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Direktvermarktung als vielversprechender Weg

Neuer Hofladen in Pürten: Viel Liebe, viel Mühe und viel Arbeit sind nötig

Wollen ein gutes Preis-Leistungsverhältnis gewährleisten: Martin Brunnhuber und Elisabeth Hintereder präsentieren stolz ihren neu ausgebauten Hofladen mit eigenen und regionalen Produkten.
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Wollen ein gutes Preis-Leistungsverhältnis gewährleisten: Martin Brunnhuber und Elisabeth Hintereder präsentieren stolz ihren neu ausgebauten Hofladen mit eigenen und regionalen Produkten.

Der Hofladen am Brunnhuberhof in Pürten hat vor wenigen Wochen eröffnet. Die Betreiber, Martin Brunnhuber und Elisabeth Hintereder, verkaufen dort Gemüse und Eier vom eigenen Hof, aber auch regionale Produkte anderer Hersteller. Leicht war der Beginn allerdings nicht.

Waldkraiburg – Das Paar hat den Hof von den Eltern übernommen und führt ihn mittlerweile biologisch. Dass der Handel beim Preis die kleinen Landwirte unter Druck setzt, das kann Martin Brunnhuber nur bestätigen. Deshalb beliefert ihr Hof auch nicht den großen Handel, sondern hauptsächlich die Gastronomie und „Food Hub“, einen regionalen Supermarkt in München, der faire Preise bezahlt. „Wir möchten möglichst frisch ernten und verkaufen, Transportwege und Verpackung sparen.“ Folientunnel oder Gewächshäuser gibt es am Hof nicht.

Dass die Wege des Produktes zum Verbraucher eine Rolle spielen, kann auch Rosa Kugler von „Tagwerk“ bestätigen. Der Verein, der als Netzwerk für biologische und regionale Erzeuger aufgebaut ist, unterstützt Höfe bei Anliegen rund um das Thema „Bio“. Rosa Kugler ist auch Projektmanagerin der Öko-Modellregion Mühldorfer Land. „Wenn man Lebensmittel mit so viel Liebe, viel Mühe, viel Arbeit erzeugt, dann möchte man wissen, wo die hingehen, zum Beispiel, wenn aus dem eigenen Getreide Brot wird.“

Der Hofladen war deshalb ein weiterer Baustein, wie die Produkte des Hofs an den Mann gebracht werden können. Dass in ihrem Hofladen das Allermeiste bio ist, ist ihnen wichtig. „Wir würden gern noch mehr Produkte heimischer Hersteller aufnehmen, aber da kommen wir schnell in ein Gewerbe hinein“, erklärt Martin Brunnhuber. „Solange wir hauptsächlich eigene Produkte verkaufen, gehört das zur landwirtschaftlichen Direktvermarktung.“ Es gibt auch Cafébetrieb, wenn der Hofladen am Freitag und Samstag geöffnet hat.

Zu viel Selbstbedineung, zu wenig Geld in der Kasse

Ein Selbstbedienungshäuschen an der Hauptstraße mussten sie wieder schließen. Zu groß war die Selbstbedienung, zu wenig landete trotz Videoüberwachung in der Kasse, bedauert die Chefin. „24-Stunden-Verfügbarkeit war uns aber wichtig, die Leute wollen das auch.“

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Häufig zieht Martin Brunnhuber patriotische Kartoffeln aus der Erde – in Form des Waldkraiburg Logos. Zweitklassiges Gemüse gibt es hier übrigens nicht, es wird alles verkauft oder verarbeitet.

Gerade diese Möglichkeit schätzen Verbraucher bei einem Einkauf in einem Hofladen, weiß auch BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer. „Die Leute wollen immer mehr regional einkaufen, aber nicht jeder hat die Möglichkeit, auf den Wochenmarkt zu fahren.“ Die Wochenmärkte erfahren einen immer größeren Zulauf, sowohl was Kunden als auch Anbieter betrifft. Wer nicht auf dem Wochenmarkt verkauft, für den sei die Vermarktung auf dem eigenen Hof eine gute Gelegenheit zusätzliches Einkommen zu generieren, so Niederschweiberer.

Bedacht auf gutes Preis-Leistungsverhältnis geachtet

Die Preise, die sie machen, sind überlegt, denn zum einen müssen sie von den Einnahmen leben, zum anderen muss sich eine Familie die Lebensmittel auch leisten können. „Es ist nicht so, dass Biolebensmittel zu teuer sind, sondern die anderen sind zu billig“, erklärt Martin Brunnhuber. „Über Subventionen, die rein nach Fläche verteilt werden, können große Betriebe mit viel Fläche hohe Gelder bekommen und gleichzeitig günstiger produzieren.“

Daniel und Tina Drißler (sitzend) sind Feriengäste am Brunnhuberhof und nutzen das Angebot des Hofladens mit Café gern.

„Wir wollen ein gutes Preis-Leistungsverhältnis gewährleisten“, führt Elisabeth Hintereder weiter aus. „Dafür müssen wir aber auch erklären, warum das so ist.“ Zum Beispiel dass im Ökolandbau Flächen brachliegen, was sogar Vorschrift ist, während große konventionelle Betriebe nur auf den maximalen Ertrag aus sind und die Böden auf Dauer auslaugen.

Bedingungen für Umstellung auf „Bio“ sind gerade gut

Warum die Umstellung auf Bio sich trotzdem lohnt und immer mehr Höfe das auch machen, erfährt Rosa Kugler in ihrer täglichen Arbeit. „Die Bedingungen für die Umstellung sind gerade ganz gut, die Höfe können dafür mehr Geld vom Staat bekommen als früher. Viele Bauern sind dieses Hamsterrad leid, immer mehr Tiere in die Ställe stellen, mehr spritzen und sich abhängig machen zu müssen. Die Entscheidung fällt dann zwischen sich vergrößern oder auf biologische Erzeugung umstellen.“ Im konventionellen Betrieb sei darüber hinaus die Technisierung größer. Hohe Investitionen seien erforderlich, um wirtschaftlich zu bleiben. Und nicht zuletzt spiele der Gedanke eine Rolle, dass man künftigen Generationen etwas Besseres hinterlassen wolle.

Thema muss in die Köpfe der Menschen

Mittlerweile käme es immer häufiger vor, dass gerade junge Hofbesitzer eigene Läden aufmachten, oft auch mit Café. Das seien Entscheidungen, die das „Tagwerk“ unterstütze, führt Rosa Kugler aus. Ohne Zwischenhändler sei es einfacher, faire Preise zu erzielen. Wie viele Hofläden es im Landkreis mittlerweile gibt, dazu können auch verschiedene Ämter keine genauen Zahlen liefern. Denn der große Handel ist für die kleinen Bauern keine gute Alternative.

„Ich finde es trotzdem gut, dass Discounter mittlerweile mehr Bio anbieten oder Klasse-2-Gemüse, das bringt das Thema in die Köpfe der Menschen“, sagt Martin Brunnhuber. Davon könnten alle profitieren, auch die Bio-Bauern vor Ort mit eigenem Hofladen.

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