Soll zwischen Prießnitz- und Porschestraße entstehen

Umstrittenes Bauprojekt in Waldkraiburg: Das sagen die Anwohner

Ein Ausschnitt des Bebauungsplans für die Porschestraße in Waldkraiburg. Dort soll ein Wohnhaus entstehen, welches für Widerstand bei Anwohnern sorgt.
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Ein Ausschnitt des Bebauungsplans für die Porschestraße in Waldkraiburg. Dort soll ein Wohnhaus entstehen, welches für Widerstand bei Anwohnern sorgt.

Waldkraiburg - Ein geplantes Wohnhaus-Bauprojekt zwischen Prießnitz- und Porschestraße sorgt für Widerstand bei Anwohnern. Die Stadt gibt ihm aber trotzdem ihren Segen.

Update, Montag 31. August: Das sagen die Anwohner


Die folgende Stellungnahme eines Anwohners erreichte unsere Redaktion.

Die Stellungnahme im Wortlaut:


Zu dem Artikel vom 29.08.2020 „Waldkraiburg: Pläne für Wohnhaus sorgen für Widerstand bei Anwohnern“ möchte ich – auch im Namen mehrerer Nachbarn - zu einigen Aussagen von Herrn Schwunck Stellung nehmen.

Aussage 1

Die Abstandsflächen lägen alle auf eigenem Grundstück. „Die gesetzlichen Abstandsflächen zu den Anliegern werden eingehalten, die Abstandsflächen zu einem bestehenden Gebäude werden unterschritten.“

Die Aussage ist so nicht zutreffend. Die Abstandsflächen zu den Anliegern werden nicht eingehalten. Mein Fachanwalt hat mehrfach in Briefen an das Bauamt detailliert mehrere Punkte aufgelistet, wo die Bestimmungen der Bayerischen Bauordnung nicht eingehalten werden. Zu diesen Schreiben habe ich bis heute keine Stellungnahme erhalten.

Aussage 2

Aus städtebaulicher Sicht könne die kompakte Bebauung aufgrund der zentralen Lage und dem generellen Ziel der sparsamen Bodennutzung toleriert werden. Die „kompakte Bebauung“ würde dazu führen, dass zwischen den Blöcken wegen der Tiefgaragen-Einfahrt, den Müll- und Fahrrad-Häuschen und dem Feuerwehr-Anfahrtsweg nicht mehr viel freie Fläche übrig bleibt. Die Bebauung wäre aufgrund ihrer Massivität erdrückend. Da ein Bild mehr sagt als 1.000 Worte, füge ich einen Ausschnitt aus dem Bebauungsplan Nr. 126 von 2019 bei, in dem der Neubau schwarz markiert ist. Mit 1 Km Entfernung zum Rathaus halte ich die Lage sicher nicht für zentral, das Grundstück grenzt unmittelbar an das Industriegebiet.

Aussage 3

„Nach Ansicht der Anwohner ist das Gebäude zu massiv und sie bemängeln den erwähnten Verstoß bei den Abständen“, so Schwunck. „Allerdings werden die Abstände zu den Beschwerdeführern eingehalten. Sie werden nur bei einem Gebäude der Stadtbau unterschritten, das vor einigen Jahren dort gebaut wurde. Die Stadtbau wird das allerdings akzeptieren." Die Ausmaße des Baus seien zwar beachtlich, allerdings sowohl stadtplanerisch als auch baurechtlich noch akzeptabel.

Durch Wiederholung, dass „die Abstandsflächen .... eingehalten werden“, wird diese Aussage nicht richtiger. Dass die Stadtbau die Unterschreitung akzeptieren wird, ist irrelevant. Bei Neubauten sind auch innerhalb eines Grundstückes die Bestimmungen für die Abstandsflächen einzuhalten. Nebenbei, der bestehende Wohnblock wurde bereits vor über 40 Jahren errichtet.

Der bedenklichste Punkt in der ganzen Angelegenheit ist in der Aussage 3 versteckt. In den bisher ausgelegten Bebauungsplänen tritt die Stadt Waldkraiburg als Bauherr und als genehmigende untere Baubehörde auf. Wenn die Stadtbau Waldkraiburg GmbH als Bauherr auftreten sollte, ändert sich an dieser Konstellation nichts, da diese Firma der Stadt gehört. Ist es daher eine Überraschung, das die Stadt die kompakte Bebauung toleriert, die Ausmaße des Baus noch akzeptiert, die Bunkerreste im Boden verharmlost und die Stellplatz-Problematik wohlwollend betrachtet ?

Es geht hier nicht um Kritik oder um Bedenken, sondern darum, dass die vorgesehene Bebauung nicht gesetzes-konform ist. Die Realisierung würde zusätzlich bedeuten, dass damit ein Referenzfall entsteht, um weitere viergeschossige Wohnblöcke direkt neben Einfamilien-Häusern zu bauen.

Eine zweigeschossige Bebauung oder der Bau von Reihenhäusern wäre nach der Bayerischen Bauordnung zulässig. Vielleicht sollte die Stadt das einmal überdenken.

Erstmeldung, Samstag 29. August: Bauprojekt sorgt für Widerstand

Der Ferienausschuss des Waldkraiburger Stadtrats befasste sich in seiner jüngsten Sitzung mit Stellungnahmen zu einem geplanten mehrstöckigen Wohnhaus im Bereich zwischen Prießnitz- und Porschestraße. Am Ende sprach er dem Projekt, trotz Beschwerden von Anwohnern seine grundsätzliche Zustimmung aus. Nur denkmalschutzrechtlichen Bedenken hinsichtlich möglicher Bodendenkmäler soll noch nachgegangen werden. Der Bebauungsplan soll in dieser Hinsicht noch einmal angepasst werden.

Anwohner haben Beschwerden gegen geplantes Wohnhaus zwischen Priesnitz- und Porschestraße

„Der Eigentümer beabsichtigt, das Grundstück mit einem drei- bis viergeschossigen Gebäude mit Tiefgarage zu bebauen“, so Carsten Schwunck, Leiter der Abteilung für Bau und Stadtentwicklung gegenüber innsalzach24.de. „Ein Großteil der Wohnungen ist als Maisonette-Wohnungen mit eigenem Eingang vorgesehen und erweitert damit vor allem das Angebot an junge Familien. Insgesamt sollen etwa 19 Wohneinheiten entstehen.“

Die Abstandsflächen lägen alle auf eigenem Grundstück. „Die gesetzlichen Abstandsflächen zu den Anliegern werden eingehalten, die Abstandsflächen zu einem bestehenden Gebäude werden unterschritten.“ Aus städtebaulicher Sicht könne die kompakte Bebauung aufgrund der zentralen Lage und dem generellen Ziel der sparsamen Bodennutzung toleriert werden. „Der Planentwurf lag erneut öffentlich aus. Auch diesmal wurden Seitens der Anlieger Bedenken gegen die geplante Bebauung geäußert.“

„Nach Ansicht der Anwohner ist das Gebäude zu massiv und sie bemängeln den erwähnten Verstoß bei den Abständen“, so Schwunck. „Allerdings werden die Abstände zu den Beschwerdeführern eingehalten. Sie werden nur bei einem Gebäude der Stadtbau unterschritten, das vor einigen Jahren dort gebaut wurde. Die Stadtbau wird das allerdings akzeptieren." Die Ausmaße des Baus seien zwar beachtlich, allerdings sowohl stadtplanerisch als auch baurechtlich noch akzeptabel.

Auch in Mühldorf Konflikt um großes Wohnhaus-Bauprojekt

Auch in Mühldorf ging es vor einer Weile um ein umstrittenes Wohnhaus-Bauprojekt. Anfang November 2019, hatte sich der dortige Stadtrat noch mit einem Mehrfamilienhaus beschäftigt, dass an der Ernst-Thun-Straße entstehen soll. Die Stadtverwaltung hätte dem Bau gerne einen Riegel vorgeschoben, weil dieser auf Grund seiner enormen Ausmaße ihrer Ansicht nach einen nicht gewünschten Auswuchs darstellte.

Die Mehrheit des Rats stimmte aber schließlich dagegen, ein Exempel zu statuieren. Stattdessen werden nur ähnliche Bauten in der Zukunft untersagt.

hs

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