Museumsdepot statt Kalter Krieg

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1989 wurde der Luftschutzkeller wegen des Kalten Krieges gebaut. Das Bild zeigt den Grundriss des Schutzraums.

Waldkraiburg - Ausgerechnet noch 1989 wurde der Luftschutzkeller unterhalb des Hauses der Kultur fertiggestellt. Heute dient dieser als Museumsdepot.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 war es vorbei mit der Drohkulisse eines Atomangriffes und die Räumlichkeiten wurden - wie auch heute noch - als Museumsdepot genutzt.

Alt-Bürgermeister Jochen Fischer erinnert sich noch gut an den ersten Bauabschnitt "Haus der Kultur", der 1989 fertiggestellt wurde und mit ihm der Luftschutzkeller. Fischer hatte schon in den 80ern die Vision eines großen Saales, ließ seine Kontakte zur Strauß-Tochter Monika Hohlmaier spielen. Und rang ihr sogar eine schriftliche Zuschuss-Zusage ab, die er später als Trumpf aus dem Ärmel zog, als Säle eigentlich nicht mehr staatlich gefördert wurden. Einzige Auflage: Ein Luftschutzkeller für 240 Personen musste gebaut werden, um beim späteren zweiten Bauabschnitt eine Förderung für den großen Saal zu bekommen.

"Bei dem Wort ,Luftschutzkeller' war ich gar nicht begeistert. Es löste unangenehme Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg aus", erzählt der Alt-Bürgermeister. Aber die Angst vor Raketen, Atomangriffen und Aufrüstung sei damals durch die Bundesrepublik gegeistert. 1987 begannen die Bauarbeiten.

Gebraucht wurde der Luftschutzkeller, der einer der größten im Landkreis sein soll, zum Glück nie. Auch nicht für einen anders gearteten Katastrophenfall, etwa einen Chemieunfall. Fischer "missbrauchte" den Keller schon damals als Lager für sein Glasmuseum - auch heute dient er als Museumsdepot.

Eindrücke vom Luftschutzkeller

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Der Schutzraum, der Eigentum des Bundes ist, wird nach wie vor als solcher geführt und gewartet, weiß Stefanie Backes, Sprecherin der Stadt Waldkraiburg, zu berichten. Innerhalb einer 72-Stunden-Frist müsste der Schutzraum unter dem Haus der Kultur im Ernstfall bezugsfertig gemacht werden. In Waldkraiburg gibt es noch weitere offizielle Schutzräume: Unter der Feuerwehr können 299 Personen Zuflucht suchen und bei der Firma Schönfelder ist Platz für 176 Menschen, so Backes.

Ein Gerücht, nach dem eine Liste existiert haben soll, wer im Fall des Falles dort unten Zuflucht finden darf - nämlich die Vertreter der lokalen Politik - hält sich hartnäckig, lässt sich aber nicht belegen. Laut Alt-Bürgermeister Fischer seien die Räunlichkeiten für die Allgemeinheit gedacht gewesen. "Im Kriegsfall galt stets: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. War der Bunker voll, wurden die Türen verriegelt."

Das Museumsdepot befindet sich nun also selbst in einem Museum, denn die Schutzanlagen, Luftfiltersysteme und etwa Panzertüren, die von der Angst vorm Kalten Krieg zeugen, sind noch heute vorhanden und funktionsfähig.

"Eigentum des Bundes"

Peter Hegwein, Leiter der Kulturabteilung, beschäftigte sich intensiv mit alten Akten und Plänen und machte zusammen mit Veranstaltungsleiter Hansjörg Malonek und Museumsleiterin Elke Keiper eine kleine Zeitreise. Er zeigte seinen Kollegen viele Details, die schnell zu einer Diskussion über die Absurdität des Ganzen führte.

"Solche Schutzräume erzeugen die Illusion, dass ein Leben nach einer Atomkatastrophe möglich wäre", stellte Keiper fest. Würde es heutzutage eine vergleichbare Bedrohung geben, müsste die Kunst weichen, um Menschen zu retten, überlegte Keiper.

Der Luftschutzkeller besteht aus vier Räumen - zwei Aufenthaltsräumen, einem Lager- und einem Filterraum. Die Schutzanlage wird durch eine 30 Zentimeter dicke Stahltüre gesichert - am Hauptzugang, wie auch am Hintereingang, der über die Freitreppe zu erreichen ist. Der Vorraum ist auf einem Plan, der an der Wand hängt, als "Aufenthaltsraum" gekennzeichnet. Dort sind ein Wasseranschluss und etwa eine Küchenzeile zu finden - zwischen Stellwänden und Verpackungsmaterial, das zum Stadtmuseum gehört, denn der Luftschutzkeller wird als Lagerraum genutzt. Dicke blaue Plastikvorhänge trennen eine Raumecke ab - dort sollten wohl die Campingtoiletten aufgestellt werden, die im Lager in den Regalen noch originalverpackt liegen. Im großen Aufenthaltsraum gibt es auch so eine abtrennbare Zone - laut Plan für die Verletzten.

Hier stehen große Lüfter, die notfalls per Hand betrieben werden können, wenn der Strom ausfällt. So kann gefilterte Luft, die durch die Staub- und Raumfilteranlage im Nebenraum wandert, in den großen Raum gepumpt werden. Auch hier stehen Museumsgegenstände, Kisten mit Exponaten oder Gemälde zwischen den Relikten des Kalten Krieges.

Der Filterraum ist mit einem sogenannten Sandkasten - einem betonierten Staubfilter - ausgestattet.

Im Lager liegen in Regalen Kartons mit großen Raumfiltern aus dem Jahr 1988, Camping-Toiletten, verpackte Feldbetten. Eine Werkbank mit Werkzeug, Küchenhelfern, schnell bindendem Zementpulver, Mehrzweckfett, Stahlwolle und etwa Schaufel und Besen steht unbenutzt an der Wand. Ein Dräger-Gasdetector mit Kohlenmonoxid-Prüfröhrchen in einem schwarzen Etui ist wie neu.

Auf jedem noch so kleinen Utensil ein Stempel mit der Aufschrift "Eigentum des Bundes". Die Absurdität dieser ganzen Idee setzt sich in der Inventarisierung des Kleinkrams fort.

In einer Mappe liegt die vergilbte Betriebsanleitung für den Schutzraum, hinter der Tür befindet sich ein Ausführungsplan des Lüftungssystems. Der Luftschutzbunker hat auch einen Hintereingang. Über die Außentreppe gelangt man in eine Schleuse - sofern die Menschen, die sich bereits im Bunker befinden, den Klingelton hören. Der ganze Ort ist natürlich nicht rollstuhlgerecht.

Und bei Tageslicht und nach den Neunzigern betrachtet auch nur ein Zufluchtsort für sehr kurze Zeit. Die 3000-Liter-Wassertanks sind zwar auf den Plänen vorhanden, existieren aber nicht. Es gibt auch keine Lagerräume für Lebensmittel.

Malonek und Hegwein versuchen interessehalber die schwere Stahltür zu bewegen - was ihnen keinen Millimeter weit gelingt. Schulterzucken. "Wir sind halt keine Kalten Krieger", lautet Hegweins nüchterner Kommentar. Na zum Glück.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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