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Bildungswochen des Kreisjugendrings Mühldorf in Waldkraiburg

Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen: Bislang nur die Spitze des Eisbergs

Zwei Ausstellungen des bayerischen Gesundheitsministeriums zu Depression und psychischen Krankheiten runden die Bildungswochen des Kreisjugendrings ab.
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Zwei Ausstellungen des bayerischen Gesundheitsministeriums zu Depression und psychischen Krankheiten runden die Bildungswochen des Kreisjugendrings ab.

Immer mehr Kinder und Jugendliche haben Depressionen und psychische Erkrankungen; auch im Landkreis. Corona, Lockdown und Isolation haben diesen Trend verschärft. Der Kreisjugendring Mühldorf macht daher auf das Thema aufmerksam.

Waldkraiburg – „Ich war wie ein Roboter. Nach außen hin war ich perfekt; innerlich war ich leer.“ So beschreibt die 25-jährige Studentin Lena ihre Depression. Während ihre Worte aus den Lautsprechern in der abgedunkelten Schenkerhalle kommen, erscheint ein Bild eines Roboters mit rotem Kopf auf der Leinwand. Lena hat es während ihrer Therapie gemalt.

Mit Lena und ihrer Leidensgeschichte hat der Kreisjugendring Mühldorf seine Bildungswochen „Nur mies drauf ?!? – Psychische Gesundheit und Depression“ eröffnet.

Immer mehr Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Unter dem Motto „Nur mies drauf?!?“ macht der KJR bis Mitte Mai auf Depression und psychische Erkrankungen aufmerksam. Denn immer mehr Kinder und Jugendliche sind davon betroffen. Zwischen 2009 und 2019 hat sich die Zahl von Kindern und Jugendlichen, die an Depression erkrankt sind, nach Zahlen der Krankenversicherung KKH nahezu verdoppelt. Auch Anpassungsstörungen (+72 Prozent), Burnout (+54,7 Prozent), Angst- (+45 Prozent) und Essstörungen (+13 Prozent) nehmen hier seit Jahren zu.

Die Corona-Pandemie mit Lockdown und Isolation hat diesen Trend noch einmal verstärkt. Laut Kinder- und Jugendreport der DAK sind alleine 2020 acht Prozent mehr 15- bis 17-Jährige an Depressionen erkrankt als 2019. Ein Trend, den die pädagogische Mitarbeiterin des KJR, Manuela Christ-Gerlsbeck, für den Landkreis bestätigt: „Wir hören immer öfter, dass es schwer ist, die Kinder wieder zu aktivieren. Es gibt Jungs, die waren früher immer auf dem Fußballplatz; die sind jetzt nicht mehr zu erreichen und weg.“

Zwei Jahre Jugend gestohlen

„Corona hat eine Menge Spuren hinterlassen und die psychische Gesundheit der Kinder hat massiv gelitten“, so KJR-Geschäftsführerin Andrea Lübben, die zusammen mit der KJR-Vorsitzenden Veronika Schneider zum Auftakt zahlreiche Kommunalpolitiker und Mandatsträger aus Waldkraiburg und dem Landkreis begrüßen konnte.

„Mir sind zwei Jahre meiner Jugend gestohlen worden“, zitierte Bürgermeister Robert Pötzsch seine 18-jährige Tochter. „Die Jugend ist eine Zeit des Aufbruchs. Es sollte eine Zeit der neuen Freiheit und Unbeschwertheit sein“, so die stellvertretende Landrätin Ilse Preisinger-Sontag. Eine Zeit, in der die Heranwachsenden auch neue Grenzen austesten können.

Jeder hat mit Kindern und Jugendlichen zu tun

Der KJR möchte mit den Bildungswochen Kinder, Jugendliche, Betroffene, Freunde und Familien, Lehrer, Eltern, Übungsleiter und Trainer für das Thema sensibilisieren. Also eigentlich jeden. Denn, so Lübben: „Fast jeder hat in einer Form mit Kindern und Jugendlichen zu tun.“

Niederschwellige Angebote sollen den Einstieg erleichtern: Vorträge und Workshops (siehe Kasten) sowie zwei Ausstellungen des Bayerischen Gesundheitsministeriums: die „LebensBilderReise“, in der Bilder und Texte von Betroffenen zu sehen sind, die im Rahmen ihrer Therapie entstanden sind. Sowie die Ausstellung „Kindersprechstunde“. Hier erzählen Kinder in ihren Worten und Bildern von den „Heul- und „Schimpfkrankheiten“ ihrer Eltern, von ihren Ängsten aber auch von ihrer Freude, wenn Papa heimkommt und wieder lacht und spielt.

Enttabuisieren und hellhörig machen. Das sind Ziele der Bildungswochen. „Ich bin überzeugt, dass das derzeit nur die Spitze des Eisbergs ist“, warnte Bürgermeister Pötzsch. „Wir werden uns die nächsten Monate und Jahre mit dem Thema beschäftigen müssen.“ Dem stimmt KJR-Pädagogin Christ-Gerlsbeck zu: „Das spitzt sich gerade zu.“ Sie freut sich, dass sich bereits zwölf Schulklassen für einen Besuch angemeldet haben.

Aufmerksam sein und Mut machen

Die Ausstellungen machen aber auch Mut. Denn sie zeigen auch, dass Depressionen und psychische Erkrankungen heilbar und in den Griff zu bekommen sind – wie bei Lena. Sie fand einen Weg aus der Dunkelheit heraus, kam zu einer neuen Lebenseinstellung („Ich muss nicht alles perfekt machen.“) und konnte am Ende ein Bild malen, in dem das rote Feuer der Depression zunehmend zurückgedrängt wird.

Das Programm:

Das 14-tägige Programm der Bildungswochen wird am 3. Mai um 19 Uhr mit einem Vortrag zu „Integration und psychische Gesundheit im Kontext Migration und Flucht“ fortgesetzt. Am Donnerstag, 5. Mai, folgt um 19 Uhr ein Vortrag von Dr. Thomas Schunk über „Kinder- und Jugendpsyichiatrische Krankheitsbilder und Auswirkungen der Pandemie“. Am Samstag, 7. Mai, hält Anita Kroiß ab 14 Uhr den Workshop „Gut drauf durch Bewegung“. „Innere Ruhe in herausfordernden Zeiten“ ist am Dienstag, 10. Mai, ab 19 Uhr das Ziel der Medidation und der praktischen Übungen mit Barbara Graml. Gabriele Blechta und Eva Buzek-Eckl sprechen am Donnerstag, 12. Mai, um 19 Uhr über „Jugendliche gefragt: Was bewegt Euch in dieser belastenden Zeit?“. Der Workshop „Iss dich glücklich – Powerfood“ mit Beate Ballasch und Michele Kayabas bildet am Samstag, 14. Mai, ab 14 Uhr den Abschluss der Bildungswochen des KJR. Alle Veranstaltungen finden in der Waldkraiburger Schenkerhalle, Braunauer Str. 4, statt.

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