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Wenige Tage vor Schulbeginn

Keine Lüftungsgeräte in Klassenräumen: Bürgermeister bekräftigt Linie der Stadt Waldkraiburg

Die Wirksamkeit ist umstritten, die Kosten immens: Die Stadt bleibt deshalb bei ihrer Linie, mobie Luftreinigungsgeräte nur in Räumen einzusetzen, die nicht oder nur schlecht belüftet werden können.
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Die Wirksamkeit ist umstritten, die Kosten immens: Die Stadt bleibt deshalb bei ihrer Linie, mobie Luftreinigungsgeräte nur in Räumen einzusetzen, die nicht oder nur schlecht belüftet werden können.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Die Stadt Waldkraiburg bleibt bei ihrer Linie, keine Luftreinigungsgeräte für alle Klassenräume anzuschaffen. Das bekräftigte Bürgermeister Pötzsch kurz vor Schulbeginn im Stadtrat. Dort wurde bekannt, dass einzelne Geräte, die Ende 2020 gekauft wurden, still stehen, weil Filter fehlen.

Waldkraiburg – Auch Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) kennt die Empfehlungen des Umweltbundesamtes und des Städtetages, mit den Luftreinigungsgeräten die Maßnahmen zur Vermeidung indirekter Infektionen zu ergänzen. Trotzdem müsse weiter gelüftet werden, wandte er jetzt im Ferienausschuss des Stadtrates ein, als der die Position der Stadt in dieser Frage bekräftigte. Die Geräte seien in der Praxis nicht ideal, weil zu laut.

Stromnetz könnte zusammenbrechen

Es gebe zudem die Befürchtung, so der Bürgermeister, dass in einigen älteren Schulen das Stromnetz zusammenbrechen könne, wenn zu Unterrichtsbeginn alle Geräte gleichzeitig angeworfen werden. Noch immer sei die Wirksamkeit nicht geklärt. Und es gebe keine eindeutige Vorgaben des Freistaats. „Wir warten weiter ab.“

Anschaffungskosten für Reinigungsgeräte liegen bei 190.000 Euro

18 Geräte hatte die Stadt vor einem halben Jahr für Kita- und Schulräume angeschafft, die nicht oder nur schlecht belüftet werden können. Sie wurden zu hundert Prozent vom Freistaat gefördert. Um alle Klassenzimmer der vier Grundschulen und zwei Mittelschulen zu bestücken, brauche es zusätzlich 107 mobile Luftreiniger.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

Die Kosten dafür belaufen sich nach einem Angebot der Herstellerfirma auf fast 190.000 Euro, die Hälfte müsste die Kommune aufbringen. „Und mindestens einmal im Jahr müssen die Filter gewechselt werden.“ Das koste nach seinen Worten bei insgesamt 125 Geräten noch einmal nahezu 90.000 Euro.

Pötzsch: Schon im nächsten Jahr könnten die Geräte nicht mehr gebraucht werden

So viel Geld will Pötzsch nicht ausgeben für Geräte, die möglicherweise schon in einem Jahr nicht mehr gebraucht werden, weil man mit Impfungen, Masken und „eventuell auch schon mit Medikamenten“ mit dem Virus leben gelernt habe.

Anbau Diesel-Schule schon mit Lüftungsanlage

Eine echte Verbesserung der Luft können nach seiner Überzeugung nur fest installierte Lüftungsanlagen bringen, mit denen dann auch die Temperaturen geregelt werden könnten. Die Nachrüstung aller Schulen sei aber ein Riesenaufwand. „So schnell geht das auch nicht.“ Beim laufenden Anbau der Diesel-Grundschule werde aber bereits ein Lüftungssystem eingebaut. Auch bei weiteren Sanierungen und Neubauten solle dies berücksichtigt werden.

Mittelschul-Rektor akzeptiert Entscheidung der Stadt

Dass die Stadt keine Luftreinigungsgeräte anschafft, mag Alexander Ruß, Rektor der Liszt-Mittelschule, nicht kritisieren. Das sei ein „komplexes Thema“, sagt er. „Es gibt Studien, die sagen, die bringen was, in anderen heißt es: die bringen nichts.“ Die Schule akzeptiere, was die Stadt in dieser Sache entscheide. Im vergangenen Schuljahr habe es keine Eltern gegeben, die gesagt hätten, ihr Kind komme nicht in die Schule, wenn kein Luftreiniger im Klassenzimmer stehe.

Grundschul-Elternbeirat hätte sich Luftreiniger gewünscht

Sebastian Immenroth, Vorsitzender des Elternbeirats der Beethoven-Grundschule, hätte sich die Anschaffung der Luftreiniger gewünscht. Er wisse zwar, dass die Stadt wenig finanziellen Spielraum habe. Trotzdem wirft er die Frage auf: Ist die Sicherheit, dass die Waldkraiburger Kinder in gereinigter Luft lernen mehr wert oder weniger wert als 90 000 Euro?“

Verbesserung nur durch feste Anlagen?

Ob in einem Klassenzimmer ein Luftreinigungsgerät steht oder nicht, hat nach derzeitigem Stand keine Auswirkungen auf die Regeln, auf Testen, Maskenpflicht oder Quarantäne bei Infektionen von Schülern. Das ist für Sebastian Immenroth der entscheidende Punkt: Es muss sicher sein, dass es auch künftig ohne Luftreinigungsgeräte nicht zur Verschärfung der Quarantäne kommt.

Der Elternbeirat stimmt dem Bürgermeister insofern zu: Eine tatsächliche Verbesserung bringen wohl nur feste Anlagen oder Lüftungssysteme. „Die sollten in halbwegs modernen Schulen selbstverständlich sein. Die muss man halt nachrüsten.“

Luftreiniger in Kitas: Einige stehen still, weil Filter fehlen

„Wir haben Luftreinigungsgeräte im Kindergarten, aber ich kann sie nicht mehr anschalten, weil die Betriebsstundenzahl überschritten ist.“ Mit diesen Worten meldete Charlotte Konrad, CSU-Stadträtin und Leiterin der Kita Maria Schutz, im Ferienausschuss akuten Handlungsbedarf an. Da müsse endlich etwas passieren, sagte Konrad, die schon in der Juli-Sitzung des Stadtrates auf das Problem hingewiesen hatte.

Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen kritisiert sie, dass versäumt worden sei, den Kundendienst und den Wechsel der Filter zu regeln. Sie habe keinen Kontakt zu der Firma und könne dies daher nicht selbst übernehmen. 18 Luftreinigungsgeräte hatte die Stadt Ende des vergangenen Jahres für Kita- und Schulräume gekauft, die nicht oder nur unzureichend gelüftet werden können. Unter anderem für Innenräume in der Kita Maria Schutz in Waldkraiburg Süd, zum Beispiel für die Waschräume und den Schlafraum in der Krippe.

Die Geräte seien regelmäßig genutzt worden, so Konrad. Sie seien riesengroß, weshalb es nicht einfach gewesen sei, einen Platz dafür zu finden. Von deren Filterwirkung ist sie überzeigt: „Dort wo sie laufen, schlagen die CO 2-Ampeln jedenfalls nicht an.“

Bürgermeister Robert Pötzsch hat in der Sitzung zugesagt, dass die Stadt baldmöglichst für das Wechseln der Filter sorgen werde. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung hat alle Einrichtungen abgefragt, in denen Geräte stehen.

Das bestätigt Renate Magatsch-Vietze, Leiterin der Kita „Unterm Regenbogen“. Bei ihren drei Geräten sei die Betriebszeit aber noch nicht abgelaufen. Zwei davon stehen in nicht belüftbaren Kellerräumen, die allerdings zuletzt kaum noch genutzt wurden.

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