Landratskandidatin Loredana Pacello (FDP)

Pacello will "Marktplatz der Ideen"

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Loredana Pacello, Landratskandidatin der FDP im Landkreis Mühldorf.
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Mühldorf - Ob dritte Realschule, Studium in der Region oder Kreiskliniken: Landratskandidatin Loredana Pacello (FDP) möchte Lösungen im Dialog mit den Bürgern finden.

Loredana Pacello hat früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Die 31-Jährige leitet den "PL Bagger- und Fuhrbetrieb" in Waldkraiburg, schon im Alter von 22 Jahren hat die FDP-Politikerin die Leitung der Firma von ihrem Stiefvater übernommen. "Es lässt eine schnell reifen. Wenn man in jungen Jahren eigentlich erst anfängt das Leben zu genießen - das ist dann nicht mehr möglich", erinnert sich Pacello. Nach ihrer Ausbildung war sie in München bei einer Bank angestellt, als ihr eines Tages ihr Stiefvater eine richtungsweisende Frage stellte: "Was machen wir mit der Firma?" Pacello fiel die Antwort leicht: Sie ging zurück nach Hause und übernahm die Firma.

Anzug und Aktentasche tauschte sie dabei gegen Gummistiefel, Stahlkappen und Co. Die 31-Jährige packt im Betrieb selbst mit an, greift zum Hammer, fährt Bagger und schleppt Zementsäcke. "In den ersten zwei Jahren bin ich mit einem Muskelkater nach Hause gekommen", erzählt Pacello. Bankbranche und Bauwirtschaft -  "das sind zwei komplett unterschiedliche Welten".

"Wo ist der Euro am besten investiert?"

Nun möchte die 31-Jährige erneut das Arbeitsgerät wechseln und am Schreibtisch des Landrats Platz nehmen. Sie sei zwar früh gereift, bringe aber als junge Landratskandidaten noch jede Menge Dynamik mit. "Ich traue mich, die Dinge anders zu machen", so Pacello. Zudem komme sie eigentlich mit jedem gut aus. "Ich glaube, das ist eine der wichtigsten Eigenschaften als Landrat."

Die 31-Jährige ist davon überzeugt, dass sie den Landkreis nicht so führen kann wie ein Unternehmen. "Als Firma kann ich zur Not sagen: Wenn ein Segment nicht läuft, probiere ich es in einem anderen Segment." Als Landkreis könne man jedoch freilich nicht einfach so das Krankenhaus schließen, nur weil es sich nicht mehr rechnet. Wo sich Unternehmertum und die Arbeit als Landrat allerdings decken, sei die Effizienz. "Wo ist der Euro am besten investiert?", fragt Pacello, die den Landkreis gegenüber seinen Bürgern in der Pflicht sieht, das vorhandene Budget möglichst sinnvoll zu investieren.

"Marktplatz der Ideen" gegen Politikverdrossenheit

"Jeder Bürger ist in gewisser Weise ein Aktionär", findet Pacello. Deswegen müsste der Landkreis nach Ansicht der 31-Jährigen weitaus transparenter sein. Beispielsweise könne man das Haushaltsbuch an offener Stelle auslegen. "Dann ist es auch leichter, den Leuten zu sagen: Das können wir nicht stemmen." Pacello erhofft sich dank einer transparenteren Informationspolitik auch mehr Anregungen durch die Bürger. "Aufgrund meiner Erfahrung kann ich Entscheidungen treffen. Aber vielleicht habe ich etwas übersehen?" Man müsse schlicht "die Leute wieder reinziehen", um der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken.

Als Plattform, um die Bürger mehr einzubeziehen, schwebt Pacello ein "Marktplatz der Ideen" vor, wie sie es selbst nennt. Dort sollen Bürger ihre Ideen vorbringen und Fragen stellen können. Über diese Plattform - so Pacellos Vorstellung - könnten zum Beispiel auch Hilfesuchende mit ehrenamtlichen Helfern zusammengebracht werden. Wer also eine Geschäftsidee hat, aber nicht weiß, wie er sie finanzieren kann, würde über den "Marktplatz der Ideen" an die richtigen Stellen verwiesen.

Ideen für die Zukunft des Landkreises hat die 31-Jährige selbst genug. Unter anderem ist sie von der Idee eines Biogasreaktors fasziniert. Dort werden Klärabfälle, Gülle und Biomüll in Strom und Gas umgewandelt. In einer Gemeinde in Niedersachsen gebe es ein solches Projekt bereits, erzählt Pacello. Haushalte und Firmen werden dort vom Reaktor mit Strom sowie Gas zu Heizen versorgt. "Warum können wir das nicht?", fragt Pacello.

"Man kann das Rad auch gemeinsam erfinden"

Innovative Ideen umsetzen und die Probleme des Landkreises lösen - das möchte Pacello im Verbund mit den Gemeinden und den Nachbarlandkreisen. Man müsse nicht immer das Rad neu erfinden. "Man kann das Rad auch gemeinsam erfinden", so die 31-Jährige. Gegebenenfalls könne man sich die Lösung eines Problems auch mal vom Nachbarlandkreis erklären lassen. "Wenn jemand eine gute Idee hat, why not?"

Mit das drängendste Problem des Landkreises ist für Pacello die Realschule in Waldkraiburg. "Die Schüler sitzen in Container", kritisiert die FDP-Politikerin. Die Probleme der Realschule Waldkraiburg zu lösen ist für Pacello "erste Prämisse". "Waldkraiburg ist nicht 'voll' voll, sondern platzt!", sagt Pacello. Ob in Waldkraiburg vielleicht sogar ein Neubau nötig ist oder eine Sanierung ausreicht, lässt Pacello offen.

Die Schaffung einer dritten Realschule hält Pacello für sinnvoll, plädiert aber für eine ergebnisoffene Standortsuche. Ob Neubau oder Modernisierung eines bestehenden Gebäudes, ob Kauf oder Mietlösung - diese Fragen müssten sorgsam abgewogen werden. Grundsätzlich spricht sich Pacello dafür aus, einen Standort zu wählen, an dem genügend Platz vorhanden ist und vielleicht schon ein Schulbus verkehrt. Den Standort Neumarkt-St. Veit sieht die 31-Jährige kritisch, dort sei es "relativ eng". Denkbar sei eine Realschule in Ampfing, das ginge von der Infrastruktur her, sagt Pacello. Grundsätzlich sollte der Landkreis aber noch ein paar Jahre abwarten und erst einmal Rücklagen bilden. Dann seien auch die Zinsen geringer.

"Wir können keine großen Sprünge machen"

Auch in den anderen Aufgabengebieten des Landkreises sieht Pacello Handlungsbedarf. "Bei den Kreisstraßen haben wir einen Investitionsstau", sagt die 31-Jährige. Bisher habe es eine "Flickschusterei" gegeben, so Pacello, die eine "Instandsetzung, aber nicht parzellenweise" fordert.

In der Abfallwirtschaft sieht Pacello ebenfalls Entwicklungspotential. "Da kann man doch einiges rausholen", sagt die FDP-Politikerin. "Es gibt ganze Firmen, die damit Geld verdienen - und nicht wenig. Warum nicht auch der Landkreis?" Man müsse auch mal neue Wege probieren und bei anderen Landkreisen nachfragen.

Bei den Kreiskliniken spricht sich Pacello für eine Kooperation mit Altötting aus. "Braucht man zwei Bestrahlungsstationen, die beide nicht ausgelastet sind?", fragt die 31-Jährige. Ob eine Fusion die sinnvollste Lösung ist, lässt Pacello offen. "Da brauche ich wirklich Zahlen, Daten, Fakten", sagt die FDP-Politikerin.

Fünf Sitze für die FDP sind das Ziel

Auf dem Gebiet der Asylpolitik plädiert Pacello für einen Mentalitätswechsel. "Waldkraiburg ist ein Melting Pot. Das funktioniert auch nicht einwandfrei, ist aber ein Symbol für die Aufgabe des Landkreises", erläutert Pacello. Weil es innerhalb der EU keine Grenzen mehr gibt, müsse man sich Gedanken machen über den Integrationsprozess als solches. Wenn ein Asylbewerber nach Deutschland kommt, sei das nichts anderes, als wenn ein Franzose oder Italiener herzieht. Wichtig sei die Kommunikation, weshalb Pacello verstärkt mit Sprachkursen arbeiten möchte und Plattformen schaffen will, wo sich Einheimische und Asylbewerber begegnen können.

Bei den Wahlen am 16. März möchte Pacello mit der FDP fünf Sitze erringen. "Fünf Sitze wären definitiv wichtig. Wichtig wäre auch, dass wir einen Kreistag ohne Stimmenüberschuss haben." Ihr persönliches Ziel als Landratskandidatin verrät Pacello nicht. "Das will ich sehen, wenn es soweit ist." Wenn "Tag X" kommt, habe sie jedenfalls einen Plan, was sie die ersten paar Wochen tun muss.

Wir haben bereits die beiden Landratskandidaten Cathrin Henke (Grüne) und Peter Huber (UWG) vorgestellt. Am Mittwoch folgt Georg Huber (CSU). Alexander Will, Landratskandidat der SPD, hat unserer Redaktion auf Anfrage schriftlich mitgeteilt, er habe kein Interesse daran, sich auf innsalzach24 vorzustellen.

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