Protest gegen geplante Wohnanlage

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1036 Unterschriften haben Brigitte Seidel (Mitte vorne) und ihre Mitstreiter nach eigenen Angaben gesammelt, um gegen die Wohnanlage zu protestieren, die ein Investor auf einem Waldgrundstück der Stadtbau GmbH hinter dem Netto-Parkplatz an der Adlergebirgsstraße errichten will. Bürgermeister Siegfried Klika (Zweiter von links) nahm die Unterschriften im Rathaus entgegen und erklärte, dass das Projekt im Rahmen des eingeleiteten Bauleitplanverfahrens geprüft werde.

Waldkraiburg - Mit über 1000 Unterschriften wollen Anwohner ein Wohnbauprojekt hinter dem Netto-Parkplatz verhindern. Ihre Beweggründe sind unterschiedlich:

Das Vorhaben eines auswärtigen Investors, auf einem 4500 Quadratmeter großen Grundstück hinter dem Netto-Parkplatz an der Adlergebirgsstraße zwei viergeschossige Wohngebäude mit jeweils 18 Komfortwohnungen zu errichten, stößt bei Anliegern und vielen Menschen im anschließenden Wohnviertel auf Kritik. Über 1000 Unterschriften gegen das Projekt haben sie gesammelt und jetzt im Rathaus Bürgermeister Siegfried Klika übergeben.

Seit das Vorhaben Ende November bekannt wurde, lagen im Kindergarten St. Christophorus sowie in der Elsass-Bäckerei, im Blumenladen und im Naturkostladen in der Berliner Straße Listen aus. Und Brigitte Seidel, direkte Anliegerin der geplanten Wohnbebauung, war wie einige Mitstreiter sehr aktiv, um Unterschriften zu sammeln. 1036 Bürgerinnen und Bürger trugen sich laut Seidel in die Listen ein, um gegen das Vorhaben zu protestieren. Unterschiedliche Gründe haben sie dazu bewogen, wie bei der Übergabe der Unterschriften im Rathaus deutlich wurde.

Unmittelbar von dem Vorhaben betroffen sind Brigitte Seidel und Helmut Kreuss, die mit ihren Grundstücken direkt an das Wäldchen angrenzen, das der Investor bebauen will. In der geplanten viergeschossigen Bebauung sehen sie eine erhebliche Beeinträchtigung. Seidel: "Wir durften nur eingeschossig bauen."

Wie hoch die Bebauung der geplanten Wohnanlagen tatsächlich wird, sei noch gar nicht klar, betonte Bürgermeister Siegfried Klika. "Es wurde nie beschlossen, dass das so gebaut wird." Der Stadtentwicklungsausschuss, das zuständige Gremium, habe vielmehr auf eine Anfrage hin nur signalisiert, dass man sich eine Bebauung vorstellen kann, und den Grundsatzbeschluss gefasst, den bestehenden Bebauungsplan zu ändern.

Im damit eingeleiteten Bauleitplanverfahren gehe es jetzt darum zu prüfen, ob das Projekt so realisierbar ist, und viele Detailfragen zu klären, von der Lage der Gebäude über deren Höhe, Fassaden- und Dachgestaltung bis zur verkehrlichen Erschließung. Auch auf die Verschattung anderer Grundstücke werde dabei geachtet. Mindestens zweimal werde im Laufe dieses Verfahrens die Planung öffentlich ausgelegt. Die Träger öffentlicher Belange ebenso wie betroffene Anlieger können dazu ihre Einwendungen vorbringen, die in öffentlicher Ausschusssitzung behandelt werden.

Die Wohnbebauung an dieser Stelle könne zu Beeinträchtigungen für den benachbarten Kindergarten führen. Diese Befürchtung, die Peter Penterling und andere im Rathaus und Simone Hintermayr in einem Brief an den Bürgermeister vortrugen, teilt Klika nicht.

Ein großes Sicherheitsproblem sehen Kritiker in der Erschließung der Wohnanlage. Der Autoverkehr zu Stellplätzen und Tiefgarage müsste einen stark frequentierten Fußweg queren, der eine wichtige Funktion als Verbindungsweg für das ganze Viertel in die Stadtmitte hat und auch von vielen Kindergarten- und Schulkindern genutzt wird.

"Der Fußweg bleibt erhalten", sagte dazu Angela Hartinger-Hirn, die Leiterin der Stadtentwicklungsabteilung. Das habe die Stadt in der Hand. Sie wies darauf hin, dass auch im rechtskräftigen Bebauungsplan die Zufahrt über den Fußweg vorgesehen sei. Auf dem Grundstück besteht nämlich bereits Baurecht für ein Kulturhaus/Museum. Unter anderem sind demnach dort eine Wandhöhe von neun Metern sowie Sonderdachformen zulässig.

Brigitte Seidel kritisierte auch, dass vor zehn Jahren in Folge der kleinen Gartenschau das Grundstück im Zuge der Grünleitplanung umgestaltet worden sei. Fichten und Kiefern wurden gefällt und neu unterpflanzt. Rund 75000 Euro habe diese Maßnahme gekostet. Dazu Hartinger-Hirn: Diese Summe beziehe sich auf die Gesamtmaßnahme in diesem Bereich, nicht nur auf dieses Grundstück. Und Bürgermeister Klika wandte ein, nach zehn Jahren könnten sich eben auch neue Gesichtspunkte ergeben.

Als "Urwaldkraiburgerin" meldete sich Helene Püschel zu Wort. Wie vielen anderen Bürgern komme es ihr darauf an, dass "Waldkraiburg seinen Charakter behält". Die Besonderheit der Stadt seien ihre grünen Inseln, so Püschel, die sich aus diesem Grund für den Erhalt des Wäldchens aussprach. "Diesen Vorteil sollten wir uns nicht wegkommerzialisieren lassen."

Er habe nicht den Eindruck, dass Waldkraiburg seinen Charakter verliere, meinte Klika. Der Grüne Ring stehe unverändert unter absolutem Schutz, so der Bürgermeister. Dazu gehöre dieses Grundstück aber nicht. Er wies zugleich darauf hin, dass die Stadt auch Entwicklungsflächen brauche und dabei an ihre Grenzen stoße.

Warum gerade dieses Grundstück bebaut werden soll, leuchtete seinen Zuhörern nicht ein. Sie äußerten den Verdacht, dass es vor allem um ein Geschäft für die Stadtbau gehe, der dieses Grundstück gehört. Für die Bebauung böten sich doch andere Flächen an. Das Konen-Gelände, der Sparkassen-Park und der Kalander wurden als Beispiele genannt. Doch Bürgermeister und Bauabteilungsleiterin wiesen darauf hin, dass die Stadt über diese Grundstücke nicht verfügen könne.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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