Neuer Chef mit viel Schulerfahrung

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Seit 1986 hat Raimund Burger - so wie hier die 14-jährige Johanna Berger - viele Musikschüler in Blechblasinstrumenten unterrichtet, jetzt spielt er als neuer Leiter "die erste Geige" an der Sing- und Musikschule Waldkraiburg.

Waldkraiburg - Er unterrichtet seit über einem Vierteljahrhundert Blechblasinstrumente und Keyboard an der Sing- und Musikschule. Jetzt übernimmt Raimund Burger ihre Leitung.

Er unterrichtet seit über einem Vierteljahrhundert Blechblasinstrumente und Keyboard an der Sing- und Musikschule. Raimund Burger kennt die städtische Einrichtung also gewissermaßen wie seine Westentasche, er weiß, was ihn erwartet, als neuer Schulleiter und Nachfolger von Franz Christmann.

Eins hat Raimund Burger gewiss nicht vor. Alles umkrempeln wird der Neue nicht. Er übernehme eine gut geordnete Musikschule, sagt er. Sein Vorgänger Franz Christmann, der Burger noch vor Abschluss des Studiums am Richard-Strauss-Konservatorium in München 1986 an die Schule brachte, habe alles bestens organisiert. Vieles, was bereits in den vergangenen Jahren eingeführt und angestoßen wurde, will der neue Chef deshalb fortsetzen und weiterentwickeln.

So will sich die Musikschule Waldkraiburg verstärkt Menschen mit Behinderungen öffnen. Für sie sei Musizieren eine große Bereicherung, sagt der neue Leiter. Vereinzelt werden schon jetzt Schüler mit motorischen Einschränkungen oder ADHS unterrichtet. Eine Fortbildung für alle Lehrkräfte zu diesem Thema wurde sehr positiv aufgenommen. Einige Lehrkräfte werden sich auf diesem Gebiet weiter fortbilden, um ihre Kollegen zu schulen.

Auch das Musikinstrumentenkarussell in den Grundschulen wird sich im Januar weiter drehen. 29 Kinder in drei Gruppen nehmen laut Burger die Gelegenheit wahr, in ihrer Schule zahlreiche Instrumente kennenzulernen und später vielleicht den Unterricht an der Musikschule besuchen. "So weit wie möglich wollen wir die Zusammenarbeit mit den Grundschulen suchen und verstärken", sagt der 51-Jährige. Da sei keine Konkurrenz, sondern viele Möglichkeiten, miteinander zum Wohle der Kinder beizutragen.

"Jedem Kind seine Stimme"

Ein weiteres Beispiel ist "JEKISS". "Jedem Kind seine Stimme", das bedeutet diese Abkürzung, ist ein Projekt, das beim Bayerischen Musikschultag vorgestellt wurde und andernorts bereits mit Erfolg praktiziert wird. Es trägt der Bedeutung regelmäßigen Singens für die Entwicklung von Kindern Rechnung. Musikschulen bieten deshalb Grundschullehrern an, gemeinsam ein Repertoire an Liedern und Bewegungsübungen aufzubauen, das sie im Unterricht einsetzen, zum Beispiel zur Auflockerung, wenn die Konzentration nachlasse, so Burger. Ein weiteres Angebot der SMS, bei den Schulfesten mit Instrumentalensembles aufzutreten, wurde recht positiv aufgenommen. Der neue Musikschulleiter freut sich über eine erste Einladung zum Sommerfest der Beethovenschule im Juni. Denkbar sei auch, dass eine Lehrkraft der Musikschule an einer Grundschule einen Chor leitet.

"Viele Kinder können nicht mehr singen, haben kein Rhythmusgefühl", beobachtet er. "Man muss ihnen alles von Grund auf beibringen." In Familien werde heute viel weniger gesungen als früher, bedauert der Musikschulleiter, der selbst noch unter ganz anderen Bedingungen aufwuchs. Bei Burgers daheim wurde das Liedgut gepflegt.

Der Vater spielte darüber hinaus Trompete, wollte seinem Sohn aber ein Akkordeon als erstes Instrument verordnen. Bei Raimund kam er damit nicht durch. Trompete, so wie ein Musiker aus dem Dorf, der ihn mächtig beeindruckte, wollte der lernen - oder gar nichts. Mit Hilfe des Großvaters setzte er sich durch und nahm Unterricht "bei meinem Idol".

Drei Jahre später stieg der Jugendliche auf Posaune um, jenes Instrument, dem er auch im Studium am Konservatorium treu blieb. Schon damals gab er Unterricht, um nebenher Geld zu verdienen, und fand große Freude daran. Freude macht ihm das Unterrichten bis heute. Jeder Schüler sei anders, jedes Kind brauche eine andere Methodik. Und wenn es dann gelingt, "dass ein Schüler umsetzt, was ich ihm sage, wie er spielen soll", dann sei das fast "wie Weihnachten und Ostern zusammen. Es gibt nichts Schöneres."

Weniger Zeit für den Unterricht

Seit Raimund Burger 1986 die ersten vier Blechbläser an der SMS übernahm, hat er viele weitere an Posaune, Trompete, Tuba, Tenor- und Althorn herangeführt, auch Keyboard-Unterricht erteilt.

Die Keyboard-Schüler musste er wegen der neuen Aufgaben abgeben, auch einige Blechbläser. Nur noch 16 Stunden stehen für Unterricht zur Verfügung, der größere Teil seiner Arbeitszeit gehört Leitungs- und Verwaltungsaufgaben. Jetzt muss er sich zum Beispiel der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben zum Lärmschutz an Musikschulen widmen. Ab 85 Dezibel ist Gehörschutz vorgeschrieben, müssen Musiklehrer regelmäßig zur ärztlichen Untersuchung. Bei Blechblasinstrumenten, Gesang oder Schlagzeug kann es über diesen Wert gehen. Raimund Burger hält diese Vorgaben nicht für Gängelei von Bürokraten, sondern - aus eigener Erfahrung - für sehr sinnvoll.

Bei allen organisatorischen Aufgaben, "das eigene Musizieren fällt nicht weg", so Burger, dessen Frau Agnes seit vielen Jahren an der Schule Gesang unterrichtet. Der Vater von drei Kindern spielt gerne gemeinsam mit seinen beiden Töchtern und probt derzeit mit seiner Kollegin Lorita Dallmayr (Klavier) ein "spanisches Stück". Es könnte einmal Teil eines Lehrerkonzerts werden, das er anstrebt. Der Musikschulleiter hilft bei der Blaskapelle des Musikvereins und - wenn Not am Mann ist - auch bei der Orchestergemeinschaft aus, die beide sein Stellvertreter in der Schule, Ferenc Selim Beneleitet.

"Wir suchen immer Mitspieler", rührt er die Werbetrommel, besonders auch für "seine" Jugendblaskapelle, die Burger seit Anfang der 90er-Jahre mit großem Engagement leitet.

Mit einer neuen Lehrerin, die seit kurzem zum 16-köpfigen Kollegium gehört, soll eine zweite Popband an der Schule aufgebaut werden, um die vielen Sängerinnen und Sänger begleiten zu können. "Es fehlt noch ein E-Bassist oder eine E-Bassistin." Er habe den "Kopf voller Ideen", so der Schulleiter. Ach ja, alle zwei, bis drei Jahre würde er mit den Kollegen gerne ein Musical, eine Oper aufführen. Der große Erfolg des Bresgen-Stücks "Der Igel als Bräutigam" hat Lust auf mehr gemacht. Solche Projekte seien wichtig für das Profil einer Schule. "Man wird ganz anders wahrgenommen. Viele Leute glauben gar nicht, dass eine Musikschule in der Lage ist, auf so hohem Niveau zu musizieren."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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