Pressekonferenz der Polizei im Video

Anschläge von Waldkraiburg: Täter ist IS-Anhänger und plante Bomben-Terror!

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In der Nacht auf Montag, 27. April, brannte in Waldkraiburg ein türkischer Gemüseladen aus. Sechs Menschen wurden verletzt. Der 25-jährige Täter plante aber noch weitere, viel schlimmere Attentate und Anschläge. 

Waldkraiburg/Rosenheim - Jetzt wird die ganze Dimension ersichtlich: Beim Täter (25) der Anschläge in Waldkraiburg handelt es sich um einen IS-Anhänger. Er hortete insgesamt 23 Rohrbomben, 30 Kilo Chemikalien und eine Waffe. "Wir konnten Schlimmeres verhindern", so die Polizei.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE:


  • Polizei nimmt IS-Anhänger am Bahnhof Mühldorf fest
  • 25-Jähriger wohl für Anschlagsserie in Waldkraiburg verantwortlich
  • Weitere Taten wohl bereits in Planung
  • Polizei stellt bei Großeinsätzen 23 Rohrbomben und 30 Kilo Sprengstoff sicher
  • Verdächtiger bezeichnete sich selbst als "Bombenleger von Waldkraiburg"
  • Haftbefehl unter anderem wegen versuchten 27-fachen Mordes

Update, 15.06 Uhr - Pressebericht des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd

Nach der schweren Brandstiftung in der Waldkraiburger Innenstadt in den frühen Morgenstunden des Montags, den 27. April 2020, wurde bei der Kriminalpolizeistation Mühldorf am Inn die Sonderkommission „Prager“ ins Leben gerufen. Die Sachleitung hat die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft München. Nun wurde gegen einen 25-jährigen Mann Haftbefehl wegen versuchten Mordes, Brandstiftung, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung in drei Fällen erlassen.


Seit Dienstag, dem 28. April 2020, ermittelt die SOKO „Prager“ unter der Leitung von Kriminaldirektor Hans-Peter Butz zu der Anschlagsserie gegen türkischstämmige Gewerbetreibende im Stadtgebiet Waldkraiburg.

Rohrbomben im Gepäck

Am Freitagabend, 8. Mai 2020, wurde ein 25-jähriger Mann am Bahnhof in Mühldorf am Inn von einer Streife des Bundespolizeireviers Mühldorf kontrolliert, da er zuvor eine Regionalbahn ohne gültiges Zugticket benutzt hatte. Im Rahmen der genaueren Überprüfung stießen die Polizisten im Gepäck des Mannes auf mehrere zündfähige Rohrbomben.

Daraufhin wurde das Bahnhofsgelände sofort evakuiert und weiträumig abgesperrt. Gegen 22 Uhr wurde die Gesamteinsatzleitung vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd übernommen. Alarmierte Spezialkräfte der Bundespolizei sicherten die Rohrbomben und sorgten für eine gefahrlose Übergabe an die Technische Sondergruppe der Bayerischen Polizei. Gegen 4.30 Uhr wurde die Absperrung des Bahnhofs wieder aufgehoben.

In der Zwischenzeit wurde der, in Altötting geborene 25-jährige deutsche Staatsangehörige (Sohn türkischstämmiger Eltern), von den Kriminalbeamten der SOKO „Prager“ vernommen. Dabei räumte er ein, die Anschläge gegen die türkischen Gewerbetreibenden im Stadtgebiet von Waldkraiburg im Zeitraum zwischen dem 16. April 2020 bis zum 06. Mai 2020 begangen haben. 

In diesem Zeitraum wurden ein Friseursalon, eine Pizzeria und ein Kebaphaus mit Steinwürfen angegriffen. Besonders schwerwiegend war der Großbrand nach einem Brandanschlag in den frühen Morgenstunden des 27. April 2020 in einem Lebensmittelgeschäft am Waldkraiburger Sartrouville-Platz. 

Die im Gebäude anwesenden 27 Bewohner konnten in Begleitung der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden. Dabei wurden sechs Menschen verletzt, es entstand Sachschaden in Höhe von mehreren Millionen Euro

Zum Tatmotiv äußerte der Beschuldigte „Hass“ auf türkische Mitbürger im Zusammenhang mit seiner Anhängerschaft zum Islamischen Staat.

Weitere Rohrbomben in Wohnung und Auto

In seiner Vernehmung äußerte sich der Beschuldigte zu weiterem Sprengstoff, welcher sich in einem Auto in einer Tiefgarage in Garching an der Alz befinden würde. Außerdem gab er an, dass in seiner Wohnung in Waldkraiburg eine Waffe mit Munition, Schwarzpulver, Phosphor und andere verschiedene Stoffe vorhanden seien.

Aufgrund dieser Angaben wurden im Rahmen parallel laufender Einsatzmaßnahmen durch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Garching an der Alz, gegen 23.20 Uhr, zwei Gebäude vorsorglich evakuiert. Für die 24 betroffenen Personen wurde in einer Turnhalle eine vorübergehende Unterkunft bereitgestellt. Unter größten Sicherheitsvorkehrungen barg die Technische Sondergruppe des Bayerischen Landeskriminalamts unter anderem eine größere Anzahl weiterer Rohrbomben aus dem Auto und sorgte für deren gesicherten Abtransport. Gegen 4.45 Uhr konnten die evakuierten Bewohner in ihre Wohnungen zurückkehren.

Aus dem Gebäude in Waldkraiburg, in dem der 25-Jährige wohnte, sowie aus dem dortigen Nachbargebäude wurden gegen 3.30 Uhr ebenfalls 60 Personen vorsorglich evakuiert. Die Bewohner wurden vorübergehend im Feuerwehrhaus Waldkraiburg untergebracht.

Auch an dieser Örtlichkeit gingen die Spezialkräfte der Technischen Sondergruppe unter größtmöglichen Sicherheitsvorkehrungen vor. In der Wohnung des Beschuldigten konnte eine Pistole sowie weiteres Beweismaterial aufgefunden und sichergestellt werden. Die evakuierten Hausbewohner konnten am gestrigen Samstag, gegen 8 Uhr, nach Beendigung der polizeilichen Maßnahmen wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

SOKO „Prager“ und ZET ermitteln weiter

Auch nach der Festnahme des 25-jährigen Mannes werden die Ermittlungen bei der Sonderkommission „Prager“ in enger Zusammenarbeit mit der ZET bei der Generalstaatsanwaltschaft München mit Hochdruck fortgeführt. Insbesondere zur Motivlage des Mannes und zu den genauen Tatabläufen sind noch weitreichende Ermittlungen und Recherchen erforderlich. Außerdem sind weit über 150 gesicherte kriminaltechnische Spuren zu analysieren sowie äußerst umfangreichen Daten (u. a. aus Videoaufzeichnungen) und Zeugenaussagen akribisch auszuwerten.

Der Beschuldigte wurde noch am Samstag, den 09. Mai 2020, auf Antrag der Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bei der Generalstaatsanwaltschaft München dem zuständigen Ermittlungsrichter beim Amtsgericht München vorgeführt. 

Der Ermittlungsrichter erließ gegen den Beschuldigten Haftbefehl wegen versuchten Mordes in 27 Fällen, schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung sowie wegen Sachbeschädigung und ordnete Untersuchungshaft an. Der Beschuldigte befindet sich in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt.

Sicherheitsgefühl in Waldkraiburg verbessert

Mit der Festnahme des Tatverdächtigen dürfte sich das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in Waldkraiburg wieder spürbar verbessern. 

Polizeipräsident Robert Kopp: „Ich bin ausgesprochen erleichtert, dass diese feigen und niederträchtige Straftatenserie gegen türkischstämmige Mitbürger in Waldkraiburg nun beendet ist und von dem gefährlichen Täter keine Gefahr mehr ausgeht. Für mich steht fest, dass wir mit der Festnahme auch schwerste Straftaten verhindern konnten. Wie immer braucht es dabei auch das „Glück des Tüchtigen.“ Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen, die Polizei und Staatsanwaltschaft in den vergangenen Wochen unterstützt haben. Ein besonderer Dank gilt der türkischen Community von Waldkraiburg für das den Sicherheitsbehörden entgegengebrachte Vertrauen.“ 

Update, 14.24 Uhr - Landrat Max Heimerl dankt Polizei und Sicherheitsbehörden

Der Landrat für den Kreis Mühldorf, Max Heimerl (CSU), äußerte sich gegenüber innsalzach24.de zu den Anschlägen in Waldkraiburg und der Verhaftung des 25-jährigen Tatverdächtigen:

„Ich bin sehr froh und erleichtert darüber, dass die Anschlagsserie auf türkische Einrichtungen in Waldkraiburg nun offensichtlich geklärt ist und weitere Anschläge so verhindert wurden. Ich danke der Polizei und den Ermittlungsbehörden für ihre tatkräftige Arbeit und beglückwünsche sie zum schnellen Ermittlungserfolg. Die landkreisweite Solidarität mit den Geschädigten war ein starkes Signal der Geschlossenheit und ein deutliches Zeichen des Mitgefühls. 

Derartige Anschläge richten sich nicht nur gegen unsere türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, sondern gegen uns als Gesellschaft und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Neben Polizei und Sicherheitsbehörden bedanke ich mich auch bei Bürgermeister Robert Pötsch, unseren Feuerwehren und Rettungskräften und bei der türkischen Gemeinde für die hochprofessionelle, besonnene und verantwortungsbewusste Vorgehensweise in den vergangenen Tagen und Wochen.“

Max Heimerl

Update, 13.42 Uhr - Innenminister: "Solche Taten sind ein Angriff auf uns alle"

Bayerns Innenminister Joachim Hermann hat der Polizei zu dem raschen Ermittlungserfolg gratuliert. "Ich bin den Einsatzkräften des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sehr dankbar für ihre ausgezeichnete Arbeit und den schnellen Fahndungserfolg, der weitere schwere Straftaten verhindert hat", sagte der CSU-Politiker am Sonntagmittag in München.

Herrmann dankte ausdrücklich auch der Bundespolizei, deren Zugriff am Bahnhof in Mühldorf am Inn den Fahndungserfolg erst möglich gemacht hat. Der Tatverdächtige habe türkischstämmige Mitbürger in Waldkraiburg in unerträglicher Weise in Angst und Schrecken versetzt. "Solche Taten sind letztlich ein Angriff auf uns alle", so Herrmann.

Der Beschuldigte wurde auf Antrag der Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bei der Generalstaatsanwaltschaft München dem zuständigen Ermittlungsrichter beim Amtsgericht München vorgeführt. Dieser erließ gegen den Beschuldigten Haftbefehl wegen versuchten Mordes in 27 Fällen, schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung sowie wegen Sachbeschädigung und ordnete Untersuchungshaft an. Der Beschuldigte befindet sich in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt.

Update, 12.45 Uhr - 23 Rohrbomben und 30 Kilo Sprengstoff

Die Brandstiftung an einem türkischen Gemüseladen und drei weitere, kleinere Anschläge in Waldkraiburg sollten wohl nur der Anfang sein. Bei der Pressekonferenz der Polizei am Sonntagvormittag wurde die ganze Dimension des Falles bekannt: Insgesamt hatte der Täter 23 Rohrbomben und rund 30 Kilogramm verschiedene Sprengmittel in seinem Gepäck bzw. in verschiedenen Verstecken. Außerdem wurde eine scharfe Pistole bei den Durchsuchungen aufgefunden.

Täter von Waldkraiburg Anhänger des IS

Die Taten gehen auf das Konto eines 25-jährigen Anhängers des Islamischen Staats (IS). "Weitere Taten wären sehr bald geplant gewesen. Durch die Festnahme konnte Schlimmeres verhindert werden", so Hans-Peter Butz, Leiter der 50-köpfigen SOKO "Prager". Es ist also davon auszugehen, dass durch die Festnahme ein regelrechter Amoklauf gegen türkische Mitbürger vereitelt werden konnte. Als Tatmotiv wurde "Hass auf Türken" genannt.

In der Nacht auf Montag, 27. April, brannte in Waldkraiburg ein türkischer Gemüseladen aus. Sechs Menschen wurden verletzt. Der 25-jährige Täter plante aber noch weitere, viel schlimmere Attentate und Anschläge. 

"Er würde sein Leben für den IS opfern", habe der 25-Jährige laut Kriminalpolizist Butz bei der Vernehmung gesagt. Es handelt sich um einen deutschen Staatsangehörigen, geboren in der Nähe von Waldkraiburg. Die Eltern des Täters stammen aus der Türkei. Bisher trat er nur wegen Marihuanabesitzes polizeilich in Erscheinung. "Er vertrat die religiöse Einstellung des IS in gesamter Hinsicht", so der Leitende Oberstaatsanwalt Georg Freutsmiedl.

Bei Festnahme in Mühldorf zehn Bomben und 20 Kilo Sprengmittel dabei

Bei der Vernehmung bezeichnete sich der Mann selbst als "Bombenleger von Waldkraiburg". Er gestand alle vier Anschläge und hatte detailliertes Täterwissen. Deshalb hat die Polizei keinen Zweifel an seinem Geständnis. Ob es Mitwisser oder Mittäter gab, wird derzeit noch erforscht. Allein bei seiner Festnahme am Mühldorfer Bahnhof am Freitagabend hatte der 25-Jährige zehn funktionsfähige Rohrbomben und 20 Kilogramm chemische Sprengmittel dabei. Der Rest wurde in einem Auto in Garching an der Alz und in seiner Wohnung in Waldkraiburg gefunden. 

Einen ausführlicher Artikel zu den neuesten Erkenntnissen lest Ihr hier am Nachmittag. 

Die Pressekonferenz zu den Anschlägen von Waldkraiburg im Video

Update 11.25 Uhr: Die Motive des 25-Jährigen

Laut Leitendem Oberstaatsanwalt Georg Freutsmiedl war der Täter ein Anhänger des Islamischen Staats (IS). Er teile dessen religiöse Einstellungen "in gesamter Hinsicht". Der 25-jährige Festgenommene sei getrieben vom "Hass auf Türken". Es handle sich um einen deutschen Staatsangehörigen, der in der Nähe Waldkraiburgs geboren wurde. Seine Eltern stammten aus der Türkei.  

Update 11.15 Uhr: Zündfähige Rohrbombe und Waffe gefunden

Polizeipräsident Robert Kopp bestätigt, dass bei dem 25-Jährigen bei der Kontrolle am Mühldorfer Bahnhof am Freitagabend zündfähige Rohrbomben gefunden wurden. In seinem Auto in einer Garchinger Tiefgarage wurde dann außerdem Sprengstoff gefunden, in seiner Waldkraiburger Wohnung unter anderem eine scharfe Pistole. "Wir haben damit weitere schwerste Gewalttaten und vermutlich auch Anschläge auf türkische Einrichtungen verhindert", so Kopp.

Vorbericht: Pressekonferenz zu Anschlägen in Waldkraiburg

Licht ins Dunkel kam offenbar in der Nacht auf Samstag, 9. Mai, als kurz nach Mitternacht am Bahnhof Mühldorf ein 25-jähriger Mann geschnappt wurde, der in seinem Gepäck offenbar "Explosivstoffe" hatte. Im weiteren Verlauf gab es deswegen auch Großeinsätze in Waldkraiburg und Garching an der Alz. Dabei waren auch Evakuierungen notwendig. Die Menschen durften teilweise erst am folgenden Vormittag wieder in ihre Wohnungen zurück. Zudem wurden Wohnungen und eine Tiefgarage durchsucht. Ein Anwohner aus Waldkraiburg hatte innsalzach24.de seine Eindrücke von den SEK-Einsätzen geschildert

Bewohner dürfen nach SEK-Einsatz in Waldkraiburg in Haus zurück

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Die Bild-Zeitung hatte zudem berichtet, dass beim Tatverdächtigen, zu dessen Identität bislang außer dem Alter keine weiteren Angaben vorliegen, offenbar rund 20 Rohrbomben gefunden wurden. Angeblich hätte der Mann dies sogar bereits gestanden. Offiziell bestätigt ist dies bislang nicht.

Die Anschlagsserie in Waldkraiburg hatte in den letzten Wochen weit über die Region hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Es gab Angriffe und Attacken auf einen Friseursalon, eine Pizzeria und ein Kebaphaus. In der Nacht auf 27. April gab es dann einen schweren Brandanschlag auf ein Lebensmittelgeschäft am Sartrouville-Platz. Sechs Menschen wurden dabei verletzt, zudem entstand auch ein Sachschaden in Millionenhöhe. Auch angrenzende Geschäfte wurden dabei in Mitleidenschaft gezogen.

Wohnblock evakuiert - Großeinsatz in Waldkraiburg

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Nach diesem Anschlag richtete die Polizei die SOKO "Prager" ein, die seither mit Hochdruck ermittelte und nach dem Tatverdächtigen fahndete. Bis zu 50 Beamte waren an den Arbeiten beteiligt. Sogar ein eigenes Hinweisportal und eine Telefon-Hotline waren eingerichtet worden. Und nun scheint es mit der Festnahme des 25-Jährigen einen Erfolg gegeben zu haben. Über weitere Details wollen die Polizei und die Staatsanwaltschaft bei der Pressekonferenz informieren.

mw/xe

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