Prozess um Anschläge von Waldkraiburg

Haftbefehl aufgehoben, einstweilige Unterbringung angeordnet

Muharrem D. (2. v. l.) zeigte sich am ersten Verhandlungstag am Oberlandesgericht München geständig.
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Der Haftbefehl von Muharrem D. (2. v. l.) wurde vom Oberlandesgericht München vorerst aufgehoben. Ab sofort ist der Angeklagte in einer Spezialklinik in Haar untergebracht.

Die große Nachricht erfolgte eigentlich erst nach dem siebten Verhandlungstag am Freitag, 26. März, am Oberlandesgericht in München im Prozess um die Anschläge von Waldkraiburg. Der Haftbefehl von Muharrem D. (26), der sich u.a. wegen versuchten Mordes verantworten muss, wurde vorübergehend aufgehoben. Ab sofort wird der 26-Jährige in einer psychischen Klinik untergebracht.  

München/Waldkraiburg – Nach der Hauptverhandlung am 26. März hat das Oberlandesgericht München über den Antrag einer einstweiligen Unterbringung der Verteidigung beraten und diesem stattgegeben. Dies könne sich aber laut dem Gericht jederzeit wieder ändern. Die Vorsitzenden mussten sich zunächst erst noch einen Eindruck vom Angeklagten verschaffen, ehe sie den Haftbefehl aufheben wollten. Auch der Sachverständige plädierte dafür.

Prozess um Anschlagsserie in Waldkraiburg: Haftbefehl aufgehoben, einstweilige Unterbringung angeordnet

Der Angeklagte Muharrem D. wird ab sofort in einer speziellen Klinik in Haar untergebracht. Zwar würde der 26-Jährige bereits Medikamente erhalten, doch in dieser Einrichtung könne er laut seinem Verteidiger Christian Gerber eine bessere Therapie in Anspruch nehmen. Zuletzt saß der Angeklagte in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim.

Zuvor berichtete der Hauptspurensachbearbeiter der Kriminalpolizei von den Ermittlungen der vier Anschläge gegen die türkischstämmige Geschäfte in Waldkraiburg. Mehr als 45 Kilogramm Sprengstoff seien von der Polizei nach der Festnahme des Angeklagten sichergestellt worden. Zehn fertige Rohrbomben sowie weitere 20 Hülsen wären laut dem Beamten zudem in seinem Auto gefunden worden.

Drogen, Waffe, Sprengstoff, Chemikalien

Da es zu unsicher war, diese große Menge an Sprengstoff zu verwahren, wurde dieser von einer speziellen Firma gesprengt. „Die Kollegen staunten nicht schlecht über die Wucht der Explosion“, erinnerte sich der Beamte, der bei der Sprengung auch vor Ort war. Zusätzlich seien bei mehreren Durchsuchungen noch diverse Chemikalien, Spiritus, Grillanzünder, eine Waffe und Marihuana gefunden worden.

Besonders die Chemikalien, der Spiritus und der Grillanzünder könnten mit den Taten in Verbindung gebracht werden. Beim großen Brandanschlag am Sartrouville-Platz hätte das Brandgutachten eben genau diese Brandbeschleuniger festgestellt. Bereits vor der Festnahme wäre es klar gewesen, dass es sich hierbei um vorsätzliche Brandstiftung gehandelt habe. Eine Spur, die ein rechtsradikales Motiv vermuten ließ, wäre von der Polizei verfolgt worden. „Die Durchsuchung ergab jedoch keinerlei Anzeichen für die Tat“, so der Beamte.

Stinkende Flüssigkeit unerträglich

Und auch die Chemikalien könnten der stinkenden Flüssigkeit zugeordnet werden, die bei den anderen Angriffen verwendet wurden. Beim Kebab-Laden war der Beamte selbst vor Ort. „Der Gestank war unerträglich. Mich hat es selbst gewürgt“, schildert der Polizist. Das Tatbild sei aber in allen drei Fällen vergleichbar. Überall wurde mit einem Stein hineingeworfen und anschließend die stinkende Flüssigkeit verteilt.

Am letzten Tatort hat die Polizei laut den Ausführungen zudem einen Spürhund eingesetzt. Die Fährte führte bis zum Bahnhof. Wie sich nach der Festnahme herausstellte, liegt die Wohnung des Angeklagten in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Generell würden auch die Angriffsziele relativ nah zusammen liegen.

Mit den Ausführungen des Polizisten, dem einzigen Zeugen an diesem Tag, endete der erste Block der über angesetzten 40 Verhandlungstage. Fortgesetzt wird die Hauptverhandlung am Donnerstag, den 15. April.

jz

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