Die Lebenskraft der Gärten nutzen

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"Lebende Legenden" in Fragen des Gartenbaus: Zum intelligenten Pflanzenschutz im Garten sprach im voll besetzten Saal sehr humorvoll Josef Kraus. Mit großer Spannung war der Vortrag des Tirolers Rupert Mayr zum Thema "Der Garten übers Jahr" erwartet worden, dessen Bekanntheit sich vor allem auf seine großen Erfahrungen in der Erziehung gärtnerischen Nachwuchses gründet.

Waldkraiburg - Auf großes Interesse stieß das Garten-Seminar des Mühldorfer Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege.

Das Garten-Seminar des Mühldorfer Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege war die erste derartige Veranstaltung, die mit rund 200 organisierten wie interessierten Gartenfreunden im proppenvollen kleinen Saal des Hauses der Kultur großen Zulauf fand.

Sechs hochkarätige Referenten beackerten ein recht breitgefächertes Themenfeld. Den meisten Besuchern waren die Experten bisher nur von ihren Buchveröffentlichungen her bekannt, nur einzelne von Vorträgen in den Gartenbauvereinen. So waren alle überaus gespannt, zum Teil "lebende Legenden" - wie sie Kreisverbandsvorsitzende Anita Leukert nannte - live zu erleben.

Josef Kraus, ehemals im Landwirtschaftsamt Erding tätig, ist eine solche "Legende". Er beschäftigte sich jahrzehntelang professionell mit seinem Vortragsthema "Intelligenter Pflanzenschutz im Garten". Das gab ihm eine gewisse heitere Gelassenheit, die er auch den Gartenfreunden im Umgang mit Schädlingen ans Herz legte. Entgegen der in einem alten "Kampfbuch gegen Ungeziefer und Pilze" propagierten Grundsätze plädierte er für ein Gärtnern im Einklang mit der Natur, gegebenenfalls unter Verzicht auf einen Teil des Ertrages. "Chemie brauchen wir nicht!" erklärte er seine prinzipielle Haltung.

Der Fachmann sprach sich für den umfassenden Schutz des Bodens aus, für dessen Regenerierung er fünf Liter Kompost pro Quadratmeter und Jahr empfahl. Für die Frühjahrsbestellung der Beete reiche ein "altes Misthackl" und der Holzrechen, denn "einmal hacken ist gleich dreimal gießen", meinte Kraus. Außerdem erläuterte er wichtige Kulturmaßnahmen im Gemüsegarten, wie kluge Sortenauswahl, geeignete Pflanztiefe, Abstandshaltung, Pflanzung in Mischkultur sowie den Einsatz von Nützlingen und einfachen Pflanzenschutznetzen gegen Schädlinge. Abschließend äußerte er sich noch zu den Vorzügen von Hochbeeten, die - eventuell noch mit Folie beziehungsweise Flies überspannt - einen mehrfach höheren Ertrag als auf den sonst üblichen Beeten versprächen.

"Pflanzen lieben sanfte Medizin", war sich die nächste Referentin Meta Zähringer sicher und machte die Seminarteilnehmer mit homöopathischen Mitteln zur vorbeugenden Pflanzenstärkung vertraut. Diese brächten für die Sämlinge zum Beispiel optimale Startbedingungen und für die Pflanze eine bessere Durchwurzelung. Anhand von Versuchsergebnissen schilderte die Rednerin, wie durch homöopathische Elixiere das Immunsystem der Pflanzen gestärkt, Pflanzenschutzmittel reduziert und letztendlich umweltverträglicher produziert werden könne.

Klaus Körber von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim ist seit Langem mit dem Rosen- und Clematis-"Virus" infiziert und versuchte seine Begeisterung auf sein Publikum zu übertragen.

Danach beschäftigte sich der Diplom-Ingenieur für Landschaftsplanung Steffen G. Fleischhauer aus Freising mit dem unerschöpflichen Thema der essbaren Wildpflanzen. Neugierig und ein wenig skeptisch hörten die Zuhörer aus seinem Munde von nährstoffreichen Köstlichkeiten, unter anderen Vogelbeerschokolade, Ahornblütensalat, Kaffee aus gerösteten Hagebutten, Eichelmus, die er selbst wie auch europäische Topköche inzwischen schätzen gelernt haben. Seine Absicht bestand jedoch darin, für den Anfang den Anwesenden die Verwendung von einfachen Gartenunkräutern, wie Giersch oder Brennnessel, nahezubringen.

Mit besonderer Spannung wurde der Vortrag einer weiteren lebenden "Gartenlegende" erwartet - Rupert Mayr. Er machte sich als erfahrener Gartenliebhaber und Lehrer in seiner Tiroler Heimat gerade bei der ganzheitlichen Erziehung der jungen Generation zum nachhaltigen Umgang mit der Natur einen Namen. Bekannt als Initiator des größten Schulgartens Österreichs, brach er auf dem Garten-Seminar eine Lanze für den "Garten als Bollwerk der Gesundheit", der unverfälschte Nahrungsmittel liefere und dessen Bewirtschaftung ebenso ein "Bad für die Seele" bedeute. Damit der Garten auch künftig ein Paradies bleibe, brauchten die Kinder mehr Kontakt zur Natur und die Gartler mehr Erfahrungsaustausch untereinander, so sein Schlussplädoyer.

Einen großen Bogen in der Geschichte der Gärten im Wandel der Zeiten spannte der Landschaftsgärtner Thomas Janscheck in seinem Vortrag. Besonderes Augenmerk legte er auf die von Friedrich Fröbel angestoßene frühkindliche Gartenpädagogik, deren Erbe heute mit den Schulgärten fortgesetzt oder wiederbelebt werde. Interessant auch Janschecks Darstellung, wie aus den nach 1945 zu Ernährungszwecken entstandenen Nutzgärten die heutigen auf Erholung und den Genuss von Naturprodukten ausgerichteten Obst- und Gemüsegärten entstanden. Dabei streifte er "Auswüchse", wie die einst modernen Rasen- und Koniferengärten, die übertriebene Technikversessenheit und Giftspritzung gegen Schädlinge. Gegenwärtig boome die Gartenpädagogik, stellte der Redner fest, in deren Mittelpunkt die Nutzung des Gartens zu therapeutischen, spirituellen (Klostergärten) und zu Wellnesszwecken stehe.

kch/Waldkraiburger Nachrichten

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