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Wohnbebauung geplant

Jahre nach Brand in Waldkraiburger Lackfabrik: Investor will Industriebrache entwickeln

Von der Berliner Straße aus sind die Reste der abgebrannten Lackfabrik bis heute zu sehen. Jetzt soll das Areal entwickelt und vorwiegend mit mehrgeschossigen Wohngebäuden bebaut werden.
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Von der Berliner Straße aus sind die Reste der abgebrannten Lackfabrik bis heute zu sehen. Jetzt soll das Areal entwickelt und vorwiegend mit mehrgeschossigen Wohngebäuden bebaut werden.

Seit der Explosion einer Lackfabrik im Jahr 1984 ist nichts passiert auf der Industriebrache an der Bayernbrücke in Waldkraiburg. Jetzt will ein Investor die vergessene Fläche entwickeln.

Waldkraiburg – Er zählt zu den schlimmsten Unglücksfällen der Waldkraiburger Stadtgeschichte: der Brand der Lackfabrik Bösner am 11. April 1984. Reste des Fabrikgebäudes stehen bis heute auf der Industriebrache, die unterhalb der Bayernbrücke beim Einfahren in die Stadt zu sehen ist. 37 Jahre später scheint sich etwas zu tun auf dem Gelände. Die Bebauung des Areals ist Thema in der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am heutigen Dienstag, 9. März.

Eine Baugemeinschaft, der das Areal nach mehreren Eigentümerwechseln mittlerweile gehört, habe das rund 4500 Quadratmeter große Grundstück zwischen Nikolsburger und Berliner Straße zur Bebauung an einen Investor übergeben, sagt Herbert Friedl.

Rund 55 bis 60 Wohneinheiten

Der Architekt ist mit den Vorplanungen betraut. Nach seinen Worten soll an der Bayernbrücke ein Gebäude entstehen, das in Art und Höhe dem Komplex der Stadtbau GmbH auf der gegenüberliegenden Seite der Berliner Straße ähnelt.

Nicht störende Gewerbeeinheiten sollen im Erdgeschoss entstehen, Wohnungen in den Obergeschossen realisiert werden. Dahinter sind drei Wohngebäude, viergeschossig oder 3+D, die sich um einen „grünen Wohnhof“ herum gruppieren. Insgesamt geht es um 55 bis 60 Wohneinheiten. Unter diesem Areal solle eine Tiefgarage gebaut werden.

Der Architekt sieht das Vorhaben ganz im Einklang mit den Zielsetzungen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts, keine neuen Flächen anzugreifen, sondern Brachen und leer stehende Grundstücke im Stadtgebiet zu entwickeln.

Kontaminierter Boden zum Teil schon abgetragen

Aufgrund der Brandkatastrophe im April 1984 war der Boden laut Architekt Friedl kontaminiert. Er sei nach mehrfachen Untersuchungen teilweise abgetragen worden. Bei den letzten Prüfungen sei von den schädlichen Substanzen „nichts mehr bis wenig vorhanden gewesen“. Bei der Baustellenvorbereitung werde aber wie immer in solchen Fällen ein Gutachter dabei sein.

Das Bauvorhaben, das Friedl begleitet, ist Hintergrund für die Änderung des Bebauungsplanes Nr. 65 Teil A für den Bereich zwischen Nikolsburger, Ratiborer, Berliner Straße und Riesengebirgsstraße, die der Ausschuss billigen muss, um das Bauleitplanverfahren in Gang zu setzen.

Flächenutzungsplan soll geändert werden

Der Bereich gehört zu der Fläche, die im Flächennutzungsplan bislang als Mischgebiet, beziehungsweise Allgemeines Wohngebiet ausgewiesen ist und in ein sogenanntes „Urbanes Gebiet“ umgewandelt werden soll. Das Änderungsverfahren läuft bereits.

Architekt Herbert Friedl vor den Resten eines Fabrikgebäudes, in dem einst auch das Jugendzentrum G 12 untergebracht war.

Rückblende: der Brand der Lackfabrik

11. April 1984 gegen 12.40 Uhr mittags: Drei heftige Explosionen schrecken die Bewohner der Berliner Straße auf und fordern ein Großaufgebot der Feuerwehren, die zwei Stunden lang ein Großfeuer bekämpfen müssen, das in einer Lackfabrik an der Bayernbrücke ausgebrochen ist. „Eine der schlimmsten Erfahrungen seiner ganzen aktiven Zeit“ nennt der ehemalige Kommandant Rainer Englmeier dem Einsatz. Er sitzt als 19-jähriger Feuerwehrmann im ersten Fahrzeug, das den Unglücksort erreicht. Die Beamten der benachbarten Polizeiinspektion sehen „mehrere Personen – lebenden Fackeln gleich – aus dem brennenden Fabrikgebäude laufen“, berichtet die Heimatzeitung am nächsten Tag über die Katastrophe. Meterhohe Flammen, starker Rauch und immer neue Explosionen behindern den Einsatz und stellen eine große Gefahr für die Lösch- und Rettungskräfte dar. Drei Menschen, der Inhaber der Fabrik und zwei Mitarbeiter kamen damals ums Leben.

Am 9. März im Stadtentwicklungsausschuss: Großbauten und ein Tinyhaus

Neben dem Projekt zwischen Nikolsburger und Berliner Straße behandelt der Stadtentwicklungsausschuss in öffentlicher Sitzung am heutigen Dienstag, 9. März, eine Reihe von weiteren Bausachen. Erneut geht es um den Vorbescheid auf Errichtung eines Wohngebäudes mit Büroeinheiten in der Komotauer Straße, das im Ausschuss zweimal keine Mehrheit fand.

Ein größerer Geschosswohnungsbau ist Gegenstand einer Anfrage zur Bebauung eines Grundstücks im Grünen Weg. 68 Etagenwohnungen sollen in einem Neubau mit Tiefgarage und Garagen an der Aussiger Straße entstehen.

Im Vergleich dazu ist das Tiny-Haus, das auf einem Grundstück in der Balthasar-Neumann-Straße beantragt wird, ein Miniaturprojekt. Erstmals hat die Bauverwaltung mit einem Tinyhaus in Waldkraiburg zu tun. Diese winzigen Häuschen haben in der Regel eine Wohnfläche zwischen 15 und 45 Quadratmetern.

Weitere Themen betreffen Straßenbaumaßnahmen: die Instandsetzung, beziehungsweise Teilerneuerung der Komotauer Straße (Billigung der Planung), die Erneuerung der Verbindungswege über das Werksgleis an der Böhmerwald-/Riesengebirgsstraße, Enzian-/Birkenstraße und Enzianstraße/Tannenweg (Billigung der Planung) sowie die Erneuerung der Fuß- und Radwegbrücke über die Bahnlinie nach Rosenheim. Wie Carsten Schwunck, Leiter der Bauabteilung, mitteilt, ist die Bahn nicht bereit, sich an den Kosten für eine Anhebung der Brücke zu beteiligen. Der Ausschuss befasst sich mit der Frage, wie es unter dieser Voraussetzung weiter geht. Die öffentliche Sitzung im im Haus der Kultur beginnt um 18 Uhr.

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