Zum Ärger seiner Fraktion und Partei

Sitzung geschwänzt? Waldkraiburger Stadtrat Nadvornik fehlt diesmal unentschuldigt

Wolfgang Nadvornik beim Wahlkampfauftakt Anfang Januar. Nach der Wahl wurde der 50-jährige kommunalpolitische Quereinsteiger aus Neufarn bei Anzing in Waldkraiburg nicht mehr allzu oft gesehen.
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Wolfgang Nadvornik beim Wahlkampfauftakt Anfang Januar. Nach der Wahl wurde der 50-jährige kommunalpolitische Quereinsteiger aus Neufarn bei Anzing in Waldkraiburg nicht mehr allzu oft gesehen.

CSU-Stadtrat Wolfgang Nadvornik fällt weiter durch Abwesenheit auf. Seit den Wahlen im Mai hat er nur eine einzige Stadtrats- oder Ausschusssitzung besucht. In der jüngsten Stadtratssitzung fehlte er erstmals unentschuldigt. Zum Ärger seiner Fraktion und Partei.

Als am Dienstag die Stadtratssitzung zu Ende ging, stand einigen Mitgliedern der CSU-Fraktion der Ärger noch ins Gesicht geschrieben. Anlass war keine harte Auseinandersetzung mit anderen Fraktionen, Auslöser war einer Ihren, der an diesem Abend gar nicht da war. Wieder mal fehlte CSU-Stadtrat Wolfgang Nadvornik, „unentschuldigt“, wie Bürgermeister Robert Pötzsch anfangs der Sitzung mitteilte.


Rätselraten in Fraktion und Stadtrat

Ob der 50-Jährige die Sitzung „geschwänzt“ hatte oder aber einen triftigen Grund, nicht zu kommen, keiner wusste es. Auch am Tag danach konnte dazu weder die Stadtverwaltung noch die Fraktionsspitze Auskunft geben. Nadvornik war weder telefonisch noch per Mail zu erreichen.


Es bleibt also dabei: Seit den Kommunalwahlen im Mai hat der Ex-Bürgermeisterkandidat der CSU nur an einer Stadtratssitzung teilgenommen. Im Juli war das. Damals wurde er nachträglich als Stadtrat vereidigt. In den Sitzungen der Ausschüsse, in denen er Mitglied ist, war er bislang noch nie anwesend.

Bisher berufliche Gründe für seine Absenzen angegeben

Zuletzt fehlte der Stadtrat, der in Neufarn bei Anzing wohnt, im Werkausschuss Ende November. Im Kultur- und Sportausschuss Anfang Dezember kam es wohl nur deshalb zu keiner Absenz, weil diese Sitzung abgesagt wurde. Insgesamt fehlte er seit Mai in acht von neun Stadtrats-, beziehungsweise Ausschusssitzungen.

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Nadvornik kommentiert für den Sender Eurosport unter anderem internationale Tennisturniere, die sich wegen der Corona-Krise in diesem Sommer und Frühherbst konzentrierten. Bislang hatte der Sportmoderator seine Abwesenheit damit begründet, dass er deshalb beruflich verhindert sei.

Was die Gemeindeordnung dazu sagt

Das lässt die Gemeindeordnung zu. Das Regelwerk verpflichtet zwar gewählte Mandatsträger, an den Sitzungen und Abstimmungen teilzunehmen, erlaubt aber gleichzeitig das Fernbleiben aus triftigen und nachvollziehbaren beruflichen, privaten oder anderen Gründen. Unentschuldigtes Fehlen kann mit einem Ordnungsgeld sanktioniert werden.

Trotzdem Anspruch auf Aufwandsentschädigung

Sitzungsgelder erhält der Mandatsträger in diesem Fall natürlich nicht. Auf seine Aufwandsentschädigung als Stadtrat – in Waldkraiburg sind das 150 Euro monatlich – hat er allerdings Anspruch. Im Oktober hatte Nadvornik gegenüber den OVB-Heimatzeitungen angekündigt, an den nächsten Sitzungen wieder teilnehmen zu können und zu wollen. Warum er am Dienstag doch nicht erschien, weiß auch Karl Heinz Stocker nicht. Der Ortsvorsitzende und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU hatte im Auftrag von Fraktion und Partei damals das Gespräch mit Nadvornik gesucht.

Ortsvorsitzender: Das wirft kein gutes Licht auf uns

Ein Fernbleiben aus beruflichen Gründen sei das gute Recht des Stadtrats, so Stocker. „Ich bitte aber darum, dass er an den Sitzungen teilnimmt wegen des Mandats, dass er nun mal angenommen hat.“ Er macht sich Sorgen, dass Nadvorniks häufige Absenzen dem Image der CSU-Stadtratsfraktion und dem Waldkraiburger Ortsverein insgesamt schaden. „Das wirft kein gutes Licht auf uns.“ Der Ortsvorsitzende hätte sich eine öffentliche Äußerung und Klärung von Nadvornik erwartet.

Fraktionsvorsitzender reagiert verärgert

Fraktionsvorsitzender Anton Sterr hatte schon im Oktober verärgert auf das Verhalten des neuen Stadtratskollegen reagiert. Sterr: „Nächste Woche ist die nächste Stadtratssitzung. Schauen wir, was da passiert.“ Die Fraktion habe kaum Möglichkeiten, auf ihr Mitglied einzuwirken. „So lange er sich mit triftigem Grund entschuldigt, ohnehin nicht“, so Sterr.

Ehemaliger Stadtrat: So kann das nicht weitergehen

„So kann es jedenfalls nicht weiter gehen“, sagt Georg Ledig, der lange selbst für die CSU im Stadtrat saß und am Dienstag in der Sitzung war, weil er für seine ehrenamtliche Tätigkeit bei Vereinen und in der Kommunalpolitik von der Stadt geehrt wurde.

Das Verhalten Nadvorniks sei „nicht in Ordnung“, kritisiert Ledig, der noch immer dem CSU-Ortsvorstand angehört. Der ehemalige Stadtrat denkt auch an die die politischen Folgen. „Sollte eine Abstimmung einmal Spitz auf Knopf stehen, fehlt der CSU eine Stimme.“

Wie die Stadt auf das unentschuldigte Fernbleiben reagiert, blieb am Mittwoch offen. Man werde die Angelegenheit prüfen, so Stefan Süße von der Hauptabteilung im Rathaus.

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