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Waldkraiburg: Nachholbedarf wegen geschlossener Bäder

Run aufs Seepferdchen: Die Vereine kommen mit Schwimmkursen kaum noch nach

Schon immer war der Andrang bei den Schwimmkursen der DLRG (hier mit Übungsleiter Ralf Waidmann) groß. Doch nach der pandemiebedingten pause ist die Nachfrage nach einer soliden Schwimmausbildung für die Kinder noch einmal deutlich gestiegen.
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Schon immer war der Andrang bei den Schwimmkursen der DLRG (hier mit Übungsleiter Ralf Waidmann) groß. Doch nach der pandemiebedingten Pause ist die Nachfrage nach einer soliden Schwimmausbildung für die Kinder noch einmal deutlich gestiegen.

Schon vor der Pandemie war die Nachfrage nach Schwimmkursen groß. Doch wegen der Corona-bedingten Bäderschließung gibt es jetzt einen enormen Nachholbedarf.

Waldkraiburg – In den vergangenen Wochen häuften sich Meldungen von Badeunfällen, vor allem an Flüssen und Seen. Das zeigt, wie wichtig es ist, gut schwimmen zu können. Corona hat sich auch da schädlich ausgewirkt. Die Vereine und Verbände in Waldkraiburg tun ihr Bestes, um Kurse nachzuholen. Doch es ist schwer, die Defizite beim Schwimmunterricht in kurzer Zeit aufzuholen.

Eine Saison ist für die Kurse weg gefallen

Wenn es um Schwimmunterricht geht, ist Waldkraiburg eigentlich in einer komfortablen Lage. Es gibt eine Schulschwimmhalle, wo im Winter Unterricht für Klassen und Gruppen erteilt werden kann. Für sie steht das Bad dann exklusiv zur Verfügung. Das Angebot nutzen nicht nur die Schulen und der VfL, sondern auch andere Organisationen. Leider war die Halle seit Mitte Oktober 2020 geschlossen. Eine Saison ist damit für den Schwimmunterricht weggebrochen.

Warteliste bei der DLRG wird immer länger

Dabei waren laut Alexander Fendt, Technischer Leiter im DLRG-Kreisverband, Kurse schon immer schnell ausgebucht. Die Nachfrage sei durch die pandemiebedingte Pause weiter gestiegen, vor allem in den vergangenen zwei Wochen. 60 bis 70 Kinder stehen nach seinen Worten bei der DLRG allein in Waldkraiburg auf der Warteliste. Deren Bufdis und Übungsleiter bringen in normalen Jahren etwa 1000 Kindern im Landkreis das Schwimmen bei.

Wegen Corona: 100.000 Kinder in Bayern hatten keinen Schwimmunterricht

Bayernweit hatten 100.000 Kinder wegen der Bäderschließung in der Coronazeit keinen Unterricht, mahnt die Organisation in einer Resolution zu Erhalt, Neubau und Öffnung der Schwimmbäder in Bayern.

Um die Defizite aufzufangen, haben die Stadtwerke Kurse im Waldbad möglich gemacht. Auch die Sparte Schwimmen im VfL, die Piranhas, engagiert sich, bietet bis August vor allem Anfängerkurse für die Sechs- bis Siebenjährigen an. Weil die dann in die Schule kommen, ist das besonders wichtig.

„Wir hoffen, dass wir einen nahtlosen Übergang in die Schwimmhalle hinbekommen“, ist Ariane Zangl, die Koordinatorin für die Kurse, zuversichtlich. Normalerweise unterrichten die Übungsleiter des VfL etwa 100 Kinder pro Winter im Anfängerbereich. „Das ist zuletzt natürlich ins Wasser gefallen und sehr schwer aufzuholen.“ Immerhin habe man noch anderthalb Monate im September und Oktober hinbekommen.

Stadtwerke machen Sommerkurse möglich

Dass die Stadtwerke ihnen im Waldbad entgegen kommen, um Sommerkurse zu möglichen, darüber ist Zangl sehr froh. „Wir überprüfen auch die Schwimmfähigkeit, wenn Eltern sich nicht sicher sind, ob ein Kind noch sicher schwimmen kann. Immerhin sind die Kinder jetzt sieben Monate nicht ins Wasser gekommen.“ Manche könnten es noch, andere fangen wieder bei Null an, so die passionierte Schwimmerin.

In den Sommerferien Schwimmintensivkurse geplant

Zusätzlich zu Corona gehen bei Kindern körperliche Aktivitäten insgesamt zurück. „Das merkt man auch bei der Wasseraufsicht“, konstatiert Robert Kratzenberg, der selbst Rettungsschwimmer und bei den Stadtwerken für das Waldbad zuständig ist.

Überall, wo es im Landkreis geht, will die DLRG in den Ferien Schwimmintensivkurse anbieten, auch im Waldkraiburger Waldbad – „mehr als in den vergangenen Jahren, um die Ausfälle aufzuholen“, sagt Fendt. Über ein gesondertes Förderprogramm seines Bundesverbandes sollen zusätzliche Kurse möglich gemacht werden. Wie viel im Landkreis geht, kann er noch nicht sagen.

DLRG begrüßt Förderinitiative des Freistaats und warnt vor unseriösen Ausbildern

„Manche werden warten müssen“, meint er im Blick auf die Ankündigung der Staatsregierung, das Frühschwimmerabzeichen „Seepferdchen“ zum Beginn des neuen Schul-, beziehungsweise Kita-Jahres mit einem 50 Euro-Gutschein für alle Vorschulkinder und Erstklässler zu fördern.

„Unser Verband begrüßt diese Initiative natürlich“, betont Fendt. Eltern sollten aber darauf achten, ihre Kinder nur qualifizierten Ausbildern anzuvertrauen, Organisationen wie der DLRG und Sportvereinen, die im Landessportbund (BLSV) organisiert sind. Es sei nämlich zu befürchten, so Fendt, dass „wie bei den Corona-Test-Stationen viele plötzlich sagen: Das machen wir jetzt auch.“

Ohne Training bauen die Muskeln ab: Größte Gefahr an Flüssen und Seen

Die große Gefahr, sagt Ariane Zangl, sei nicht das Schwimmen im Freibad oder gar das Üben unter Aufsicht – da sorgen Trainer und Bademeister für Sicherheit. Die Gefahr sei, dass Menschen in unsichere Gewässer gehen, weil Besucherbeschränkungen ihnen den Zutritt verwehrten.

Das wurde in der Statistik der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft bereits 2020 deutlich. Rund 88 Prozent der Menschen, die ertranken, verloren in Binnengewässern ihr Leben. „Tödlich verlaufende Badeunfälle gibt es fast ausschließlich in natürlichen Gewässern“, bestätigt Robert Kratzenberg von den Stadtwerken. Eltern müssten deshalb ein besonderes Augenmerk darauf haben, rät Ariane Zangl.

Bis die Defizite wieder aufgeholt sind, wird es noch dauern. Denn selbst bei erfahrenen Schwimmern wie der VfL-Übungsleiterin hinterlässt die Zeit ihre Spuren. „Das merkt man an sich selbst, denn die Muskeln bauen ab. Wir haben die Situation so angenommen, wie sie ist – aber wir finden die Auswirkungen schon dramatisch.“

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