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„Zuhause lernen ist doof“

Schule nach einer Woche wieder zu: Waldkraiburger Erstklässlerin schreibt Brief an Regierung

Groß war die Freude, als Milena nach wochenlangem Homeschooling wieder in die Schule durfte. Um so größer die Enttäuschung, als nach nur wenigen Tagen die Grundschulen wieder schließen mussten. Ihrem Ärger ließ sie in einem Brief an die deutsche Regierung freien Lauf.
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Groß war die Freude, als Milena nach wochenlangem Homeschooling wieder in die Schule durfte. Um so größer die Enttäuschung, als nach nur wenigen Tagen die Grundschulen wieder schließen mussten. Ihrem Ärger ließ sie in einem Brief an die deutsche Regierung freien Lauf.

„Ich bin jetzt echt traurig“ – mit den eindringlichen Worten einer Erstklässlerin wendet sich Milena Hanisch an die deutsche Regierung. Denn dass nach nur einer Woche die Grundschulen im Landkreis Mühldorf erneut schließen, kann sie nicht verstehen. Deshalb hat die Siebenjährige einen Brief geschrieben.

Waldkraiburg – Die Worte zu Papier gebracht, hat natürlich ihre Mama Anja Hanisch. So schnell wie der Ärger über die erneute Schulschließung aus ihr herausgesprudelt sei, in dem Tempo hätte sie noch nicht schreiben können. Milena geht seit September in die erste Klasse, sie ist erst gerade dabei, Lesen und Schreiben zu lernen.

Plus und Minus rechnen bis 10, die nächsten Buchstaben des Alphabets kennenlernen und unbekannte Silben aneinanderreihen – all das hat Milena in den vergangenen Wochen mithilfe ihrer Eltern und Großeltern gelernt und weiter vertieft. Umso größer die Freude, als sie vergangene Woche zumindest jeden zweiten Tag endlich wieder zurück ins Klassenzimmer durfte.

Schwierige Situation im Homeschooling

„Das war so eine schöne erste Woche. Endlich habe ich wieder was in der Schule gelernt“, sagt Milena. Blöd sei es nur gewesen, dass jeder allein in der Schulbank sitzen musste. Sei‘s drum, viel wichtiger war, dass sie ihre Schulfreunde und Lehrerin wieder gesehen hat. Auch die Hausaufgaben waren plötzlich kein Thema mehr. „Milena hat wieder viel lieber ihre Hausaufgaben gemacht und hat sich auch mehr bemüht. Zuletzt ist es im Homeschooling immer schwieriger geworden, sie zu motivieren“, sagt ihre Mama Anja Hanisch.

Doch der Schulbesuch war nur ein kurzes Gastspiel: Nach knapp einer Woche waren die Grundschulen vorerst wieder geschlossen. Die Öffnung der Grundschulen ist nämlich an den Inzidenzwert gekoppelt, sobald dieser über 100 liegt, schließen die Grundschulen. Erst wenn er unter 100 fällt, geht es zurück ins Klassenzimmer.

Vor kommenden Montag wird das aber nichts. Der Inzidenzwert im Landkreis lag am Donnerstagmorgen bei 104,4, ihr erstes Zwischenzeugnis muss sich Milena heute deshalb mit ihrer Mama Anja an der Graslitzer Grundschule abholen, wozu den Eltern ein kurzes Zeitfenster eingeräumt wird. „Ich war richtig traurig. Das ist echt blöd, wenn die Schule zu ist“, sagt Milena. Verstehen kann sie es nicht, schließlich habe sich doch keiner in der Schule angesteckt, alle würden Maske tragen und Abstand halten.

Schule gibt Rhythmus vor

Die Enttäuschung der Erstklässlerin ist groß. Deshalb wollte sie sich beschweren und hat ihrer Mama einen Brief diktiert, adressiert an die deutsche Regierung. „Es ist richtig aus ihr herausgesprudelt“, sagt Anja Hanisch. Ihre Mama lässt sie schreiben, dass sie gern in die Schule gehe, weil ihr dort alles erklärt werde, was sie in der ersten Klasse lernen sollen. Zuhause sei das doof. „Wieso macht ihr das? Kinder sind auch Menschen.“ Sie vermisse ihre Freunde und ihre Lehrerin, gleichzeitig hätte ihre Mama weniger Zeit für sie, weil sie mit ihr Schule machen müsse.

Ein kleines, grimmiges Monster ziert den Brief, den Milena ihrer Mama diktiert hat.

Das Homeschooling hat sich die Alleinerziehende mit Großeltern und dem Papa von Milena in den vergangenen Wochen zwar gut aufgeteilt, aber: „Milena musste sich immer wieder neu darauf einstellen, weil jeder die Lerninhalte anders erklärt“, sagt Anja Hanisch. Die Schule gebe ihrer Tochter einen Rhythmus.

Direkt an die deutsche Regierung in Berlin hat Anja Hanisch den Brief nicht geschickt, aber an Landrat Max Heimerl. Der hatte selbst noch am Wochenende in einem offenen Brief an Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek um eine Ausnahmegenehmigung für den Landkreis gebeten.

„Das Auf und Zu der Schulen und Kitas bereitet allen Beteiligten große Schwierigkeiten. Eltern, deren Arbeitgeber und Lehrer brauchen dringend Planungssicherheit“, sagt Heimerl auf Nachfrage. Die Kinder bräuchten die so wichtigen sozialen Kontakte, die auch aus Sicht des Infektionsschutzes an den Schulen unter sehr guten hygienischen Rahmenbedingungen und mit den regelmäßigen Schnelltests sicher stattfinden können.

Direkt an Milena adressiert sagt Heimerl: „Ich habe mich über Deinen Brief sehr gefreut, auch wenn er traurig wirkt. Ich verspreche Dir, dass ich mich weiter dafür einsetze, dass auch Deine Schule bald wieder öffnen kann und auch offen bleibt.“

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