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Darknet-Plattform „Boystown“

Kindesmissbrauch auf Video: Anklage gegen 49-jährigen Drahtzieher aus dem Landkreis Mühldorf

Eine Kriminaloberkommissarin sichtet Material auf der Suche nach Kinderpornografie. Bei der Darknet-Plattform „Boystown“ mit mehr als 400000 Mitgliedern wurden mehr als eine Million Foreneinträge gezählt. Gegen einen 49-Jährigem aus dem Landkreis und seinen Komplizen wurde nun Anklage erhoben.
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Eine Kriminaloberkommissarin sichtet Material auf der Suche nach Kinderpornografie. Bei der Darknet-Plattform „Boystown“ mit mehr als 400000 Mitgliedern wurden mehr als eine Million Foreneinträge gezählt. Gegen einen 49-Jährigem aus dem Landkreis und seinen Komplizen wurde nun Anklage erhoben.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat knapp ein Jahr nach der Festnahme eines 49-Jährigen aus dem Landkreis Mühldorf Anklage erhoben. Der Mann soll federführend mit einem weiteren Angeklagten die Darknet-Plattform „Boystown“ betrieben haben. Mehr als 400000 Mitglieder tauschten hier Video- und Bildmaterial aus, die vorwiegend den sexuellen Missbrauch an Jungen zeigten.

Waldkraiburg/Mühldorf – Mit schrecklichen Kinderpornos haben die Macher der Plattform „Boystown“ mehr als 400 000 Pädophile versorgt. Jetzt hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt Anklage gegen vier mutmaßliche Männer Anklage erhoben. Einer der Drahtzieher soll ein 49-jähriger Mann aus dem Landkreis Mühldorf sein.

Mehr als eine Million Foreneinträge

Die Region stand vergangenes Jahr unter Schock, nachdem bekannt geworden war, dass ein 49-Jähriger aus einem Weiler im südlichen Landkreis von hier aus die Plattform betrieben haben soll. Federführend mit einem 59-Jährigen aus Norddeutschland soll er im Sommer 2019 damit begonnen haben, die „Boystown“-Plattform aufzubauen, die über das Darknet – ein versteckter Bereich des Internets – zugänglich war. Der 49-Jährige soll maßgeblich mit der technischen Umsetzung der Seite, der Einrichtung und Wartung der Serverstruktur beschäftigt gewesen sein.

Über die Plattform tauschten mehr als 400 000 Mitglieder widerlichste Szenen aus, die vorwiegend den sexuellen Missbrauch an Jungen dokumentierten, wie die Ermittlungsbehörde mitteilt. Unter den kinderpornografischen Bild- und Videodateien hätten sich auch Aufnahmen schwerstem sexuellen Missbrauchs von Kindern befunden.

Bis zur Abschaltung der Plattform im April 2021 zählten die Ermittler mehr als eine Million verfasster Foreneinträge. „Boystown“ zählte bis dahin zu einer der weltweit größten Kinderpornografie-Plattformen im Darknet.

Es geht laut Ermittlungsbehörde um den Verdacht der bandenmäßigen Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Inhalte, des Herstellens von Kinderpornografie und zum Teil schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Vier Männer im Alter zwischen 41 und 65 Jahren müssen sich nun vor Gericht verantworten, alle vier befinden sich in Untersuchungshaft.

Spezialkräfte des Bundeskriminalamts hatten im April vorigen Jahres im südlichen Landkreis das Haus des 49-jährigen Mannes gestürmt, der im Keller festgenommen worden sein soll. Nachbarn waren in der Nacht Lärm und mehrere Fahrzeuge aufgefallen. Mit Taschenlampe sei der Garten abgesucht worden, wie damals bekannt geworden war. Insgesamt sieben Objekte sollen damals in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg durchsucht worden sein.

Den Grund für den Einsatz erfuhren die Nachbarn damals nicht, erst später tauchten Gerüchte auf, dass es sich um Kinderpornografie handeln soll. Die Nachbarn beschrieben den Mann im Umgang als unauffällig und bieder. Der 49-Jährige ist selbst Vater von vier Kindern, zwei von ihnen sollen noch minderjährig sein. Nun wird dem Familienvater vorgeworfen, dass er zwei Kinder in mindestens 17 Fällen zum Teil schwer missbraucht haben soll. In anderen Fällen soll er Bild- und Videoaufnahmen erstellt haben.

Ermittlungen gegen weitere Mitglieder

Seit September 2019 arbeiteten die Ermittlungsbehörden an dem Fall, im April 2021 glückte die Festnahme. Gemeinsam mit dem 49-Jährigen wurden auch seine Komplizen festgenommen: ein 59-Jähriger aus Norddeutschland, der im Oktober aus Paraguay ausgeliefert worden ist, sowie ein 41-jähriger Angeschuldigter aus dem Landkreis Paderborn. Der 41-Jährige soll administrativ und moderierend auf der Plattform tätig gewesen sein, aber ihm wird auch schwerer Missbrauch zweier Kinder in 25 Fällen vorgeworfen.

Angeklagt wurde zudem ein 65-Jähriger aus Hamburg als einer der aktivsten Nutzer der Plattform. Gegen andere Mitglieder der Plattform werde weiter ermittelt.

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