Fairtrade-Veranstaltung in Waldkraiburg

Stadt Waldkraiburg erhält erneut Fairtrade-Zertifikat

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Die Waldkraiburger Geistlichen (v.l.n.r.) Bernhard Stiegler, Lars Schmid und Benjamin Klammt: umgerechnet 5 Euro brachte jedes Kilo Körpergewicht
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Waldkraiburg - Am Samstag fand eine Fairtrade-Charity-Veranstaltung in Waldkraiburg statt. Die Stadt erhielt erneut das Fairtrade-Zertifikat.

Bei fair gehandelten Produkten handelt es sich um Nahrungsmittel und Textilien, die in Entwicklungsländern produziert werden. Dabei legen die Fair-Trade-Händler wert darauf, die Arbeitsbedingungen der Erzeuger zu verbessern. So sollen zum Beispiel die Kinder der Landwirte und Arbeiter in Schulen gehen, anstatt selbst auf den Plantagen zu schuften. Denn egal, ob Kaffee- und Kakaobohnen, Teeblätter oder Textilien, die Bedingungen bei der Herstellung sind oft katastrophal. 

„1991, als mein Mann und ich das erste Mal in Südafrika waren, habe ich erkannt, dass man etwas tun muss!“, erklärt Elsbeth Grytzyk. Heute, fast 30 Jahre später, ist sie die Chefin des Waldkraiburger Weltladens und hat zusammen mit ihrem Mann viele Unterstützer und Helfer gefunden. 2017 konnte Waldkraiburg erstmals alle Kriterien erfüllen und erhielt das Fairtrade-Zertifikat. Nicht zuletzt, weil die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Robert Pötzsch das Projekt unterstützte und seither im Rathaus, zum Beispiel bei den Sitzungen und Empfängen, soweit verfügbar, ausschließlich fair gehandelte Produkte, wie Kaffee oder Wein, angeboten werden. Das Zertifikat ist dabei kein Selbstläufer: alle zwei Jahre prüft die Vergabestelle nach, ob noch immer alle Bedingungen erfüllt sind. 

Bei einer Stadt mit der Größe Waldkraiburgs müssen mindestens fünf Geschäfte Produkte mit anerkannten Sigeln verkaufen, ebenso drei Gastronomiebetriebe und eine Schule, ein Verein sowie eine Kirchengemeinde müssen den fairen Handel in gleicher Weise unterstützen, wie das Rathaus. Rund um Waldkraiburg stehen vor allem auch die Kirchengemeinden hinter der Idee. 

Bilder von der Fairtrade-Charity-Veranstaltung

Allen voran der katholische Pfarrer aus Aschau, Pater Bernhard Stiegler, der evangelische Pastor Lars Schmid mit seiner Vikarin Inga Nun und der freikirchlich-evangelische Pastor Benjamin Klammt mit ihren Gemeindegremien. Anlässlich der Rezertifizierung wetteten die drei Geistlichen mit der „Steuerungsgruppe“, dass sie für jedes Kilo ihres Gewichts, drei Euro an fair gehandelten Produkten verkauft bekämen. Tatkräftig unterstützt wurden die Geistlichen bei der Aktion am Samstag von aktiven Gemeindemitgliedern. „Die elfköpfige Steuerungsgruppe will die Idee von fair gehandelten Produkte verbreiten und sucht immer nach Betrieben, die sich beteiligen wollen“, erklärt Joachim Grytzyk, Vorsitzender der „Eine- Welt-Initiative im Landkreis Mühldorf“(EWIM). Die Wette gelang übrigens, am Rande des Wochenmarkts, spielend, denn schon nach knapp zwei Stunden lag der Umsatzerlös bei rund 1200 Euro, weswegen die teilnehmenden KiTas aus Waldkraiburg (sechs von neun) dann die Wetteinsätze sowie Kinderbälle mit Fairtrade-Sigel überreicht bekamen. Bürgermeister Pötzsch hingegen bekam von Joachim Grytzyk die Rezertifizierungsurkunde überreicht. Zwar stehen auch die Fairtrade-Sigel in der Kritik, weil auch Missbrauch und Kundentäuschung mit den Sigeln betrieben wird. 

Es kommt also letztlich auf den Verbraucher an, der sich selbst genauer informieren muss. „Sigel, wie Utz und Rainforest, kann man vergessen!“, erklärt Pastor Lars Schmid am Rande der Aktion in Waldkraiburg. Multinationale Handelskonzerne erwirtschaften zwar Milliardengewinne, kümmern sich dabei aber nur selten um die Bedingungen bei der Herstellung. So ereignete sich erst 2013 in Bangladesh eine unvorstellbare Katastrophe, als das Gebäude einer Textilfabrik einstürzte. Bei dem Unglück kamen mehr als 1100 Menschen zu Tode und weitere 2500 wurden verletzt, während sie unter Anderem für KiK, Mango und Benetton Kleidungsstücke fertigten. „Erstaunlicherweise ist das Interesse an Fair-Trade keine Frage des Geldes“, weiß Elsbeth Grytzyk, „denn in den Weltladen kommen oft Menschen, die selbst nicht viel auf der hohen Kante haben!“. Teurer, als viele Markenprodukte, sind die fair gehandelten Waren jedenfalls nicht.

pbj

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