Gymnasiastin stellt dem Stadtrat ihr Forschungsprojekt vor

Beseitigt eine Schülerin das Verkehrschaos?

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Die Schülerin Kathrin Kobus hat sich in einer Forschungsarbeit mit dem Verkehrskonzept am Schulzentrum Waldkraiburg-Süd beschäftigt.
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Waldkraiburg - Findet eine Schülerin Wege aus dem Verkehrschaos am Schulzentrum? Kathrin Kobus hat ihre Forschungsergebnisse dem Waldkraiburger Stadtrat präsentiert.

Manchmal werden auch die fähigsten Stadträte ein wenig "betriebsblind" und ein Vorschlag von außerhalb liefert den entscheidenden Denkanstoß. Im Fall der mehr als unbefriedigenden Verkehrssituation am Schulzentrum Waldkraiburg-Süd könnte ein solcher Denkanstoß von einer Schülerin kommen. Kathrin Kobus aus Jettenbach, die die zehnte Klasse des Waldkraiburger Gymnasiums besucht, hat eine Studienarbeit für "Jugend forscht" verfasst (und so ganz nebenbei einen zweiten Platz beim Regionalwettbewerb erreicht). Ihr Forschungsobjekt: Die Verkehrssituation am Schulzentrum Waldkraiburg-Süd.

Mehrere Fahrzeugzählungen als Grundlage der Arbeit

Die Gymnasiastin Kathrin Kobus präsentierte ihre Forschungsergebnisse am Dienstag dem Waldkraiburger Stadtrat.

"Das Problem kennt eigentlich jeder", erzählt die 16-Jährige. Schon vor zwei Jahren, als sie zum ersten Mal bei "Jugend forscht" mitmachte (und einen Sonderpreis gewann), hätte sie die Verkehrssituation am Schulzentrum als Thema interessiert. Letztlich fiel dann doch erst in diesem Jahr ihre Wahl auf das Thema "Verbesserung eines Verkehrskonzepts", wie ihre Arbeit offiziell heißt. Im November legte Kathrin Kobus los, besorgte sich einige Unterlagen von der Stadt Waldkraiburg und arbeitete fortan bis zum Wettbewerb von "Jugend forscht" Mitte März "immer wieder mal" an dem Projekt, wie sie selbst sagt.

Die Schülerin verschaffte sich dabei zunächst einen Überblick über die aktuellen Verkehrsströme, indem sie gemeinsam mit mehreren Mitschülern Fahrzeugzählungen vor Ort durchführte. Auf Grundlage dieser Daten sowie der Unterlagen der Stadt Waldkraiburg (etwa zu den genauen Maßen der Straßen, zukünftigen Bauprojekten, bisherigen Messungen des Verkehrsaufkommens) erarbeitete die 16-Jährige schließlich mehrere Maßnahmen für ein neues Verkehrskonzept.

"Wo staut sich's? Wann staut sich's?"

Ein wichtiger Eckpfeiler dieses Konzepts: Die Franz-Liszt-Straße, wo sich ein Großteil der Bushaltestellen für die angrenzenden Schulen (Gymnasium sowie Real-, Mittel- und Grundschule) mit insgesamt etwa 2500 Schülern befinden, soll zu einer zweispurigen Einbahnstraße in Fahrtrichtung Bayernbrücke werden. Die Fahrtrichtung ist von großer Wichtigkeit, denn dann befänden sich die Bushaltestellen auf der "richtigen" Seite, erklärt die Schülerin. Die Busse könnten dann nämlich in Fahrtrichtung rechts, und damit auf der Seite von Gymnasium und Realschule parken. Lediglich die Mittelschüler müssten die Straße überqueren, um den Schulbus zu erreichen. Die Grundschule befindet sich ohnehin in der Beethovenstraße südlich der Franz-Liszt-Straße.

Als weiteren kritischen Punkt hat Kathrin Kobus die Einmündung der Mozartstraße in die Kraiburger Straße ausgemacht. "Ich habe gesehen: Wo staut sich's? Wann staut sich's?", erzählt die 16-Jährige. Sie fand heraus: "Schon drei Autos, die von der Mozartstraße aus links abbiegen wollen, reichen aus, damit es sich ganz nach hinten staut." Zudem hielten Busse, die von der Kraiburger Straße in die Mozartstraße einbiegen wollen, den Verkehr auf. Kathrin Kobus' Verbesserungsvorschlag ist an dieser Stelle ein Kreisverkehr, der den Fahrzeugen das Abbiegen deutlich erleichtern könnte.

Dem Verkehrsreferenten gefällt es "narrisch gut"

Schnell wurde auch die Stadt Waldkraiburg auf die Forschungsergebnisse der Schülerin aufmerksam. Als sich die 16-Jährige per E-Mail bei der Stadt für die Unterstützung bedankte, schlug man ihr vor, ihre Ergebnisse im Stadtrat vorzutragen. Am Dienstag, 29. April, in der letzten Sitzung unter der Leitung des scheidenden Bürgermeisters Siegfried Klika, war es dann soweit. Zwei Plätzen neben dem Bürgermeister sitzend stellte die 16-Jährige in einer kurzen Präsentation ihre Ergebnisse vor - und stieß auf einer mehr als positive Resonanz.

"Es sind ein paar sehr interessante Vorschläge dabei", lobte der Bürgermeister und der versprach, dass sich der Verkehrsreferent darum kümmern werde, dass sich die Polizei das Konzept noch einmal anschaut. Der Verkehrsreferent selbst, Rainer Zwislsperger, war ebenfalls voll des Lobes: "Ich war begeistert davon, dass sich jemand von außerhalb so intensiv damit beschäftigt." Es sei gut, dass jemand von außen Vorschläge macht, da man sonst "betriebsblind" werde, so Zwislsperger. "Es sind etliche gute Vorschläge dabei, es hat mir narrisch gut gefallen."

Blumenstrauß, Gutscheine - und eine Bitte

Ob die Vorschläge der 16-Jährigen tatsächlich einmal umgesetzt werden, steht freilich auf einem anderen Blatt. "Ich schätze, wenn etwas umgesetzt wird, dann sind es Kleinigkeiten", sagt Kathrin Kobus selbst, die sich jetzt erst einmal darüber freut, dass der Stadtrat ihr Konzept so positiv aufgenommen hat. "Es ist nur ein Vorschlag. Ich weiß, dass es nicht perfekt ist.", sagt die 16-Jährige bescheiden.

Für ihre - vielleicht nicht perfekten, aber doch sehr willkommenen - Denkanstöße gab die Stadt der Schülerin ein Dankeschön in Form eines Blumenstraußes und mehrerer Gutscheine mit auf den Weg - sowie die Bitte, sie möge ihre Arbeit der Stadt Waldkraiburg zur Verfügung stellen.

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