "Das Volksfest hat einen hohen Stellenwert. Da sind wir schon stolz darauf und da können wir auch stolz sein."

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