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Film über Ort für Holocaust-Überlebende

Regisseurin Tanja Cummings stellt im Waldkraiburger Kino „Das Zelig“ vor

Natan Grossmann und Henry Gutmensch (von links) hören alte jüdische Lieder.
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Natan Grossmann und Henry Gutmensch (von links) hören alte jüdische Lieder.

In Kooperation mit dem Geschichtszentrum und Museum Mühldorf am Inn zeigte der Verein „Für das Erinnern – KZ-Gedenkstätte Mühldorfer Hart“ im Kino Cinewood den Dokumentarfilm „Das Zelig“. Das ist ein Raum im Cafe Einstein, einmal die Woche gemietet für die Überlebenden der Nazi-Gräuel an Juden.

Waldkraiburg – In einer Kooperation mit dem Geschichtszentrum und Museum Mühldorf am Inn zeigte der Verein „Für das Erinnern – KZ-Gedenkstätte Mühldorfer Hart“ im Kino Cinewood den Dokumentarfilm „Das Zelig“. Rita Herdegen-Hümmrich, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft ‚Bildung‘ im Verein für das Erinnern hatte die Idee zu diesem Projekt gehabt. Mit dabei war die Regisseurin Tanja Cummings, die eine der Protagonistinnen des Films mitgebracht hatte, Brigitte Bukszpan, die Tochter des Holocaust-Überlebenden Chaim Bukszpan. Er ist im Herbst 2020 gestorben.

Worum geht es in dem Film „Zelig“? Tanja Cummings zeigt Holocaust-Überlebende, anfangs entweder in ihren privaten Räumlichkeiten oder im Cafe Zelig, das es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Dahinter verbirgt sich das Restaurant ‚Einstein‘ am Jakobsplatz in München, wo auch die neue Synagoge „Ohel Jakob“steht. Das ‚Cafe Zelig‘ ist ein Raum in diesem Cafe, einmal die Woche gemietet für die Überlebenden der Nazi-Gräuel an Juden.

Henry Gutmensch mit Enkel und Urenkel.

Das Café Zelig ist kein bedrückender Ort. Er ist lebendig und nicht selten von Fröhlichkeit geprägt. Das Wort „Zelig“ geht auf das jiddische Wort für „gesegnet“ zurück, spielt aber auch auf Gefühle von Heimat, Zugehörigkeit und Leichtigkeit an. Im Café Zelig wird viel gelacht, gefeiert, politisch gestritten und auch getrauert. Der Film nähert sich seinen Protagonisten auf sensible Weise und lässt erahnen, wie schwer es für die Überlebenden war, wieder ins Leben zu finden – in Deutschland, im Land der Täter, in dem sie dennoch Wurzeln schlugen.

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Natan Grossmann steht am Anfang des Films, in seiner Wohnung singt er die heimliche Hymne des Warschauer Gettos: „Sage niemals, dass du gehst den letzten Weg“. Er war in einem jüdischen „Schtetel“, einem Ort mit einem hohen Anteil an jüdischer Bevölkerung, in der Nähe von Lodz aufgewachsen, kam in das Konzentrationslager Litzmannstadt, das er überlebt hat.

Regisseurin Tanja Cummings.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er in einem Kibbuz in Israel. Die Sabres, in Israel geborene Juden, bedrängten ihn mit der Frage: „Warum habt ihr euch gegen die Nazis nicht gewehrt?“, was oft zu Streit führte. Der Film gibt die Antwort, die Juden wehrten sich nicht gegen die industrielle Vernichtung eines ganzen Volkes, weil es kein Beispiel für diese unvorstellbare Tat gegeben hat, weil man sich die totale Vernichtung des eigenen Volkes nicht vorstellen konnte.

Gegenwart und Vergangenheit geschickt gemischt

Im Film sieht man ihn, wie er nach Lodz zurückkehrt und kaum mehr etwas wiedererkennt nach 80 Jahren. Geschickt zeigt Tanja Cummings immer wieder Elemente aus der Gegenwart, in Lodz zum Beispiel Jugendliche, die auf der Straße rappen.

Ein weiteres eindringliches Beispiel bringt Theresa zu Gehör. Sie kam als Baby in ein Kloster, als ihre jüdische Mutter in ein Konzentrationslager verschleppt wurde. Die barmherzigen Nonnen versteckten Theresa und andere jüdische Kinder in einem Hohlraum vor den Schergen der Nazis. Theresa hat so überlebt. Sie hat das Nonnenkloster besucht, mit Ordensschwestern gesprochen, die damaligen Aufzeichnungen eingesehen, die ihre Zeit im Kloster beschrieben.

Im Cafe Zelig überlegt, mit wem man in die Vergangenheit reisen könnte

Anschließend hatte das Publikum die Möglichkeit, mit der Regisseurin Tanja Cummings und Brigitte Bukszpan ins Gespräch zu kommen. Warum hat Tanja Cummings diesen Film gemacht? Sie hatte mit Natan Grossmann bereits einen Film gedreht, es ging darin um das Getto in Lodz und die Suche nach seinem Bruder. Er hatte ihr vom Cafe Zelig erzählt, sie solle einmal dorthin hingehen, sie würde interessante Leute treffen. Tanja Cummings: „Ich bin mit meinem Kameramann hingegangen, es gab kein Drehbuch. Wir schauten uns um und überlegten, mit wem wir sprechen oder in die Vergangenheit reisen könnten“.

Helga Verleger, aus Berlin stammend, bei einer Feier im Cafe Zelig.

Bleibt das Cafe Zelig auch, wenn es keine Holocaust-Überlebende mehr gibt? Tanja Cummings: „Die jüdische Gemeinde finanziert das Cafe, spendiert Kaffee und Kuchen. Wir mussten uns auch mit dem Film beeilen, weil es immer weniger Juden gibt, die den Holocaust überlebt haben. Es leben nur mehr drei ganz alte Überlebende, einer wurde nun in ein Altersheim in Augsburg gebracht“.

Spannend und voller Emotionen

Brigitte Bukszpan: „Das Cafe Zelig war ursprünglich ausschließlich für Überlebende des Holocaust gedacht. Es gibt das Cafe erst seit fünf Jahren, was reichlich spät ist. Seine Zukunft ist noch offen.“

Franz Langstein, Vorsitzende des Vereins ‚Für das Erinnern‘ meinte zum Schluss: „Es war spannend und lebendig, voller Emotionen.“ Er und Korbinian Engelmann, Leiter des Geschichtszentrums Mühldorf, überreichten Tanja Cummings und Brigitte Bukszpan Rosen.

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