Weltmeister ohne Schummeln

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Die Trophäe von der International Computer Games Association (Pferdekopf) gehört nun ihm: Erdogan Günes (hier mit seiner Tochter Aleyna). Er wurde nachträglich zum Weltmeister der Computer Schach WM 2007 und 2010 gekürt, weil jetzt rauskam, dass der ursprüngliche Weltmeister Vasik Rajlich betrogen hatte. "Er benutzte ganze Passagen eines fremden Computerprogrammes und verkaufte sie als seine, um zu gewinnen", so Günes.

Waldkraiburg - Weil der Weltmeister der Computerschachszene fremde Codes in sein Programm integriert hatte, wurden ihm die Titel wieder aberkannt. Nachgerutscht ist ein Waldkraburger:

Weil der Weltmeister der Computerschachszene, Vasik Rajlich, fremde Codes in sein Programm integriert hatte, wurden ihm seine Titel wieder aberkannt. Für die Jahre 2007 und 2010 rutschte der Waldkraiburger Erdogan Günes nun an die Spitze und wurde nachträglich gekürt.

"Guttenberg lässt grüßen", sagt Erdogan Günes, der mit Computerschachprogrammen schon mehrere Weltmeistertitel bei der International Computer Games Association (ICGA) einheimste. Dabei spielen zwei Programme gegeneinander.

Das Weltmeisterprogramm "Rybka", geschrieben von dem Computer-Schachprogrammentwickler Vasik Rajlich, dominierte seit 2007 die Szene und gewann viermal den Titel. Dann stellte sich heraus, dass Rajlich Codes von leistungsfähigen Programmen abgekupfert hatte. Und so gilt "Rybka" nun als Teil-Plagiat und alle Titel wurden ihm aberkannt. Dadurch rutschte Erdogan Günes, der 2007 und 2010 Vize-Weltmeister war, an die Spitze und bekam nachträglich die Titel zuerkannt.

"Das ist eine Genugtuung für mich", so der 41-jährige Waldkraiburger. Aber kaufen könne er sich als Programm-Entwickler davon nichts. Er verdiene sein Geld damit, die Programme professionell zu vermarkten.

Durch den verpassten WM-Sieg, weil er gegen das Plagiats-Programm, dass damals als stärkstes der Szene galt, unterlag, seien ihm "mittlere fünfstellige Summen durch die Lappen gegangen". Vasik Rajlich machte mit seinem Programm dann diese Deals. Von Null auf hundert habe sich der unbekannte Programmierer an die Spitze gesetzt. Die unerklärbare Leistungssteigerung habe viele in der Szene stutzig gemacht. Als ein Untersuchungsausschuss der ICGA, der mit 34 Programmierern besetzt war, sich im vergangenen Jahr mühevoll auf die Suche machte, kam am Ende heraus, dass sich Vasik bei den Programmen "Friut" und "Crafty" an den Codes bedient hatte, wie Spiegel Online berichtet. Und weil das Programm "Rybka" kommerziell ist, ist das in diesem Ausmaß nicht zulässig.

Rajlich musste alle Titel, Preisgelder und Trophäen zurückgeben und wurde lebenslang bei der ICGA disqualifiziert. Weder er noch eines seiner Produkte dürfen je wieder an diesen Wettbewerben teilnehmen.

Günes erklärt, dass es in der Branche durchaus üblich sei, sich von anderen Codes Inspirationen zu holen. "Man lernt voneinander und kann auch allgemein zugängliche Codes verwenden." Modifikationen aus dem Sourcecode seien erlaubt. Das führe hier und da zu Ähnlichkeiten. "Doch es ist in der Computerwelt ein schmaler Grat, voneinander zu lernen und fremdes Gedankengut zu klauen."

Aber Rajlich hat Lizenzen verletzt und das Programm als sein geistiges Eigentum verkauft. "Es kam raus, dass er 85 Prozent plagiiert hat. Dabei hat er frech behauptet, dass es seine Genialität war", ärgert sich Günes, der weiß, wie viel Arbeit in so einer Computerschach-WM-Vorbereitung stecke. Zeit, die für's Programmieren drauf gehe und etwa seinen drei Töchtern abgehe.

Heuer muss sich Günes auf keine WM vorbereiten. Vielleicht schafft er es, seiner Tochter Aleyna (9) das Schachspielen mit echten Bauern und Damen beizubringen. Schmunzelnd sagt er, "ich hab meinen Kindern gesagt, wenn sie meine Figuren schon umschmeißen, müssen sie sie auch wieder richtig aufstellen."

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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