Wundertüte der Feuerwehrtechnik

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Wer Feuerwehrblut in seinen Adern hat, wird von diesem Museum begeistert sein, ist Staatsminister Marcel Huber überzeugt, der selbst seit 1973 bei der Feuerwehr ist und lange in Ampfing Kommandant war.

Waldkraiburg - Bestimmt 20.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden waren nötig, die ein Häuflein von Feuerwehr-Enthusiasten geleistet hat, um das "Feuerwehrmuseum Bayern" möglich zu machen.

Dr. Marcel Huber bei der Eröffnungsfeier:

Viel Lob für engagierte Museumsmacher

Waren es 15.000 Stunden? Oder waren es gar 20.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden, die ein Häuflein von Feuerwehr-Enthusiasten geleistet hat, um das "Feuerwehrmuseum Bayern" in Waldkraiburg möglich zu machen? Harald Stanko, unermüdlicher Motor und mit Fritz Habenicht treibende Kraft dieses Projekts, kann das beim besten Willen nicht sagen. Weniger waren es aber sicher nicht, sagte er am Rande der Eröffnungsfeier am Wochenende.

Mit dem Einzug im Februar 2011 machte sich der 70 Mitglieder starke Förderverein daran, im ehemaligen Baumarkt in der Duxer Straße in Waldkraiburg eines der größten, wenn nicht das größte Feuerwehrmuseum Europas aufzubauen.

Etwa 30 Aktive, die der Feuerwehr-Virus erfasst hat, wie Stanko und Co. von sich sagen, haben mitgeholfen, etwa dabei, Fahrzeuge herauszuputzen, zu reinigen und zu waschen oder, soweit notwendig, zu bestücken und herzurichten. Über 100 Fahrzeuge und Anhänger stehen jetzt - neben vielen tausend weiteren Einzelobjekten - auf einer 4500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche in Reih und Glied, um die technische Entwicklung des Feuerwehrwesens zu veranschaulichen.

Vom Feuerwehr-Virus erfasst: Karl Seegerer (links), ehemaliger Leiter der Oberbranddirektion München, vor einer Drehleiter aus den 30er-Jahren, mit der er selbst noch in den Kriegsjahren im Einsatz war, und Harald Stanko (rechtes Foto links, mit dem Traunreuter Feuerwehrkommandanten Ingo Klepke) vor jenem Löschgruppenfahrzeug, das er Mitte der 90er-Jahre aus Nachbars Garten erwarb und mit dem das Museumsprojekt begann.

Einer der selbst als bundesweit führender Feuerwehrmann an dieser Entwicklung mitgewirkt hat, zählt zu den Ehrengästen und beeindruckt bei der ersten offiziellen Führung für geladene Besucher im frisch eröffneten Museum gemeinsam mit Harald Stanko als kundiger Führer: Karl Seegerer, der im 84. Lebensjahr steht. 23 Jahre lang leitete er die Oberbrandinspektion München, also auch die Berufsfeuerwehr der Landeshauptstadt. Aus ihren Beständen stammt ein Großteil der Exponate, dazu kommen Leihgaben anderer Feuerwehrfahrzeuge aus dem ganzen Bundesgebiet sowie Objekte aus dem Eigentum des Vereins, beziehungsweise seiner Mitglieder.

Würde am liebsten selbst an der Kurbel drehen, um den Motor anzuwerfen: Bürgermeister Siegfried Klika, der das Museumsprojekt von Anfang an unterstützt hatte.

Seegerer hat sich mit dem Feuerwehr-Virus schon als sechsjähriger Bub angesteckt. Damals - 1934 - als in seiner Heimatstadt Amberg eine der ersten Stahldrehleitern an die Stadt übergeben wurde. Später als 14-Jähriger trat er der HJ-Feuerwehr bei, um andere Verwendungen zu vermeiden, wie er sagt, und war die folgenden Kriegsjahre und in der Nachkriegszeit mit dieser Drehleiter selbst im Einsatz. Heute steht sie im Waldkraiburger Museum. Und Seegerer freut sich darüber, dass mit dessen Eröffnung 30 Jahre lange Bemühungen belohnt werden. "Für jeden Entwicklungsschritt sollte ein Zeitzeuge erhalten bleiben", sagt er. "Das ist erreicht."

Einen Zeitraum von über 100 Jahren deckt der Museumsbestand ab. Das geht los mit einem Spritzenwagen von 1880, auf dem das Löschwasser noch mit Muskelkraft gepumpt werden musste. "Die Pumpe funktioniert noch", betont Harald Stanko stolz.

Die erste Führung im frisch eröffneten Museum. Ab dem nächsten Wochenende sollen viele weitere folgen.

"Die Dinge stehen nicht nur da." Was für den "Oldie" gilt, gilt für die ganze Sammlung: Fast alle Fahrzeuge sind voll bestückt, stehen funktionsfähig in der Halle, als sollten sie morgen wieder ausrücken. Soweit wird es wohl nicht kommen, doch im Museumsbetrieb sind neben Führungen immer wieder auch realitätsnahe Vorführungen vorgesehen. Der Hof vor der Halle ist groß genug für derartige Aktionen. Ein Museumserlebnis versprechen die Museumsmacher, die als Zielgruppe Experten, also Feuerwehrleute ebenso im Blick haben wie Besucher, die sich erstmals mit dem Thema beschäftigen.

Kinder, Familien, Urlauber zum Beispiel aus dem nahen Chiemgau wollen sie ansprechen, Tagesbesucher, auch Fachleute von der Feuerwehr aus einem viel weiteren Umkreis sollen erreicht werden. 40000 Besucher im Jahr, diese Größenordnung wurde bei der Eröffnungsfeier als Zielmarke genannt.

Eine ganze Abteilung mit Drehleitern zum Beispiel, in der sich Stufe für Stufe die Entwicklung dieser speziellen Fahrzeugtechnik seit den 50er-Jahren ablesen lässt, wird wohl vor allem die Experten ansprechen. Daneben gibt es viele eher kuriose Erscheinungen, die das Museum wie eine kleine Wundertüte aufbietet: Eine mit Kohlensäure angetriebene Drehleiter zum Beispiel, aus der Zeit, als die Leiter nicht mehr manuell ausgefahren wurde, aber eben auch noch nicht hydraulisch, beziehungsweise elektrisch. "So ein Stück sieht man woanders nicht", schwärmt Marcel Huber, Staatsminister und aktiver Feuerwehrmann.

Mal ist es der Antrieb, mal ist es das Kennzeichen, das Besonderheiten aufweist. Das "A/B", das Feuerwehreinsatzfahrzeuge nach dem Krieg in der amerikanischen besatzungszone im Schilde führten. Und manchmal ist es einfach nur das Aussehen, das nicht nur Technik-Freaks anspricht. "Das ist wahrscheinlich eines der schönsten Fahrzeuge der Feuerwehrgeschichte", sagt Stanko über einen Magirus-Rüstkraftwagen aus den 50er-Jahren mit seinen runden, geschungenen Formen. Aufsehen versprechen sich die Museumsmacher auch von einer großen Blaulichtsammlung.

Ab 30. Juni ist Museum geöffnet

Wer das Feuerwehrmuseum besuchen möchte, muss sich nicht mehr lange gedulden. Am kommenden Samstag, 30. Juni, beginnt der geregelte Museumsbetrieb. Bis auf Weiteres ist die Ausstellung dann täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt. Das Ticket für Erwachsene kostet acht Euro, die Familienkarte 15 Euro.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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