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Interview

Michael Kebinger war der erste Architekt der Stadtbau Waldkraiburg. Jetzt sagt er Servus.

30 Jahre lang prägte Michael Kebinger (Mitte) als Architekt der Stadtbau das Bild Waldkraiburgs. Jetzt haben ihn Stadtbau-Geschäftsführer Martin Reitmeyer (links) und Bürgermeister Robert Pötzsch in den Ruhestand verabschiedet.
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30 Jahre lang prägte Michael Kebinger (Mitte) als Architekt das Bild Waldkraiburgs. Jetzt haben ihn Stadtbau-Geschäftsführer Martin Reitmeyer (links) und Bürgermeister Robert Pötzsch in den Ruhestand verabschiedet.

Waldkraiburg – Er prägte in dieser Funktion 30 Jahre lang auch das Stadtbild. Jetzt hat sich Michael Kebinger in den Ruhestand verabschiedet und blickt noch einmal zurück.

Von Karin Olliges

Wie wurden Sie eigentlich der erste Architekt der Stadtbau?

Michael Kebinger: Ich bin über den zweiten Bildungsweg zum Studium der Architektur gekommen, nach einer Lehre zum Schauwerbegestalter beziehungsweise Dekorateur, die sicher meinen Blick für Gestaltung geschult hat.

Mit 32 hatte ich mein Diplom in der Tasche und erhielt dann die große Chance, als Berufsanfänger als erster festangestellter Architekt bei der Stadtbau Waldkraiburg anzufangen.

Was waren Ihre wichtigsten Projekte?

Kebinger: Nach mehreren kleineren Projekten, war damals mein Einstiegsprojekt die Wohnanlage am Kalander: acht Wohngebäude, die auf dem ehemaligen Gelände des Gummiwerks errichtet wurden. In den ersten zehn Jahren meiner Tätigkeit stand die Stadtentwicklung im Vordergrund, die Erweiterung der Grundschule an der Dieselstraße, Kindergärten und – mein großer Stolz – der große, multifunktionale Saal des Hauses der Kultur. Auch den Bau des Gebäudes der Stadtbau im Föhrenwinkel mit seiner zeitlos modernen Architektur begleitete ich als Bauherrenvertreter.

Wie hat sich Ihre Aufgabe gewandelt?

Kebinger: Ab 2002 war der Fokus der Stadtbau dann mehr auf die Themen Modernisierung beziehungswiese Erhalt des Bestands gerichtet und das ist bis heute so. In weiser Voraussicht des damaligen Bürgermeisters Jochen Fischer nutzte Waldkraiburg bereits sehr früh die Fernwärme aus Geothermie und war damit in Punkto Energieversorgung zunehmend autark.

Wie haben Sie Ihre Rolle verstanden?

Kebinger: Neben der Bauherrenvertretung in technischen und gestalterischen Fragen sowie der Projektsteuerung und Bauleitung bei Modernisierungsprojekten, sah ich es vor allem als meine Hauptaufgabe an, nicht nur der erste Architekt, sondern vor allem auch der erste Ansprechpartner für Vertreter der Stadt, Fachplaner, Bauherren, Mieter und unsere Handwerker zu sein.

Wie hat sich das Bauen über die Zeit verändert?

Kebinger: Die Anforderungen seitens des Gesetzgebers wurden über die Jahre immer mehr: Themen wie Brandschutz, Gebäudedämmung, die Wahl des Energieträgers und die CO²-Einsparung bekamen eine immer zentralere Bedeutung.

Auch spielt heute das Thema Vorfertigung, also die stationäre Produktion von Bauelementen in einem überdachten, geschützten Umfeld, eine immer wichtigere Rolle. Da dadurch auf der Baustelle kaum noch korrigierend in Konstruktion und Gestaltung eingegriffen werden kann, muss die Planung im Vorfeld deutlich weiter fortgeschritten sein als bei einer konventionellen Bauweise. 

Vor allem aber hat sich das Tempo der Kommunikation und damit auch das Arbeitstempo in den vergangenen Jahrzehnten drastisch beschleunigt.

Mit welchen Herausforderungen sahen Sie sich konfrontiert?

Kebinger: Drei verschiedene Bürgermeister – Jochen Fischer, Siegfried Klika, Robert Pötzsch – vier verschiedene Stadtbau-Geschäftsführer, verschiedene Zusammensetzungen im Aufsichtsrat. Alle diese Personen setzten ihre eigenen Schwerpunkte, die es umzusetzen galt. Aber darin lag immer auch das Reizvolle der Aufgabe.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Kebinger: Ich bin jetzt schon ein paar Wochen „raus“, hatte daher schon Gelegenheit mich an die neue Lebenssituation zu gewöhnen. Definitiv vermissen werde ich die vielen netten Begegnungen mit Kollegen, Mietern, Planern und Handwerkern, die immer eine große Bereicherung darstellten. Bei der Modernisierung von über 600 Wohnungen während all der Jahre hatte ich nicht einen Rechtsstreit mit den Mietern zu führen, was sich mit den Firmen leider nicht immer vermeiden ließ.

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Als „das Gesicht der Stadtbau“ hat mich ein Kollege der Stadtwerke bezeichnet, das freut mich natürlich. Dankbar bin ich für das große Vertrauen, das meine Vorgesetzten stets in mich hatten, und für die großen Freiheiten, die ich bei Entscheidungen hatte. Waldkraiburg ist über die vielen Jahre zu meiner zweiten Heimat geworden. Allerdings habe ich in letzter Zeit mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, das hat mir den Ausstieg etwas erleichtert. Ich werde nun mein Augenmerk auf neue Aufgaben richten, mich im heimischen Haus und Garten verwirklichen, die Dorferneuerung in meiner Heimatgemeinde Reichertsheim mit vorantreiben, auf Reisen gehen.

Was legen Sie Ihren Nachfolgern ans Herz?

Kebinger: Meine Aufgaben wurden auf mehrere Köpfe verteilt. Die Bauherrenvertretung teilte ich mir bereits seit einem Jahr mit einer Kollegin – der Wissenstransfer hat damit vorbildlich funktioniert. Mein Rat lautet: In stressigen Zeiten Ruhe bewahren, die menschlichen Aspekte bei der Zusammenarbeit in den Vordergrund stellen, Spielräume, die sich bieten, nutzen. Leben und leben lassen.

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