Wie die Energiewende gelingen kann

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Beim Messe-Rundgang mit Umweltreferent Gerd Ruchlinski (Zweiter von links) und MdB Stephan Mayer (Zweiter von rechts) informierte sich Minister Marcel Huber (Mitte) unter anderem auch am Stand von Alois Gebauer (links) und Sebastian Weisser, die mit ihrem jungen Unternehmen auf Energie sparende LED-Strahler setzen.

Waldkraiburg - Allen Bedenkenträgern gegen die Energiewende hält Bayerns Umweltminister Marcel Huber entgegen: "Wenn es einer schafft auf dieser Welt, dann sind wir das."

Deutschland habe technologisch, finanziell und vom Rückhalt der Bevölkerung her die Voraussetzung dafür, sagte er in einem Vortrag im Haus der Kultur. Sollte die Wende erfolgreich umgesetzt werden, "sind wir das Modell für die Welt". Das sei ein Potenzial von einer Million Arbeitsplätzen zusätzlich.

Zuvor hatte der Minister in seinem Vortrag bei der Energiesparmesse erläutert, wo anzusetzen ist, um die Energiewende, den Ausstieg aus der Kernkraft bis 2022, zu schaffen. Neben der Versorgungssicherheit und der umweltgerechten Energiegewinnung hielt er dabei als weitere Prämisse fest, dass der Strom "nicht überschießend teuer werden darf". Im Blick auf die anstehende Erhöhung der Strompreise durch das EEG um etwa zwei Cent im Herbst - das macht im Jahr rund 80 Euro mehr für den durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt aus - fordere der Freistaat deshalb: Der Bund sollte in der Übergangsphase, die in den nächsten zehn, 15 Jahren hohe Investitionen notwendig macht, die Preissteigerung durch das EEG mit dem zeitweisen Absenken der Stromsteuer abpuffern, um die Akzeptanz der Energiewende in der Bevölkerung zu sichern.

Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, sei "das Wichtigste", Energie zu sparen. Bis zu 20 Prozent Stromreduktion sei möglich. Vielfältige Einsparpotenziale im privaten Bereich, in der Wirtschaft, bei Kommunen und Staat zeigt ein 12-Punkte-Aktionsplan auf, den das bayerische Umweltministerium mit Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz vor wenigen Wochen veröffentlicht hat. Ein Durchschnittshaushalt, der das Einsparpotenzial ausschöpft, könnte laut Huber rund 250 Euro im Jahr sparen.

50 Prozent des Stroms in Bayern sollen 2022 aus regenerativer Energie kommen. Beim Zubau der Stromerzeugungskapazitäten sei man schnell unterwegs, so Huber. Die große Herausforderung bestehe vielmehr darin, bei wachsendem Anteil von Sonne und Wind an der Energiegewinnung Diskrepanzen zwischen der Erzeugungsspitze und der Bedarfsspitze auszugleichen und Stromlücken zu vermeiden.

Ganz entscheidend sei die Steuerung des Bundes beim Zubau von Anlagen wie beim Ausbau von Übertragungskapazitäten, damit es nicht zu Überkapazitäten im Norden der Republik - etwa durch große Off-Shore-Anlagen - kommt, während die Netze fehlen.

Um nicht vom Ausbau der Netzkapazitäten von Nord nach Süd abhängig zu werden, setzt der Freistaat auf Speichertechnologie. Neben der kontrovers diskutierten Pumpspeichertechnik, die der Minister befürwortet, aber nicht für ausreichend hält, geht es da zum Beispiel um Laststeuerungsverfahren, die Stromerzeugung und -verbrauch in Industriebetrieben koordinieren. Diese Verfahren sind ebenso noch im Forschungsstadium wie diverse chemische Speicherverfahren. So ist etwa die Methanisierung des Überschussstroms, für die es wegen der vorhandenen großen Erdgasspeicher und Leitungen gute Voraussetzungen gibt, noch nicht marktreif.

Notwendig sei deshalb ein Ausbau von Pufferkraft- werkskapazitäten, die schnell hoch- und runtergefahren werden können, einen hohen Wirkungsgrad haben und von der CO2-Bilanz her am günstigsten sind: Erdgaskraftwerke, für die es aber keine Investoren gibt, weil die Anlagen nicht lange genug laufen. Da brauche es finanzielle Anreize, um Investoren zu gewinnen.

Der Minister gab sich zuversichtlich, dass es über Anreize gelingen kann, auch die großen Energiekonzerne für die Umstellung zu gewinnen. Bei privaten Haushalten setze er ebenso "lieber auf Freiwilligkeit", meinte er auf die Frage eines Zuhörers, warum der Staat nicht mehr Vorschriften für eine wirksame Energieeinsparung erlässt.

Einem anderen Teilnehmer, der die wachsende Mais-Monokultur für Biogasanlagen kritisierte, gab der Minister recht. Das sei eine Fehlentwicklung. Zwar sei der Mais eine ideale Biogaspflanze, mit den Mais-Monokulturen gehe aber die Tier- und Pfanzenwelt zurück. Das Ziel seien kleinere Anlagen mit möglichst hohem Gülle-Anteil. Es gebe intensive Forschungen mit anderen Blühpflanzen, um den Mais zu ersetzen.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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