Auf Nockherberg-Niveau

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Karl Lehmann teilte kräftig aus - und das auf Nockhernberg-Niveau

Waldkraiburg - Beim Derblecken auf dem Starkbierfest von CSU und Toerring-Brauerei wurden die Zuhörer im ausverkauften Saal des Graf-Toerring-Hofes bestens unterhalten.

Mit dem Klingelbeutel zog Starkbierredner Karl Lehmann in den Saal des Graf-Toerring-Hofes ein, um milde Gaben zu sammeln. Denn: "Waldkraiburg ist pleite. Wenn bei Eich oana im Rathaus eibricht, kimmt er mit vawoante Augn aus da Stadtkasse aussa."

Derblecken im Graf-Toerring-Hof

Und alle kamen beim Derblecken dran: Minister, Pfarrer, Landrat, Bürgermeister, Berlin, München, Ampfing, Mühldorf, Aschau, Pürten, Kraiburg und natürlich vor allem Waldkraiburg. "Vom Niveau her kann diese Rede leicht mit dem Nockherberg in München mithalten", so Staatsminister Marcel Huber, der hier wie dort live dabei war.

Die städtische Finanzmisere war eines von vielen Themen, die sich der Progoder in seiner eineinhalb Stunden dauernden, furiosen Rede beim Starkbierfest von CSU und Toerring-Brauerei im ausverkauften Toerring-Hof vornahm. Es muss gespart werden, so der Lehmann. Zuerst muss die Stadtverwaltung weg, dann braucht es auch kein Rathaus und keine Rathaussanierung und vor allem keine teuere Rathaustoiletten-Sanierung mehr. "Da Stadtrat kimmt auch weg." Dann sind für den Sitzungssaal keine neuen Sessel notwendig. Und die alten können gewinnbringend versteigert werden. "De vom Sterr Toni und vom Heller Dietmar bringan natürlich nix mehr. De san total obebärt. Der von der Susi is durchegwetzt und de boor von da SPD san tränendurchweicht, weil eana oiwei neamt was glabt." Und wenn alles und alle weg sind, dann braucht's nicht einmal mehr Klopapier. "Des bringt scho wieder a boor Tausender."

Hoffnung macht der Progoder den "lieben Geothermitinnen und Geothermiten" mit einer anderen Vision. Das Wasser des unterirdischen Niagarafalls ist nicht nur "hoaß", sondern so gsund, dass "da Neger-Pauli und da Schenk Gustl seitdem kein Weißbier mehr saufen" und es eine gigantische Wellness-Thermal-Anlage speisen kann. Jetzt braucht es nur noch einen Scheich mit 100 bis 150 Millionen Euro und die Unterstützung von Minister Huber ("Wos habns grod für a Ministerium?") Wenn des Ganze lafft, wird Huber Kurdirektor. "Dann soin se de Münchner an andern suacha, der ois des macha muaß, wos de andern ned möng und sie griang bei uns in Woidkraiburg eana eigens Windradl und do steht dann drauf: Sponsoring by Windradl-Huaba."

Um den Bevölkerungsschwund in Waldkraiburg einzudämmen, bietet er an, die Rede abzubrechen, damit sich sämtliche zeugungsfähige und -willige Männer und Frauen sofort an die Arbeit machen. "Zur Not hoin ma uns an Seehofer zum Aushoifa." Und eins darf es auch nicht mehr geben: Gratis-Kondome beim Stadtball. "Ja, spinnt's ihr direkt, oder san de bloß für de Mühldrofer gwen, oder de Greana - dass se wenigstens de net vermehrn."

Bestens vorbereitet und zum Teil mit tagesaktuellen Bezügen jagt der Karl, der musikalisch vom "Duo Herzstürmer" begleitet wird, von München nach Berlin und zurück nach Waldkraiburg, schwingt mal das feine Florett, mal den derben Holzhammer und wechselt von einem zum nächsten Thema, dass den Zuhörern schwindlig werden könnte: Kuh Yvonne, Piratenpartei, Eurokrise, Bayerische Landesbank, Feuerwehrmuseum, Straßen(un)wesen...

Ein Dauerbrenner, an dem er einfach nicht vorbeikommt. Rot sieht er bei den Dorfner Autobahn-Bremsern und Claudia Roth von den Grünen, die statt der Autobahn eine Datenautobahn gefordert habe. "Ja soid s'Gummiwerk seine Bahnübergänge per E-Mail verschicka, oder de SGF eanane Gelenkscheibn in de Tastatur von an PC einebatzn."

Und die 2091? "Links und rechts gewaltig ausgeholzt" is scho. "Jetzt sigt ma de Schlaglöcher besser. Ja wos woin ma denn mehra."

Ach ja, die MÜ 25, "bessere Umgehungsstraße von Litzlkirchen und a Konkursbeschleuniger von Woidkroaburg, weil ihr mit 500000 Euro an Kreisverkehr finanziert habt's, den koana hernimmt." "Da Hammer" für Lehmann ist bei der neuen Kreisstraße die überdimensinierte Brücke über den "Litzlkirchner Grand Canyon", die Howaschen. "Eine gigantische Durchlasshöhe von drei Metern, damit des Eidachserl durche kon, des a Greana angeblich dort gsegn hot. Alois", fragt er Bürgermeister Salzeder, "san de Aschauer so weit zruck, daß eichane Eidachserl no Dinosaurier san?"

Die Freunde Waldkraiburgs kriegen ihr Fett weg. Aschau, Pürten, "ein renitenter Hauffa" um den vorlauten "Reservebürgermeister und Aushuifspfarrer" Toni Brunnhuber, und schließlich Lehmanns Heimatgemeinde Kraiburg. Vielleicht liegt dort aber die Lösung für das Problem der Waldkraiburger mit ihren verkaufsoffenen Sonntagen. Nicht einmal einen Werktag, der geeignet wäre, finden sie dafür. "Ja geht's hoit mit Eichan Woidkraiburger verkaufsoffenen Sonntag noch Kraiburg umme, bei uns geht's immer. Höchstens am 27. Mai ned. Do werd da tote Hund eigrobn."

Und wenn mal wirklich was los ist im Landkreis, bei der Waldkraiburger Eisstock-Weltmeisterschaft zum Beispiel, wer ist dann nicht da? "S'Fernsehn hots net gspannt. (...) denn fürn Bayerischen Rundfunk geht ja hinter Ramersdorf da Balkan o." Am Freitag hat das Fernsehen schon wieder was verpasst in Waldkraiburg: das Pointenfeuerwerk eines Starkbierredners, der mit Beifall und Lob von allen Seiten überschüttet wurde: "Guat eingschenkt, aber nie beleidigend", meinte Marcel Huber, der Lehmann "echten Wortwitz, keine Plattitüden und intime Kenntnisse des lokalen Politik-Geschehens attestierte. "Vom Niveau her kann diese Rede leicht mit dem Nockherberg in München mithalten", so der Staatsminister, der hier wie dort live dabei war.

hg/Mühldorfer-Anzeiger

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