"Die Leute sind an mir interessiert"

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In der Lederhose über den Laufsteg: Kofi Boevi, Vize-"Mister Waldkraiburg" mit Söhnchen Noah. Der aus Togo stammende 38-Jährige ist noch nie wegen seiner Hautfarbe ausgegrenzt worden.

Waldkraiburg/Aschau - Im vergangenen Jahr sorgte er bei der Wahl "Mister Waldkraiburg" für Furore: der 38-jährige Kofi Boevi.

Der gebürtige Togolese in Lederhosen belegte den zweiten Platz. Die deutsche Staatsbürgerschaft hat der Aschauer seit Dezember 2010. Wegen seiner Hautfarbe oder seiner Herkunft ist er nach eigenen Angaben noch nie ausgegrenzt worden. Ein Beispiel gelungener Integration.

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Kofi Boevi nahm zum ersten Mal an so einem Wettbewerb teil und belegte auf Anhieb den zweiten Platz. Dabei ist nicht das Alter ungewöhnlich, sondern dass der sportliche Typ ein dunkelhäutiger Togolese ist, der seit Dezember 2010 die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Herkunft und Hautfarbe waren nie ein Problem. Auch in Aschau, wo er mit seiner Frau Elisabeth und seinem siebenjährigen Sohn Noah lebt, gehört er einfach dazu.

Weshalb sind Sie nach Deutschland gekommen?

Ich stamme aus eher ärmlichen Verhältnissen und bin in Lome, der Hauptstadt Togos, aufgewachsen. Dort habe ich zwar eine Lehre als Tischler gemacht, aber danach keine Arbeit gefunden. Deshalb bin ich über Frankreich nach Deutschland gekommen, um mir hier eine Zukunft aufzubauen.

Haben Sie dann in Deutschland Arbeit gefunden?

Leider wurde meine Ausbildung nicht anerkannt. Das ist aber auch klar, da in Togo alles per Hand gemacht wird, hier in Deutschland werden dagegen viel mehr Maschinen verwendet. Doch seit sechs Jahren arbeite ich in dem Milchwerk Jäger in der Verpackung; und ich fühle mich wohl dabei.

Wie ist das Arbeitsklima in Ihrem Betrieb?

Wir verstehen uns sehr gut und ich habe keine Probleme dort. Ich bin von Anfang an gut aufgenommen worden und habe mir noch nie irgendwelche dumme Sprüche anhören müssen.

Aschau ist eine kleine, ländliche Gemeinde. Haben Sie da schon einmal schlechte Erfahrungen wegen Ihrer Hautfarbe gemacht?

Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, die Leute sind an mir interessiert. Sie befragen mich nach meinem Heimatland und sind neugierig, wie es mir hier in Deutschland geht. Vielleicht liegt es auch daran, dass meine Frau eine gebürtige Aschauerin ist.

Das Gleiche gilt auch für ihren siebenjährigen Sohn Noah?

Er fühlt sich sehr wohl und hatte weder im Kindergarten, noch jetzt in der Schule Schwierigkeiten.

Sie sprechen sehr gut Deutsch - mit bayerischen Brocken.

Ich lese viel Zeitung und quatsche gerne mit den Leuten. Da lernt man eine ganze Menge. Zudem habe ich, als ich die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt habe, einen Deutschkurs besucht.

Im vergangenen Jahr haben Sie sich an der Wahl zum "Mister Waldkraiburg" beteiligt. Wie kam es dazu?

Meine Frau Elisabeth und meine Freunde haben mich dazu überredet und ich habe es nicht bereut.

Wie war das, vor so vielen Menschen im Waldkraiburger Festzelt aufzutreten?

Ich muss zugeben, ich war total aufgeregt. Es war das erste Mal, dass ich bei so etwas teilgenommen habe. Aber die Stimmung im Festzelt war gigantisch, das hat mir die Nervosität genommen.

Hatten Sie keine Sorge, dass sie wegen ihrer Herkunft angefeindet werden könnten?

Nein eigentlich nicht. Und es hat sich auch bewahrheitet. Ich habe nur positive Resonanz bekommen, sowohl vor als auch hinter der Bühne.

Am Ende sind sie auf dem zweiten Platz gelandet. Hat Sie das Ergebnis gefreut oder waren Sie enttäuscht?

Anfangs habe ich den ganzen Wettbewerb gar nicht so ernst genommen. Doch als ich dann auf der Bühne stand, wollte ich schon gewinnen. Von daher war ich schon ein bisschen enttäuscht über den zweiten Platz. Aber mein Sohn fand es cool, dass ich mitgemacht habe.

Haben Sie durch die Mister-Wahl noch weitere Auftritte dieser Art gehabt?

Ich war noch bei den Wahlen zu "Mister Südbayern" und "Mister Bayern" dabei. Zudem habe bei zwei Modenschauen mitgemacht; eine für Trachten- und eine für Bademoden.

Würde Sie eine Modelkarriere reizen?

Ich bin zwar eigentlich für jeden Spaß zu haben, aber das wäre, glaube ich, nichts für mich.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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