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Nicht alles mit dem Auto erledigen

Nachhaltigkeit im Alltag: So leisten zwei Waldkraiburger einen Beitrag

Für die kurzen Strecken nimmt Doris Anzinger-Pohlus das Fahrrad. Aber nicht immer lässt sich vermeiden, dass sie doch mal ein Auto braucht.
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Für die kurzen Strecken nimmt Doris Anzinger-Pohlus das Fahrrad. Aber nicht immer lässt sich vermeiden, dass sie doch mal ein Auto braucht.

Vielen fehlten die entscheidenden Maßnahmen als Kampf gegen den Klimawandel bei der Weltklimakonferenz in Glasgow Ende vergangenen Jahres. Von nur einem „Zwischenschritt“ sprach EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hinsichtlich der Resultate. Während es in Glasgow ums große Ganze ging, kann jeder im Kleinen seinen Beitrag dazu leisten. Doris Anzinger-Pohlus und Roland Schrödl erzählen, wie ihnen das im Alltag gelingt.

Waldkraiburg – Beim Auto geht es schon los. In Privathaushalten wäre mit dem Verzicht auf ein Auto schon ein großer Beitrag geleistet, aber gerade auf dem Land ist es ohne meist gar nicht so leicht. Sein Auto hat Roland Schrödl bereits abgeschafft, als er noch in Leipzig wohnte. Auch in Waldkraiburg verzichtet er bewusst darauf. „Höchstens einmal im Monat, dass ich ein Auto brauche. Dann leihe ich mir eins. Ansonsten erledige ich alles zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln.“ Flugreisen vermeidet er.

Braucht es immer das Auto?

Auch Doris Anzinger-Pohlus holt meist das Fahrrad aus dem Schuppen. Auf Kurzstrecken und zum Einkauf sowieso. Aber für den Weg zur Arbeit nach Mühldorf nimmt sie in der Regel das Auto. „Es braucht hin und wieder das Auto, aber dreimal am Tag? Da lässt sich doch manche Fahrten sicher miteinander verbinden.“ Abends mal ins Kino, braucht es dafür tatsächlich das Auto? Oder lässt es sich mit einem Abendspaziergang verbinden? „Manche Sachen muss man sich einfach angewöhnen“, sagt sie. Andererseits müsste auch der Nahverkehr attraktiver werden.

Das Thema Nachhaltigkeit ist in ihren Alltag integriert – von Kindesbeinen an. Ihre Eltern haben ihr schon vorgelebt, wie „man leben sollte“. Obst und Gemüse kam ausschließlich aus der Region, wenn es reif war. Saisonal, regional – das prägt sie noch heute und setzt sie auch in ihrer Küche um. Nicht nur daheim, sondern auch in ihrer Arbeit als Köchin bei Byodo in Mühldorf.

„Das alte Wissen muss man wiederbeleben. Früher war vieles richtig, da müssen wir wieder hin“, sagt sie. Schließt dabei aber den Fortschritt nicht aus. „Technik ist gut, aber man muss es nicht übertreiben.“

Schon früher hätte es eine Umweltbewegung gegeben, die brauche nur neuen Schwung. „Die Verbraucher sollten sich bewusst sein, welche Macht sie haben“, sagt Doris Anzinger-Pohlus. Die Modeindustrie beispielsweise würde sich schnell umstellen, wenn nur noch fair und ökologische hergestellte Kleidung nachgefragt werde.

Roland Schrödl überlegt gut, was er tatsächlich braucht.

Nachhaltigkeit beginnt beim Roland Schrödl beim bewussten Leben: „Braucht man manche Dinge wirklich? Man muss nicht alles haben. Manche Dinge könnte man doch auch untereinander austauschen.“ Wenn es um neue Möbel oder Klamotten geht, sucht er nach Second-Hand-Alternativen. In den Einkaufskorb kommen nur Bioprodukte, wenn möglich aus der Region. Ohnehin stört ihn, wie wenige Wertschätzung Lebensmitteln entgegengebracht wird. „Die sind viel zu günstig, verleiten einen dadurch zum Mehrkauf. Viel zu viel wird dann am Ende weggeworfen.“

Massentierhaltung will er nicht unterstützen, weshalb er seit 25 Jahren Vegetarier ist. Doris Anzinger-Pohlus verzichtet auch größtenteils auf Fleisch, kocht am liebsten vegetarisch. „Es muss nicht immer Fleisch sein, man kann sehr gut vegetarisch esse.“ Sellerieschnitzel statt Wiener Schnitzel. Aber gerade in der Gastronomie gebe es viel zu selten fleischlose Alternativen. „In der Ausbildung wird die vegetarische Kost zu sehr vernachlässigt.“

Mehr Einfallsreichtum wünscht sich Schrödl auch bei Städteplanungen. „Wie kann es sein, dass Wohnungsbau noch zu sehr an Parkplätze gekoppelt ist. Es wird gar nicht hinterfragt, ob man ein Auto haben will.“ Den Autos würde man in Städte noch immer zu viel Platz einräumen. „Mit Radwegen entsteht mehr Lust zum Radfahren. Und wo die Autos weg sind, entsteht mehr Leben in der Stadt.“ Ohnehin brauche es mehr Grün in den Städten. Natur solle man auch vor Ort erleben können.

Vegetarische Kost nicht vernachlässigen

Doris Anzinger-Pohlus und Roland Schrödl wissen beide um die landschaftlichen Vorzüge der Region. „Ökologisch Urlaub zu machen, ist schwierig, aber muss es immer weit weg sein.“ Auch vor Ort könne man viel erleben. Dazu braucht es nicht immer das Flugzeug. Oder man nimmt einfach die Bahn. So wie es Roland Schrödl auf dem Weg nach Süditalien gemacht hat. „Die Zugfahrt dauerte zwar 20 Stunden, aber man wird sich der Entfernungen bewusst, man erlebt die Reise intensiver.“

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