Kinder belästigt - 4800 Euro Strafe

Kraiburg/Mühldorf - Er saß zur "Schulbuszeit" in seinem Garten und onanierte vor vorbeikommenden Schülern. Seinen Standort verlagerte er zur Mittagszeit zwar ans Fenster, aber Kinder gingen immer noch vorbei.

Lesen Sie hier den Originalbericht aus dem Mühldorfer Anzeiger:

Mann onanierte vor Schulkindern

Ein attraktiver Mittdreißiger mit Doktortitel hockte sich Anfang Oktober vergangenen Jahres nackt in seinen Garten und onanierte vor den vorbeikommenden Schulkindern, die auf dem Weg zum Schulbus waren. Zur Mittagszeit stand er nackt am offenen Fenster und fummelte wieder an sich herum, als die Schulkinder zurückkamen. Er wurde wegen sexuellen Handlungen vor Kindern zu 4800 Euro Geldstrafe verurteilt.

Der Angeklagte ist ein attraktiver und gepflegter Mann mit graumelierten, kurz geschnittenen Haaren. Zur Verhandlung trägt der 36-Jährige Hemd und Rautenpullover. Der Mann hat eine Lebensgefährtin, sie ist Ärztin. Der Platz neben ihm auf der Anklagebank bleibt leer. Auf einen Anwalt verzichtet der Kraiburger.

Anfang Oktober hat sich der promovierte Betriebswirt, der derzeit arbeitslos und verschuldet ist und auf eine Anstellung als Hochschuldozent wartet, eine eklige Peinlichkeit geleistet.

Um halb acht Uhr morgens setzte er sich nackt in seinen Garten, der sich nahe einer Bushaltestelle befindet und onanierte zwischen den Büschen. Die Schulkinder, die auf dem Weg zum Bus an seinem Gartenzaun vorbeikamen, sahen ihn in Aktion.

Als die Schüler um halb zwei nach der Schule wieder vom Bus heimgingen, stand der Betriebswirt am offenen Fenster und onanierte wieder sichtbar.

Vor Jugendschutzrichter Heinrich Ott am Amtsgericht Mühldorf räumt er die Sache im Kern ein. Es handelt sich um eine Form von Kindesmissbrauch, genauer: sexuelle Handlungen vor Kindern. "Ich weiß nicht, was mich da geritten hat und ich weiß dass es falsch war", räumt der Angeklagte sofort ein, als ihm das Wort erteilt wird. Er habe sowas vorher noch nie gemacht, die Sache sei ihm höchstpeinlich und er habe sich bei den Jungen, die ihn gesehen hatten, bereits entschuldigt.

Er habe nicht gezielt Schulkinder erschrecken wollen und habe keine pädophilen Neigungen. "Vielleicht fand ich es in dem Moment cool, es war der Kick, nicht entdeckt zu werden", beschreibt der Mann seine Intention. Außerdem sei seine Lebensgefährtin acht Tage geschäftlich unterwegs gewesen und vielleicht hätte sich da einiges angestaut. Sie habe ihm verziehen und die beiden wollen demnächst heiraten.

Die Staatsanwältin dagegen glaubt, dass es ihm gerade darum ging, von den Schulkindern gesehen zu werden, um den Kick, entdeckt zu werden. Gesehen haben den Vorfall mehrere Schüler, alle so um die elf bis 13 Jahre. Drei Buben sind als Zeugen geladen und berichten, was sie gesehen haben.

"Ich war erschrocken, sowas passiert doch normal nicht", sagt Florian S. (Namen der Zeugen von der Redaktion geändert). Zum Glück sei der Vorfall bei dem 13-Jährigen und seinen Spezln kein Thema mehr.

Zeuge Tom T. (12): "Ich fand das eklig und schaute gleich wieder weg. Manche kicherten, aber wir fanden das nicht so witzig." Angst habe er aber nicht gehabt. Den Ekel beschreibt auch der elfjährige Peter S.

Florian S. berichtet auch von dem Vorfall am offenen Fenster. Weil der Angeklagte ziemlich groß ist, konnte ihn der Bub mit der Hand manipulieren sehen, allerdings soll der Mann nicht direkt am Fenster gestanden haben, sondern etwas davon entfernt.

Der Vorfall am Fenster wird eingestellt. Richter Ott und die Staatsanwältin sind sich einig, dass dabei keine wesentlich höhere Gesamtstrafe rauskomme. Der gravierendere Fall sei ohnehin der am Gartenzaun gewesen.

Die Staatsanwältin macht in ihrem Plädoyer, in dem sie eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten fordert, klar, dass sich der Angeklagte die beste Schulbuszeit ausgesucht habe. Sie glaubt, es habe ihn erregt, als ihn die Kinder entdeckten. Eine saftige Geldauflage von 2500 Euro schweben ihr auch noch vor.

Richter Ott verkündet das Urteil: 4800 Euro Geldstrafe. Ott glaubt an eine einmalige Entgleisung und sieht keine "kindsverderberischen Neigungen". Positiv wirkt sich auch aus, dass der Angeklagte alles einräumte und nichts beschönigte. Die Kinder hätten sich von dem Schreck erholt und sie wissen "das war in höchstem Maße schräg." Dagegen kann der Verurteilte nichts sagen.

kla/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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