In Waldkraiburg Nord geplant

Umstrittene Gewerbegebiets-Erweiterung: Auch an Kompromiss noch Kritik

Für die Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich der Daimlerstraße hat die Stadtverwaltung nun eine Kompromisslösung vorgelegt, die auch naturschutzrechtlichen Bedenken entgegenkommen soll. Für Grünen-Stadtrat Christoph Arz gibt es aber weiter Probleme damit, er verweist dabei auf eine Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde.
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Für die Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich der Daimlerstraße hat die Stadtverwaltung nun eine Kompromisslösung vorgelegt, die auch naturschutzrechtlichen Bedenken entgegenkommen soll. Für Grünen-Stadtrat Christoph Arz gibt es aber weiter Probleme damit, er verweist dabei auf eine Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde.

Waldkraiburg - Die umstrittene Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich der Daimlerstraße ist einen Schritt weiter. Dagegen gab es erneut Widerspruch im Stadtrat.

Der Stadtrat behandelte in seiner jüngsten Sitzung Stellungnahmen zur geplanten Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich der Daimler Straße. Er stimmte, mit zwei Gegenstimmen, dafür, das Projekt weiter voranzubringen. Es handelt sich dabei um eine angepasste Variante, die auch naturschutzrechtlichen Bedenken entgegen kommen soll. Sie kommt ohne eigene Erschließung aus und belässt zur sogenannten Schilcherlinie einen Waldstreifen von mindestens 20 Metern.


Hintergrund ist eine geplante Erweiterung des Gewerbegebiets Nord. Die Stadt und Vertreter der Industrie betonen, sie sei dringend notwendig, um für die weitere Entwicklung der Unternehmen am Standort Waldkraiburg nötigen Platz zu schaffen. Zwei Betriebe wollen sich erweitern. Daneben ist, unter anderem, auch ein Schalthaus der Stadtwerke geplant, um die Stromversorgung für Industrie und Wohngebiet im Waldkraiburger Norden sicherzustellen. Der Stadtrat hatte dafür im Mai des vergangenen Jahres, mit einigem Widerstand, gestimmt. In der Folge kam einiges an Widerstand gegen die Entscheidung auf und auch eine Bürgerinitiative wurde gegründet.

Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich der Daimlerstraße: Naturschutzbehörde meldet Kritik an - Stadt sieht guten Kompromiss


Stadtrat Christoph Arz meldete in der Sitzung am Dienstagabend Widerspruch an. „Die Untere Naturschutzbehörde hat klar gemacht, dass es auch mit dieser Variante noch Probleme gibt“, betonte er. „Die im Vergleich zur ursprünglichen Planung geplante Reduzierung der Gewerbefläche und der Erhalt einer größeren Waldfläche begrüßen wir“, heißt es in der Stellungnahme der Behörde zunächst. „Hierdurch können stärkere negative Auswirkungen auf die natürlichen Schutzgüter, insbesondere Artenschutz, Boden, Wasser und Klima vermieden werden“, so die Untere Naturschutzbehörde“ Dennoch sei auch an dieser Stelle nochmal darauf hinzuweisen, dass die Erweiterung der Gewerbeflächen aus naturschutzfachlicher Sicht kritisch gesehen wird.

„Das Vorhaben wird aufgrund der zu erwartenden Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft kritisch gesehen. Die Fläche ist aktuell im Flächennutzungsplan als Waldfläche dargestellt und fungiert gemäß den Aussagen des Waldfunktionsplanes als lokaler Klimaschutzwald. Die Situation vor Ort würde sich mit Blick auf die natürlichen Schutzgüter vehement verschlechtern. Insbesondere die klimatische Situation würde sich dauerhaft durch die deutliche Rücknahme der Grünzäsur im lokalen Stadtklima bemerkbar machen“, so die Naturschutzbehörde in ihrer Stellungnahme weiter. „Zudem wären insbesondere die Schutzgüter Boden und Wasser durch die hohe Versiegelung stark beeinflusst. Der vorhandene Wald ist im Waldfunktionsplan unter anderem als lokaler Klimaschutzwald dargestellt. Der Wald dient der Frischluftproduktion und als natürliche Frischluftzufuhr unter anderem für das westlich und südlich angrenzende Stadtgebiet. Diese Funktionen gehen vollständig verloren beziehungsweise werden durch die Versiegelung und die Bebauung umgekehrt, sodass eine lokale klimatische Erwärmung und eine Verringerung der Frischluftzufuhr stattfinden.“

Arz: Auch Ausgleichsflächen kritisch zu sehen

„Mit der vorliegenden Planung hat die Stadt Waldkraiburg einen ausgewogenen Kompromiss zwischen den Zielsetzungen, dringend benötigte Gewerbeflächen zu schaffen, einen Standort für ein neues Schalthaus zur Verfügung zu stellen und auf der anderen Seite einen ausreichend breiten Waldstreifen zu den westlich anschließenden Wohngebieten zu sichern“, entgegnete die Stadtverwaltung darauf. „Es wird darauf hingewiesen, dass die vorliegende Planung bereits eine aus naturschutzfachlicher Sicht optimierte Variante darstellt, die ohne eigene Erschließung auskommt und zur sogenannten Schilcherlinie einen Waldstreifen von mindestens 20 Metern belässt. An der Planung wird daher unverändert festgehalten.“

„Auch die angedachten Ausgleichsflächen sind leider keine optimale Lösung“, kritisierte Arz weiterhin. Dazu soll auf dem Gemeindegebiet von Aschau am Inn ein Laubmischwald angepflanzt werden. „Damit greift man wiederum in den bestehenden Waldrand dort ein. Der bestehende Lebensraum dort wird, dadurch das ein neues Waldgebiet vor ihn gesetzt wird, beeinträchtigt. Das hat Auswirkungen sowohl auf die Pflanzen- wie auch die Tierwelt dort.“

hs

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