Psychische Probleme und Arbeitsüberlastung

Rezepte für Antidepressiva gefälscht: Eineinhalb Jahre auf Bewährung für Waldkraiburgerin

Wegen psychischer Probleme und Arbeitsüberlastung hat eine 41-jährige Waldkraiburgerin Antidepressiva genommen. Als ihr die verschriebenen Mengen nicht mehr reichten, fälschte sie die Rezepte.
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Wegen psychischer Probleme und Arbeitsüberlastung hat eine 41-jährige Waldkraiburgerin Antidepressiva genommen. Als ihr die verschriebenen Mengen nicht mehr reichten, fälschte sie die Rezepte.

Sie war bereits einschlägig vorbestraft, doch das hielt eine Waldkraiburgerin nicht davon ab, Rezepte zu fälschen und sich auf diese Weise Antidepressiva zu beschaffen. Jetzt stand die 41-jährige Frau in Traunstein vor Gericht.

Traunstein/Waldkraiburg – Eine einschlägig vorbestrafte 41-Jährige aus Waldkraiburg hat wegen psychischer Probleme und Arbeitsüberlastung ein Antidepressivum genommen. Weil Ärzte nicht die gewünschten Mengen verschrieben, fälschte sie mehrfach Rezepte und ließ sie über eine Bekannte einlösen. Das Schöffengericht Traunstein mit Richter Thilo Schmidt verhängte jetzt eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung.


Außerdem bekam die Frau eine separate Geldstrafe von 120 Tagesssätzen zu je 260 Euro, somit von insgesamt 31 .200 Euro – wegen einer Fahrt ohne Führerschein und Fahrerlaubnis.

In die Freiheitsstrafe bezog das Gericht eine Vorstrafe des Amtsgerichts Mühldorf vom Mai 2019 ein. Bei den jetzt angeklagten Taten stand die 41-Jährige noch unter offener Bewährung. Sie hatte sich Vordrucke aus dem Internet heruntergeladen und Daten von praktizierenden Ärzten eingefügt.


Mit falschen Rezepten in heimische Apotheken

Hatte sie die gefälschten Rezepte laut Mühldorfer Urteil zunächst selbst eingelöst, so bediente sie sich nach der Verurteilung in Mühldorf einer 22-jährigen Bekannten. Diese präsentierte die „Rezepte“ von Ärzten in Burgkirchen und Mühldorf in Apotheken in Aschau, Waldkraiburg, Mühldorf und Burghausen – teils mit, teils ohne Erfolg.

Mittäterin zu Haft auf Bewährung verurteilt

Die Straftaten endeten mit der Festnahme der Mittäterin in Waldkraiburg Ende Juli 2019 kurz vor der Übergabe von acht Tablettenpackungen an die 41-Jährige auf einem Parkplatz. Die junge drogenabhängige Frau wurde später vom Schöffengericht Traunstein zu einer Haftstrafe mit Bewährung verurteilt. Zwischenzeitlich wurde die Bewährung widerrufen.

Mehrmals ohne Fahrerlaubnis erwischt

In dem aktuellen Prozess ging es noch um Schwarzfahrten der 41-Jährigen mit dem Auto. Sie war von der Polizei mehrmals ohne Fahrerlaubnis erwischt worden. Verteidiger Dr. Adam Ahmed aus München hatte am ersten Prozesstag zusätzliche Zeugen gewollt, die am zweiten Verhandlungstag alle wieder ungehört entlassen wurden.

Der Grund: Staatsanwalt Nils Wewer hatte beantragt, alles bis auf eine „Schwarzfahrt“, bei der die Angeklagte zwei Mal drei Kilometer zu ihrem verletzten Sohn gefahren war, einzustellen. Dem folgte das Gericht.

Der Ankläger plädierte wegen der gefälschten Rezepte unter Einbeziehung der Mühldorfer Entscheidung von 2019 auf eine Gesamtstrafe von zwei Jahren mit Bewährung sowie eine Bewährungsauflage von 2.000 Euro, die einer Suchthilfeeinrichtung zufließen sollte. Für die Fahrt ohne Fahrerlaubnis zum Sohn sei eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 200 Euro erforderlich.

Verteidiger: Erheblich eingeschränkte Schuldfähigkeit

Der Verteidiger verwies auf die möglicherweise erheblich eingeschränkte Schuldfähigkeit der 41-Jährigen wegen der Medikamentensucht. 18 Monate Strafe mit Bewährung sollten die Obergrenze für die Urkundenfälschungen sein. Die 120 Tagessätze für die Autofahrt seien zu hoch, 60 Tagessätze à 200 Euro ausreichend: „Insgesamt 12 .000 Euro – das entspricht fast zwei Monatseinkünften meiner Mandantin.“

Im „letzten Wort“ bedankte sich die Angeklagte für die vom Staatsanwalt geforderte Bewährungschance: „Ich war in einer extremen Situation.“

Fünf Fälle von Urkundenfälschung

Das Schöffengericht fasste die elf nachgewiesenen Rezepte, teils mehrere an einem Tag, im Urteil zu fünf Fällen der Urkundenfälschung zusammen. Richter Thilo Schmidt hielt angesichts des psychiatrischen Gutachtens eine Strafrahmenmilderung für angebracht. Für die 41-Jährige wertete er das unumwundene Geständnis von Beginn an und den damaligen Suchtdruck. Die Angeklagte habe das Medikament früher schon verschrieben bekommen und versuche inzwischen, davon ganz die Finger zu lassen. Die Medikamente aus den Privatrezepten habe sie aus eigener Tasche bezahlt. Dem setzte der Vorsitzende die einschlägige Vorverurteilung entgegen.

Für Schwarzfahrt 31 .200 Euro Geldstrafe

Die Fahrt ohne Fahrerlaubnis sei nur kurz und innerörtlich gewesen, fuhr der Richter fort. Trotz der besonderen Umstände mit dem Sohn dürfe diese Tat aber nicht bagatellisiert werden. Auch in diesem Punkt sei die 41-Jährige schon vorbestraft. Thilo Schmidt betonte: „Unter 120 Tagessätzen konnte diese Fahrt nicht geahndet werden.“

Bei der Höhe des Tagessatzes habe das Gericht eine Mischkalkulation vorgenommen – aus Einkünften vor und während der Corona-Pandemie. Von einer „ganz krassen Ausnahme“ sprach der Richter bezüglich einer nochmaligen Bewährung: „Das ist das aller, aller, aller letzte Mal.“ Auf eine Geldauflage habe das Gericht verzichtet, die 120 Tagessätze aus der Schwarzfahrt seien durch die Tagessatzhöhe betragsmäßig schon sehr hoch.

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