In Waldkraiburg formiert sich Gemeinde

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Wollen eine lebendige rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Waldkraiburg aufbauen: Pfarrer Marius-Ioan Turcu (links) und sein Kollege Constantin Reinhold Bartok (rechts), die die Gläubigen betreuen, hier zusammen mit Weihbischof Sofian Brasoveanul, der in Waldkraiburg bereits mehrfach zu Besuch war.

Waldkraiburg - Waldkraiburg ist nicht nur multikulturell, sondern ebenso multireligiös, beziehungsweise multikonfessionell.

Jüngstes Beispiel dafür ist die rumänisch-orthodoxe Gemeinde, die sich in der Stadt formiert.

Bereits seit über einem Jahr ist die rumänisch-orthodoxe Kirche in Waldkraiburg präsent. Pfarrer Dumitru Muresan und seine Frau Felicia haben sich bis November um den Aufbau einer Gemeinde bemüht. Der Weihbischof der rumänisch-orthodoxen Kirchengemeinde München, PS Sofian Brasoveanul, hat Waldkraiburg bereits mehrfach besucht und zum Beispiel an Pfingsten eine Messe in der katholischen Holzkirche an der Enzianstraße gefeiert.

Jetzt will die rumänisch-orthodoxe Kirche, der in ganz Deutschland nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen etwa 300.000 Mitglieder angehören, dem wachsenden Interese und religiösen und kulturellen Bedürfnissen der Gläubigen noch stärker Rechnung tragen. Im Auftrag des Bischofs Sofian betreut der orthodoxe Priester Marius-Ioan Turcu zusammen mit Pfarrer Constantin Reinhold Bartok die Christen in Waldkraiburg und Umgebung.

Noch ist die Gemeinde keine Pfarrei, sondern direkt dem Weihbischof unterstellt. Es sei aber das Ziel, so Pfarrer Turcu, eine selbstständige rumänisch-orthodoxe Pfarrei aufzubauen; eine Pfarrei, wie sie etwa in Rosenheim oder in Traunreut bereits besteht.

Nur in der Stadt Waldkraiburg gebe es wohl 200 rumänisch-orthodoxe Christen, schätzt Constantin Bartok, dem aber noch keine offiziellen Zahlen vorliegen. Als Pfarrer in Traunreut begleitet er etwa 600 eingetragene Gemeindemitglieder alleine aus Traunreut und freut sich über ein reges Gemeindeleben. "Wir haben eine eigene Jugendgruppe, einen Männerverein, einen Trachtenverein und einen Kirchenchor mit 20 Mitgliedern." Der geplante Neubau einer Kirche in Traunreut sei vom Pfarrgemeinderat und vom Bischof bereits abgesegnet.

Welche Gruppen in Waldkraiburg aufgebaut werden können, ist noch nicht klar. "Wir sind noch ganz am Anfang", so Bartok, dem es wichtig ist, Veranstaltungen und Treffen zu organisieren, die die Identität der rumänisch-orthodoxen Christen ausmachen. Ein Live-Konzert mit Tänzen und traditioneller Volksmusik aus Transsylvanien am vergangenen Samstag ist dafür ein Beispiel. Weitere Veranstaltungen sollen folgen.

Pfarrer Marius-Ioan Turcu, der in Grafing im Landkreis Ebersberg lebt, und auch in anderen Pfarreien im Einsatz ist, legt seinen Schwerpunkt in Waldkraiburg auf die pastoralen und liturgischen Aktivitäten. Ab sofort wird er jeden ersten Sonntag im Monat um 10.30 Uhr eine Messe nach rumänisch-orthodoxem Ritus in der Holzkirche zelebrieren. Nach seinen Angaben wird er sie auf deutsche Verhältnisse zeitlich gestrafft halten und die Predigt auf etwa 20 Minuten verkürzen.

Zwar sprechen die meisten Gläubigen natürlich rumänisch, doch schon deshalb, weil es sehr viele Mischehen gibt, werden "Teile des Gottesdienstes auch in Deutsch vorgetragen", erklärt Pfarrer Bartok, der jeden letzten Sonntag im Monat um 10.30 Uhr die Messe in der Holzkirche feiert.

Zur Monatsmitte werden beide Priester zusammen oder auch abwechselnd samstags um 17 Uhr, erstmals am 17. Dezember, die Krankensalbung (Sf. Maslu) zelebrieren. Am zweiten Weihnachtsfeiertag, am 26. Dezember, gestalten beide Priester zudem die Liturgiefeier. Dazu gehört traditionsgemäß, dass anschließend die Gläubigen mit ihnen "Colinda" gehen. Dieses Ritual ähnelt dem bayerischen Klopfersingen, erzählt Pfarrer Bartok. Man gehe von Haus zu Haus, um den Segen zu wünschen. Wer daran interessiert ist, kann sich bei Bartok unter Telefon 0152/ 28670853 oder bei Gabriel Hoffmann, Telefon 08638/ 632197, melden. Totengedenkenfeiern (Parastas) sowie Gebete für die Gesundheit können auf Wunsch nach jeder Messe abgehalten werden. Auch Eheschließungen und Taufen werden nach Terminabsprache vorbereitet. Haus- und Wohnungsweihen sind erstmals nach dem großen Feiertag des Heiligen Johannes des Täufers am 6. Januar möglich.

Ioan Marius Turcu will zudem in einigen Schulen Waldkraiburgs, in denen es eine ausreichende Zahl von rumänisch-orthodoxen Schülern gibt, Religionsunterricht als Alternative zum Ethikunterricht anbieten sowie einen Kirchenchor ins Leben rufen. Zu erreichen ist er unter Telefon 0173/8476133.

Damit die Gemeinde einen Beitrag zur Integration leisten kann, sind den Pfarrern gute Beziehungen zur Stadt und zu den anderen christlichen Kirchen wichtig. Es gebe bereits Kontakte zu Pfarrer Martin Garmaier vom katholischen Pfarrverband und Pfarrer Christian Peiser von der evangelischen Kirchengemeinde, freut sich Bartok. Auch an einem ökumenischen Treffen der Kirchen in Waldkraiburg habe er bereits teilgenommen.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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