Vernehmungsvideos im Islamistenprozess

„Da sollte nichts mehr stehen bleiben“ – der „Bombenleger“ von Waldkraiburg im Polizeiverhör

„Ich wollte Imame erschießen.“ Ganz locker erzählte Islamist Muharrem D. bei einer Vernehmung im Mai 2020 von seinen Plänen. Im Prozess wurden jetzt die Videos davon gezeigt.
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„Ich wollte Imame erschießen.“ Ganz locker erzählte Islamist Muharrem D. bei einer Vernehmung im Mai 2020 von seinen Plänen. Im Prozess wurden jetzt die Videos davon gezeigt.

Wie er sich radikalisierte, wie er blutige Videos des IS schaute – und schließlich selbst Feuer legte: Darüber berichtete Muharrem D. bei den Vernehmungen der Polizei im Mai 2020. Videos davon wurden am Donnerstag im Islamisten-Prozess vor dem Oberlandesgericht vorgespielt.

Waldkraiburg – Es sind viele Stunden, die Muharrem D. am 13. Mai 2020 bei der Polizei aussagt. Im grauen Pulli, mit weißen Handschuhen, fast kahlgeschoren sitzt er den Beamten gegenüber und erklärt, wie aus seiner Sicht alles ablief.

Wie er sich radikalisierte, wie er blutige Videos des IS schaute – bis er selbst Feuer bei türkischstämmigen Bürgern in Waldkraiburg legte. Am Donnerstag wurde das Vernehmungsvideo am Oberlandesgericht München vorgespielt, wo sich der 26-jährige verantworten muss.

Radikalisierung durch blutige Videos

Der Angeklagte wirkt ganz lässig, als er mit den Polizisten spricht, aber auch ein wenig abgedriftet. Frei von der Leber weg, wie bei einem Treffen mit Freunden, packt er über seine kriminellen Pläne aus. Erst sei er immer gläubiger geworden, sagt er, habe sich mit dem Islam beschäftigt, habe im Ramadan gefastet, „so wie die Alten“.

2017 sei er dann zum Islamischen Staat (IS) gekommen. Der Grund: Die vielen Videos, die er im Internet sah. „So wurde ich radikalisiert, indem ich viel Blut sah.“

Der Angeklagte: Mit zehn Kilo Nitroglyzerin sollte Kölner Moschee gesprengt werden

Im Video fragt ihn die Polizei, wieso er sich eine Beretta zugelegt habe. Seine lockere Antwort: „Ich wollte damit Imame erschießen.“ Die Waffe habe er für 250 Euro von einem Schwarzafrikaner gekauft, dazu Munition für 50 Euro. Zufällig sei er im Internet darauf gestoßen. Eigentlich habe er nach Nitroglyzerin gegoogelt. „Ich hatte die Moschee in Köln im Blick.“

Zehn Kilo Nitroglyzerin wollte er dort nach eigener Angabe zünden. „Zehn Kilo?“, fragt ein Polizist, „da steht ja im Umkreis von 500 Metern nichts mehr.“ D. nickt. „Ja, sehr gut. Da sollte ja auch nichts mehr stehen. So wie der Gemüseladen in Waldkraiburg. Da ist jetzt auch nichts mehr.“

D. berichtet in Polizeivernehmung von zehn Anschlagszielen

Die Moschee in Köln sei „sehr schön gebaut“, erzählt er, da könne man mit dem Auto eine Rampe hinauffahren. Sein Szenario: Oben angekommen hätte er einen Feuerlöscher mit Nitroglyzerin reingeschmissen, eine Zündschnur angezündet – „und ab, sich irgendwo verkriechen“. Nach der Explosion „kann man sich sogar dazustellen“. Insgesamt, so sagt D., habe er zehn Objekte im Blick gehabt: Ditib-Moscheen, das türkische Generalkonsulat in München. „Der Drang war da, die Motivation, die Kraft. Ich war gesund.“

Der Prozess dauert an. Er ist bis Ende August terminiert.

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