Integration geht nicht von alleine

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Die Gesichter des Integrationsfachdienstes in Waldkraiburg: Andreas Vorderhuber, Helena Kormann und Anton Gass (von links) bemühen sich darum, Behinderte in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

Waldkraiburg - Menschen mit Behinderungen fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen, ist die Aufgabe des Integrationsfachdienstes - das geht aber nur mit sozial engagierten Arbeitgebern.

Menschen mit Behinderungen fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen, ist die Aufgabe des Integrationsfachdienstes. In Waldkraiburg betreuen und begleiten Andreas Vorderhuber, Helena Kormann und Anton Gass rund 40 Klienten pro Jahr. Die drei sind sich einig: Ohne sozial engagierte Arbeitgeber wäre die Integration nicht möglich.

Seit zwei Jahren ist die Waldkraiburgerin Helena Kormann beim Integrationsfachdienst Oberbayern-Ost als Sozialpädagogin tätig. Auch ihre Bachelorarbeit hat die 25-Jährige über den Integrationsfachdienst geschrieben und dort bereits während des Studiums hineinschnuppern können. Jetzt kümmert sie sich unter anderem darum, dass Menschen mit Behinderung wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden.

Den Integrationsfachdienst gibt es in Waldkraiburg bereits seit 1998. Als Modellprojekt des Bundes gestartet, hat sich der Dienst schon lange zu einer festen Einrichtung etabliert. Unter dem Dach der gemeinnützigen Stiftungsgesellschaft Johann Peters hat der Fachdienst die Aufgaben, behinderte Menschen zu beraten, zu unterstützen und geeignete Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu vermitteln.

"Wir beraten aber auch Arbeitgeber, die einen Behinderten in ihren Betrieb eingliedern wollen, informieren sie über mögliche Fördermittel und betreuen Behinderte und Arbeitgeber in der ersten Zeit der Zusammenarbeit", erklärt Anton Gass, der Leiter des Integrationsfachdienstes in Waldkraiburg.

Er kümmert sich vor allem um Gespräche mit dem Integrationsamt, der Bundesagentur für Arbeit, und Rehabilitationsträgern wie der Rentenversicherung, der gesetzlichen Unfallversicherung, der Sozialhilfe und der Jugendhilfe oder den Versorgungsämtern. Diese Organisationen sind die Auftraggeber für den Integrationsfachdienst.

Doch auch Ratsuchende können sich direkt an den Integrationsfachdienst wenden. Hier werden dann in einem ersten Gespräch die Anliegen und Zuständigkeiten geklärt. Bei weiterem Betreuungsbedarf kümmert sich der Integrationsfachdienst dann darum, dass der zuständige Kostenträger hilft.

Helena Kormann ergänzt, dass sie in der Hauptstelle in Traunstein auch Präsenzzeiten haben, wo Betroffene sich hinwenden können. Das gilt auch für Betriebe, die sich über die Integration von Behinderten informieren wollen. Oder aber wenn Betriebe vor dem Problem stehen, dass ein langjähriger Mitarbeiter auf Grund eines körperlichen Leidens eine andere Arbeitsstelle braucht oder sein Arbeitsplatz umgestaltet werden muss.

Zusammen mit ihrem Kollegen Andreas Vorderhuber kümmert sie sich um die Betreuung der rund 40 Klienten, die sie pro Jahr haben. Sie werden im Schnitt rund ein halbes Jahr betreut und fit für den Arbeitsmarkt gemacht. Dabei analysieren sie bei einem Gespräch die aktuelle Situation und erstellen einen Eingliederungsplan.

"Ärztliche und psychologische Gutachten helfen, die Ressourcen und die Leistungsfähigkeit der Behinderten festzustellen. Danach folgen Dinge wie Bewerbertraining, Arbeitsplatzakquise sowie Verhandlungen mit Kostenträgern und Arbeitgebern", erklärt Kormann. Auch während der Einarbeitungszeit begleiten die Sozialpädagogen die Behinderten, sorgen bei Bedarf für technische Arbeitshilfen und sind immer da, wenn "kleinere Wehwehchen" auftauchen.

Eigentlich wollte Andreas Vorderhuber Ingenieur werden. Doch nach dem Zivildienst war für ihn klar, dass er sich im sozialen Bereich engagieren möchte. So kam er zum Integrationsfachdienst und kümmert sich bei dem Bund-Länder-Programm "Initiative Inklusion" um die Unterstützung von behinderten Jugendlichen, die am Übergang Schule-Beruf stehen.

Ziel sei es, den Schülern die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. "Die Behinderten haben auch den Wunsch, ein eigenbestimmtes Leben zu führen", so Vorderhuber.

Einig sind sich Vorderhuber und Helena Kormann, dass die Integration ohne Arbeitgeber, die sozial engagiert sind, nicht möglich wäre. Doch sie wissen auch aus eigener Erfahrung, dass sich die Beschäftigung von Behinderten positiv auf das Arbeitsklima in den Betrieben auswirkt. "Es kommt ganz selten vor, dass Arbeitgeber nicht zufrieden sind", so Kormann.

Vorderhuber ergänzt, dass die behinderten Mitarbeiter oftmals treuer und loyaler zum Betrieb stehen würden und vor allem länger bleiben. Zudem erledigen sie Arbeiten, die andere Mitarbeiter nicht mehr machen. Daher lohne sich auch ihr Engagement.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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