Neubau mit zusätzlichen Sozialwohnungen geplant

"Der Iserring soll kein Ghetto werden!"

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Waldkraiburg - Die Sozialwohnungen am Iserring sind veraltet, eine Sanierung lohnt nicht mehr. Daher ist geplant, den ganzen Komplex Ende 2017 abzureißen und komplett neu zu errichten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Da sie veraltet sind, bauliche Mängel aufweisen und eine Sanierung nicht wirtschaftlich ist, sollen die Sozialwohnungen am Iserring durch Neubauten ersetzt werden. Auch dort sollen nach einem neuen System einkommensschwache Bürger in Sozialwohnungen leben.
  • Das Grundkonzept wurde dem Bauausschuss vorgestellt.
  • Eine Diskussion entstand um die Frage, wie viele Stellplätze pro Wohnung vorgesehen werden sollen.
  • Vor allem durch Tiefgaragenplätze kann die Situation in der Gegend nach Ansicht von Stadtratsmitgliedern nicht geregelt werden. Es bräuchte mehr oberirdische Parkmöglichkeiten.
  • Der Vertreter der WSGW argumentierte, es müsse sich zwischen Wohnraum und oberirdischen Parkplätzen entschieden werden.

So verlief die Sitzung des Bauausschusses:

Warum eigentlich der Iserring? „Man meint eigentlich: Naja, der schaut ja noch ganz gut aus“, gab Werner Meisenecker von der Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Waldkraiburg (WSGW) in der Sitzung des Waldkraiburger Bauausschuss zu, doch er ergänzte: "Wenn man sich das aber von der Seite, auf der sich das AOK-Gebäude befindet, sieht man es: Da blättert die Farbe ab, Fenster sind schief, die Fassade muss neu gemacht werden!" Teilweise herrschten gravierende Mängel. "Bei Haus 5 beispielsweise läuft bei Starkregen Wasser in den Hauseingang", so Meisenecker. "Wir mussten schon eine Drainage einrichten, damit da nicht der Keller vollläuft!" Trotzdem würde dort noch eine unangenehme Feuchtigkeit herrschen. Die Wohnanlagen 1-6 verfügten außerdem weder über barrierefreie Zugänge noch über einen Aufzug. Auch der Grundriss sei veraltet. 

Neubau ist nötig

Hier sollen die Neubauten entstehen.

"Der einzige Neubau ist Haus Nummer 6", so Meisenecker, die übrigen Gebäude stammten aus den 50er Jahren. Die Häuser seien außerdem extrem hellhörig, gerade für die Nachbarn von Familien mit Kindern sei das eine Belastung. Sanierungen seien sinnlos, da sie rein der Bestandserhaltung dienten und damit eine rein optische Verbesserung bringen würden. Wenn es so weiterginge, würde dort bald "nicht mehr das gewünschte Klientel wohnen", da die Altbauten dort inzwischen einen schlechten Ruf hätten. "Der Iserring soll kein Ghetto werden!", so Meisenecker. Vor allem aber sei die verfügbare Fläche momentan nicht effektiv ausgenutzt.

Daher soll nun ein Neubau kommen, in dem statt der bisher nur 50, 80 bis 90 Menschen leben könnten. "Es sollen aber keine Hochhäuser wie in der Böhmerwaldstraße entstehen", so Meisenecker. Theoretisch sei es auf diese Weise zwar möglich, noch sehr viel mehr Menschen Wohnraum zu bieten, praktisch würde so aber eine reine Wohnsiedlung entstehen und kaum mehr Platz für Grünanlagen oder Parkplätze bleiben. Hochhäuser würden außerdem nicht ins Bild der Innenstadt passen.  

Moderne Sozialwohnungen

Die Wohnungen sollten außerdem nach einem neuen Sozialwohnungsmodell vermietet werden. Mieter, die nach drei verschiedenen Stufen als einkommensschwach gelten, könnten dort Wohnungen beantragen. Je nach Verhältnis ihres Einkommens zur Größe ihrer Familie können sie dann eine Förderung vom Landratsamt erhalten. 

Die Beschlussvorlage von WSGW und Stadtverwaltung sah daher folgendes vor:

  • Einen Wettbewerb durch ein Planungsbüro aus München durchzuführen. 
  • Einen Stellplatznachweis von 1,0 je Wohneinheit, was eine Abweichung von der Stellplatzsatzung der Stadt von 1,2/WE bedeutet.
  • Gemäß der Satzung eine Regelung von 10 % oberirdischen Stellplätzen
  • Die Abstandsregelung wird nach Baugrenzen geregelt.

Diskussion um Stellplatzregelung

Anton Sterr (CSU) begrüßte das Projekt grundsätzlich. Die Aufwertung und Verdichtung der Gegen sei eine wichtige Aufgabe für die Stadt, "es darf dort nicht zur Ghettoisierung kommen!", betonte auch er. Jedoch hielt er die Abweichung von der Stellplatzsatzung für problematisch. Darin stimmten ihm auch einige seiner Fraktionskollegen zu. Gerade am Beispiel der Enzian- und Nelkenstraße sehe man, wohin mangelnde Parkplätze führen würden. Dort parken viele Menschen ihre Autos an der Straße, was zu beengten Verkehrsverhältnissen führt.

Dem hielt Meisenecker entgegen, viele der Parkplätze vor allem in der Tiefgarage oder Carports würden nicht vermietet werden. Die Schaffung kostenloser oberirdischer Parkflächen sei ebenfalls nicht zielführend. "Dann parkt da ganz Waldkraiburg und die Mieter haben nichts davon."

Auch die SPD-Fraktion war für einen Stellplatzschlüssel nach dem bisherigen Modell. Frieder Vielsack (UWG) begrüßte ebenfalls das Projekt, kritisierte aber ebenfalls die Stellplatzregelung. Auch andere Mitglieder der UWG-Fraktion kritisierten die Pläne. Besser sei eine großzügige Regelung.

Es entspann sich eine umfangreiche Diskussion um eine mögliche Lösung. Besonders verwehrten sich die Mitglieder des Stadtrates gegen Meiseneckers Aussage, es gehe um eine Entscheidung zwischen Wohnraum und Stellplätzen. 

Die Vorlage zur Abstimmung sah dann statt 1,0 nun 1,2 Stellplätze pro Wohneinheit vor. Sie wurde mit 3 Gegenstimmen und 11 Stimmen dafür verabschiedet.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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